Al-Qaidas Posterboy

03. Juni 2017 12:05; Akt: 03.06.2017 12:05 Print

Bin Ladens Sohn macht Terror-Experten nervös

Er spricht wie sein Vater und hat ähnliche Ziele: Der Lieblingssohn des getöteten Top-Terroristen Osama Bin Laden soll al-Qaida wieder gross machen.

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Osama Bin Laden, der Drahtzieher hinter den Anschlägen vom 11. September 2001, wurde 2011 getötet. Doch wie es aussieht, gibt es einen würdigen Nachfolger: Hamza Bin Laden, der als Lieblingssohn des früheren Al-Qaida-Chefs gilt, scheint der neue Stern am Jihadistenhimmel zu sein – auf den einschlägigen Websites der Terroristen meldet er sich immer häufiger zu Wort.

Zuletzt verbreitete sich eine Audiobotschaft des 28-Jährigen vor zweieinhalb Wochen – nur einige Tage vor dem Selbstmordanschlag von Manchester. «Bereitet euch fleissig darauf vor, den Ungläubigen lähmende Verluste zuzufügen», fordert er seine Anhänger darin mit sanfter Stimme, die stark an seinen Vater erinnert, auf.

«Tretet in die Fussstapfen der Märtyrer vor euch», heisst es weiter. Dann ruft Hamza Bin Laden dazu auf, besonders in Europa und Nordamerika Attacken zu verüben, um den Tod syrischer Kinder durch Luftschläge zu rächen. Dazu benötige man nicht zwangsläufig eine Feuerwaffe, es gebe viele Optionen, betont Bin Laden.

Konkurrenz zum IS

Experten sehen den jungen Mann, von dem lediglich Bilder aus Kindertagen existieren, als Kronprinzen des Terrorismus. Wie die «Washington Post» schreibt, sprechen die Wortmeldungen Hamzas dafür, dass sich die Terrororganisation al-Qaida neu aufstellt. Durch US-Militärschläge und den langjährigen Konkurrenten «Islamischer Staat» (IS) geschwächt, wolle al-Qaida offenbar frischen Wind in die eigenen Reihen bringen.

Angespornt durch die Rückschläge des IS in Syrien und im Irak, wirbt al-Qaida Kennern zufolge um dessen enttäuschte Gefolgschaft wie auch um Sympathisanten auf der ganzen Welt. Ein Jüngling, dessen Familienname unter Jihadisten Kultstatus geniesst, scheint da als neue Galionsfigur gerade willkommen zu sein. Anders als andere Al-Qaida-Grössen kritisiert Hamza Bin Laden den IS nicht öffentlich – wohl, um potenzielle Anhänger nicht vor den Kopf zu stossen.

«Löwe von al-Qaida»

Dass sich Hamza Bin Laden in dieser Position befindet, ist nicht selbstverständlich. Als US-Navy-Seals vor sechs Jahren in Osama Bin Ladens Anwesen im pakistanischen Abbottabad eindrangen und ihn sowie weitere Familienmitglieder töteten oder verletzten, war Hamza der Einzige, der fehlte. Wie sich später herausstellte, hielt er sich in einem anderen Versteck auf.

Im August 2015 meldete sich der damals 26-Jährige das erste Mal in einer Audiobotschaft zu Wort. Er rief seine Anhänger in Kabul, Bagdad und Gaza dazu auf, in Washington, London, Paris und Tel Aviv in den «Heiligen Krieg» zu ziehen. Im gleichen Jahr stellte ihn Osamas Stellvertreter Ayman al-Zawahri in einer Videobotschaft als «Löwen von al-Qaida» vor. Ein knappes Jahr später veröffentlichte Bin Laden eine 21-minütige Rede, in der er den USA Rache für den Tod seines Vaters schwor. Im Januar dieses Jahres setzten ihn die USA auf ihre Terrorliste.

«Im Wesentlichen sagt er: ‹Amerikaner, wir kommen und ihr werdet es fühlen. Und wir werden Rache nehmen für das, was ihr mit meinem Vater gemacht habt ... Irak ... Afghanistan›. Es geht um Vergeltung», zitiert die «Sun» den Ex-FBI-Agenten Ali Soufan.

Verheiratet und zwei Kinder

«Hamza ist die charismatischste und mächtigste Person der nächsten Jihadisten-Generation, einfach aufgrund seiner Abstammung und seiner Geschichte», zitiert die «Washington Post» den Ex-CIA-Agenten und Terrorismus-Experten Bruce Riedel.

Über das Privatleben des neues Al-Qaida-Gesichts ist indes wenig bekannt. Er soll verheiratet sein und mindestens zwei Kinder haben. Eine Zeit lang lebte Hamza Bin Laden, der im saudischen Jidda geboren wurde, offenbar im Nordwesten Pakistans. Sein aktueller Aufenthaltsort ist unbekannt. Er ist Osamas 15. von geschätzten 20 Kindern und der einzige Sohn von Osamas dritter Ehefrau Khairiah Sabar.

Als Kind, so sagt ein früherer Freund, sei Hamza ein «intelligenter Bub» gewesen, genauso vernarrt ins Reiten wie sein Vater. Nach 9/11 zog er zusammen mit einem Teil der Familie in den Iran, um vor US-Luftschlägen sicher zu sein. Erst 2010 verliess er das Land wieder und zog nach Pakistan. Statt, wie von seinem Vater gewünscht, Geistlicher zu werden, entschied sich Hamza, in die Fussstapfen von Osama Bin Laden zu treten.

(mlr)