Verhaftungen im Milieu

03. Mai 2012 13:44; Akt: 03.05.2012 14:12 Print

Ganz Athen hat Angst vor den «Aids-Bomben»

von Manuel Jakob - In der griechischen Hauptstadt stürmen Hunderte Männer und Jugendliche die Gesundheitszentren. Sie befürchten, sich bei Prostituierten mit dem HI-Virus angesteckt zu haben.

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In Athen arbeiten zahlreiche Prostituierte illegal. (Archivbild) (Bild: Keystone/AP/Thanassis Stavrakis)

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«Das Telefon klingelt ständig», sagt der Arzt Evangelos Liapis gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Seine Praxis in Athen wird von zahlreichen Männern gestürmt, unter ihnen auch viele Minderjährige. Ihr Anliegen: Sie wollen so schnell wie möglich einen Aids-Test - und Gewissheit.

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Ist es richtig, die infizierten Frauen öffentlich an den Pranger zu stellen?
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Den Stein ins Rollen gebracht hat die griechische Polizei. Sie hat vergangene Woche das Bild einer 22-jährigen Russin veröffentlicht, einer von zahlreichen illegalen Prostituierten in der griechischen Hauptstadt. Ihr «Vergehen», abgesehen von der illegalen Tätigkeit in einem Freudenhaus: Sie ist Trägerin des HI-Virus. Verschiedene Medien haben nach der Verhaftung der jungen Frau ein Bild von ihr veröffentlicht, auf Anweisung der Behörden.

Dies war aber erst der Anfang: Am Mittwoch führte die Polizei eine Razzia im Rotlichtviertel Athens durch. Rund 100 Prostituierte wurden dabei vorübergehend verhaftet und in ärztliche Untersuchung gegeben. Resultat: 12 von ihnen sind HIV-positiv. In Verhören sollen sie gestanden haben, mit ihren Freiern regelmässig auch ungeschützten Verkehr zu haben. Das veranlasste die Staatsanwaltschaft dazu, auch die Bilder dieser Frauen im Internet zu veröffentlichen.

«Das sind die 12 Aids-Bomben»

Die Zeitung «Dimokratia News» nahm den Ball dankbar auf. «Das sind die 12 Aids-Bomben» titelte das Blatt. Und das zeigte Wirkung: Hunderte Männer haben sich gemeldet, unter ihnen auch viele Minderjährige. Das teilte das Gesundheitszentrum Keelpno am Mittwoch mit. Seit bei drei von ihnen der Test positiv ausgefallen ist, herrscht unter den Freiern eine regelrechte Aids-Panik, wie die österreichische «Krone» meldet.

Doch die Kritik in dem krisengeschüttelten Land richtet sich nicht nur gegen die Frauen. Der Verein der Aids-Infizierten Griechenlands zeigte sich ob der Veröffentlichung der Bilder empört. «Das ist eine erschreckende Verletzung der Menschenrechte und der ärztlichen Schweigepflicht», liess der Verein gemäss der «Huffington Post» in einer Mitteilung verlauten. Der griechische Gesundheitsminister Andreas Loverdos sagte, dass er das Problem habe kommen sehen. Im Prinzip ist das horizontale Gewerbe in Griechenland legal – sofern sich die Prostituierten regelmässig auf ansteckende Krankheiten testen lassen. Doch nur ein Bruchteil der Bordelle haben eine Lizenz. «Es ist eine Bombe, die explodiert ist», sagte Loverdos. «Das Problem hätten wir längst anpacken sollen. Nun hat es die gesamte Gesellschaft erfasst.»

