Deutschland

14. März 2016 20:43; Akt: 15.03.2016 10:01 Print

Ist die AfD rechtsextrem?

Der überraschende Wahlerfolg der Alternative für Deutschland löste Jubel, aber auch Ängste aus.

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AfD-Anhänger feiern den Wahlerfolg in Madgeburg. (Bild: AFP/Sebastian Willnow)

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Die Alternative für Deutschland (AfD) erhielt in Sachsen-Anhalt 24,2 Prozent der Stimmen und wird nach der CDU die zweitstärkste Partei im Bundesland. Sie dürfte mit knapp zwei Dutzend Abgeordneten in das Landesparlament einziehen. Auch in den beiden anderen Bundesländern, in denen gewählt wurde, schnitt die Partei überraschend gut ab: 15,1 Prozent in Baden-Württemberg (drittstärkste Partei), 12,6 Prozent in Rheinland-Pfalz (viertstärkste Partei).

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Der Wahlerfolg der AfD sorgte für hitzige Debatten in den sozialen Medien. Viele User bezeichneten die Partei als rechtsextrem. Doch ist sie das tatsächlich? Laut der Bundeszentrale für politische Bildung definiert sich Rechtsextremismus grundsätzlich durch die Vorstellung, dass es Menschen unterschiedlicher Wertigkeit gibt. Im politischen Bereich zeigt sich dies durch eine Nähe zu diktatorischen Regierungsformen, nationalistischen Einstellungen und einer Verharmlosung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind dies antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen.

«3000 Jahre Europa – 1000 Jahre Deutschland»

Im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt wird beispielsweise die «einseitige Konzentration auf zwölf Unglücksjahre unserer Geschichte» beklagt. Mit dem Begriff «Unglücksjahre» ist die Zeit des Dritten Reichs (1933–1945) unter Hitler gemeint. Die Sachsen-Anhalt-AfD war es auch, die auf ihrer Weihnachtskarte von der «Volksgemeinschaft» sprach.

«Thüringer! Deutsche! 3000 Jahre Europa – 1000 Jahre Deutschland», rief AfD-Chef Björn Höcke im Ende September 2015 in Erfurt ins Mikrofon. Im November sprach er von Deutschen als «Platzhaltertyp» und von Afrikanern als «Ausbreitungstyp». Dass er sich dabei auf eine Rassentheorie stützte, wie sie auch im Nationalsozialismus Anklang fand, und diese zudem wissenschaftlich widerlegt ist, schien weder Höcke noch seine Parteigenossen zu stören: Der Mann hat seinen Chefposten bis heute inne.

Verniedlichend, bedrohlich, gefährlich

Trotz solcher heiklen Äusserungen und Aktionen zögern viele Experten, die Partei als rechtsextrem zu bezeichnen. «Es ist vollkommen töricht, die AfD in die rechtsextreme Ecke zu stellen, wo man doch die Unterschiede zur NPD mit Händen greifen kann», sagte etwa Parteienforscher Jürgen Falter zu rp-online. Dadurch verniedliche man den Rechtsextremismus. Zudem schweisse man die AfD-Anhänger noch stärker zusammen, wenn sie sich von allen Seiten angegriffen fühlten.

Ebensowenig könne man von einer allgemeinen Entwicklung hin zum Rechtsextremismus in Deutschland sprechen, sagte der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt zu n-tv.de. Er stellt allerdings fest, dass sich der Rechtspopulismus nach Deutschland ausgebreitet habe. Dass mit der AfD «der gesellschaftliche und politische Diskurs nach scharf rechts verschoben wird», hält Heribert Prantl, Innenpolitik-Chef bei der «Süddeutschen Zeitung», für bedrohlich. Und: «Die AfD ist gefährlicher, als es die NPD damals war, weil sie mehr bürgerlichen Anschluss hat.»

(kmo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laimigs am 14.03.2016 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besorgte Bürger werden diskreditiert

    In Deutschland wird jeder, welcher sich rechts von der CDU bewegt, mit dem Vorurteil "rechtsradikal" betitelt. So abgestempelt, wird jeder besorgte Bürger vom demokratischen Prozess ausgegrenzt. So gesehen hat das deutsche Volk und deren Politiker versagt.

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  • timetotalk am 14.03.2016 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An open end...

    Die Erfolge der bürgerlichen und konservativen Parteien überall in Europa, sind wohl ganz klar dem Flüchtlingsstrom zu zuschreiben. Viele haben Angst davor ihr Hab und Gut, ihre Tradition und ihr Heim zu verlieren. Aus Angst, die leider häufig das Weiterdenken blockiert, wird Hass und Wut. Die einzige Lösung scheint, die Grenzen vor dem Problem zu schliessen und das Eigentum so vor anderen zu schützen. Eine sehr natürliche Reaktion auf Angst. Deshalb ist es eben nachvollziehbar, dass man sich an die Parteien wendet, die mit Ablehnung und Abweisung arbeiten. Ob dies richtig ist...wer weiss?

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  • Willhelm Von Thannenburg am 14.03.2016 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Definition

    Diese Definition trifft leider auch auf mich zu.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Romanrussia am 15.03.2016 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenes Volk

    Heute werden aber auch alle die für ihre eigenen Rechte im eigenen Land eintreten und gegen die Flüchtlingspolitik sind als rechts bezeichnet.

  • julia maria am 15.03.2016 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kreis

    75.Jahren und es dreht sich im Kreise 75.Jahren und kein bischen Weise 75.Jahren und aus dem Schaden nichts gelernt.Mann O Mann traurig traurig

  • # Fäbu . am 15.03.2016 01:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie di Svp

    Sie müssten mehr so sein wi die Svp Keine Rassen Diskriminierung mehr und mehr auf Politische Wege setzen

  • timetotalk am 14.03.2016 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An open end...

    Die Erfolge der bürgerlichen und konservativen Parteien überall in Europa, sind wohl ganz klar dem Flüchtlingsstrom zu zuschreiben. Viele haben Angst davor ihr Hab und Gut, ihre Tradition und ihr Heim zu verlieren. Aus Angst, die leider häufig das Weiterdenken blockiert, wird Hass und Wut. Die einzige Lösung scheint, die Grenzen vor dem Problem zu schliessen und das Eigentum so vor anderen zu schützen. Eine sehr natürliche Reaktion auf Angst. Deshalb ist es eben nachvollziehbar, dass man sich an die Parteien wendet, die mit Ablehnung und Abweisung arbeiten. Ob dies richtig ist...wer weiss?

    • Bejhon am 14.03.2016 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @timetotalk

      Meiner Meinung nach Nein! Und das meisste ist nur angstmacherei und hassrederei.

    • Mariam am 15.03.2016 01:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @timetotalk

      Gut erklärt und nachvollziehbar!

    • Übermensch am 15.03.2016 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @timetotalk

      Für mich ist es ganz klar richtig, ja!

    • timetotalk am 15.03.2016 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bejhon

      Gleicher Meinung, aber vor allem da Angst eben nicht hilft um weiterzukommen.

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  • Der Eidgenosse am 14.03.2016 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so AfD

    Sicher nicht, alles wählbare, kompromissfähige Politiker.