02. Mai 2008 13:55; Akt: 02.05.2008 14:58 Print

Neonazis provozierten 1.-Mai-Gewalt

Die Gewalt bei den Mai-Krawallen in Hamburg ist nach Einschätzung der Polizei von den rechtsextremistischen Demonstranten herbeigeführt worden: «Die Aggression und nackte Gewalt ging von den Rechten aus».

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NPD-Aufmarsch zum 1. Mai in Hamburg. (Bild: Christian Charisius)

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Dies sagte Polizei-Einsatzleiter Peter Born am Freitag in Hamburg. Es hätten sich unter den rechten Demonstranten so genannte Autonome Nationalisten befunden. «Diese sind offenkundig auf Stichwort auf die Linken eingestürmt. Es kam zu wüsten Schlägereien», sagte Born.

Born zeigte sich überzeugt, dass die Einsatzkräfte bei den Zusammenstössen Schlimmeres verhindert haben: «Die Polizei musste sich dazwischen schmeissen, sonst hätte es sicher Tote gegeben.» Aber auch die Gewalt der Linken habe aussergewöhnliche Ausmasse gehabt, erklärte Polizeipräsident Werner Jantosch. «Wir hatten es mit einem sehr jugendlichen Klientel zu tun», sagte er. «Die haben es wohl besonders spannend gefunden, sich mit der Polizei eine Schlacht zu liefern.» Es seien Verkehrsposten angegriffen und Molotow-Cocktails geworfen worden. «Der Mob hat sich ausgetobt», sagte Jantosch.

Ursprung der Krawalle war laut Polizei der zum Teil ausgefallene S-Bahn-Verkehr. Offenbar hätten linke Aktivisten mehrere Feuer auf der Linie gelegt, auf der die Rechtsextremen anreisen wollten. Diese seien daraufhin in grossen Gruppen zu Fuss zu ihrem Versammlungsort unterwegs gewesen. Dort habe es Zusammentreffen der Linken und Rechten gegeben, bei dem die Autonomen Nationalisten auf die Linken eingestürmt seien. «Es ging hier darum, zu verhindern, dass Tote und Schwerverletzte zurückbleiben», sagte Born.

Kritik an Gerichtsbeschluss

Kritik übte die Polizei an dem Gerichtsbeschluss, nach dem die Gegendemonstranten ihre Route sehr nah an die Rechtsextremen heranführen durften. «Das konnte nicht gut gehen», sagte Jantosch. «Der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts hat es uns nahezu unmöglich gemacht, eine Risikominimierung vorzunehmen und eine räumliche Trennung zu gewährleisten», sagte Born.

Insgesamt waren laut Polizei 2500 Beamte bei den Krawallen im Einsatz. Die Ausschreitungen hatten sich am Abend vom nördlichen Stadtteil Barmbek ins Schanzenviertel verlagert, das traditionell Schauplatz linker Demonstrationen ist. Auch dort sind die Einsatzkräfte nach Polizeiangaben immer wieder angegriffen worden. Nach Wasserwerfer- und Schlagstockeinsätzen hätten sich die Störer zwar in umliegende Strassenzüge verteilt, von dort aber «weiterhin massiv die Einsatzkräfte der Polizei angegriffen», sagte Jantosch.

(dapd)