Doch der Gesundheitsminister sieht die Schuld auch bei den Kunden der Frauen. Im Radio liess er sich über die Freier aus. Verantwortungslos hätten vor allem auch sie gehandelt. «Man müsste eigentlich auch ihre Fotos veröffentlichen, damit man sieht, welche Idioten in diesem Land nicht verhüten», sagte er.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Informationsschalter am 03.05.2012 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    traurig unsere Gesellschaft

    das viele nicht den Unterschied zwischen HIV und Aids kennen, ist traurig. Auch dass HIV positive an den Pranger gestellt werden ala "selbst schuld" oder die müssen aufklären. zu safersex gehören immer 2. resp. zu nicht safersex gehören 2. und 100 % sicherheit gibt es im Leben nicht. Beruhigend dass die Medizin bei HIV Fortschritte macht, auch wenn die Gesellschaft scheinbar noch hinterm Mond lebt. Information und Toleranz und Akzeptanz. danke vilmal

  • maro am 03.05.2012 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Auch in der Schweiz möglich

    Wenn man sich nur schon die einschlägigen Inserate anschaut, kann man sich denken, dass es hierzulande genau so sein könnte. Nur ist die Panikmoment noch nicht gekommen. Bei manchen Männern schaltet nunmal das Hirn ab, wenn es ums Eine geht. Denn es heisst doch immer wieder: Kein ungeschützter Oralverkehr - in Zürcher Bordellen ist dies aber Standardrepertoire; oftmals mit sog. Aufnahme des Ejakulats, also "Schlucken". Und im Gegensatz zu GR werden Betriebsbewilligungen für Bordelle nicht einmal von Gesundheitskontrollen abhängig gemacht.

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  • Martin von Arx am 03.05.2012 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Turmbau zu Athen

    Ich war im Jahr 2010 in Athen und war schon damals schockiert ab den Zuständen. Auf dem Omonia-Platz gibt es eine offene Drogenszene wie damals bei uns auf dem Platzspitz. Ebenso ein Strassenstrich von z.t minderjährigen Immigranten, welche so versuchten in Griechenland zu überleben. Auch normale griechische Hausfrauen kurvten Nachts mit dem Auto herum, auf der Suche nach Freiern, um so ihre Kreditkartenschulden abzahlen zu können. Griechenland erstickt nicht nur unter der Schuldenlast, ebenso unter dem ungebrochen Zufluss von Flüchtlingen, welche aufgrund des Schengenabkommen steckenbleiben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • karma1969 am 04.05.2012 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    beide Seiten

    dann sollten aber in meinen Augen auch die getesteten HIV-pos. Freier "veröffentlicht" werden, denn wo ist hier der Unterschied - auch diese Männer sind tickende Zeitbomben.

  • Sonia R. am 04.05.2012 00:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso passiert dies immer wieder??? 

    Mir gefällt der letzte Satz, ".... welche idioten nicht verhüten" Im Grunde geht es ja nur um eins, wer verhütet muss sich keine sorgen machen!! Klar ein Kondom kann kaputt gehen, aber die Chance das es passiert ist Immer noch kleiner als wen man ohne Kondom zu Prostituierte geht! Wieso passiert das immer wieder, und wie ich lesen kann nicht nur in Griechenland!?!?

  • Suizo Lopez am 03.05.2012 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ungeschützt bei Prostituierten?

    Sorry, aber jeder der bei einer Prostituierten ungeschützten Sex hat, VERDIENT es sich etwas zu holen.

  • costa am 03.05.2012 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    weil x-Milliarden $ dahinterstecken!!

    Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass AIDS, Krebs etc. vom Menschen produzierte Infektionen sind. Warum? --> Folge der Industrialisierung. Ich weiss aus gut gehüteter Quelle, dass ein Familenmitglied der Roche im Lateinamerikanischen Urwald x-Tausende Hektaren Land gekauft hat Warum? Weil die heutige Medizin es erlaubt diese Krankheiten zu bekämpfen. Aber wohl kaum ein Pharmariese ist gewillt ein Produkt auf den Markt zu bringen, was diese Krankheiten bekämpft....

  • Anette Burger am 03.05.2012 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich selber schuld

    Na ja, da gibts doch Kondome. Oder können sich die Griechen diese auch nicht mehr leisten?