Meinungsfreiheit

27. Juni 2011 20:46; Akt: 27.06.2011 23:45 Print

Kinder dürfen «Killerspiele» kaufenKinder dürfen «Killerspiele» kaufen

In den USA dürfen gewalttätige Videospiele auch an Minderjährige verkauft werden. Das hat das höchste US-Gericht in Washington entschieden. Die Richter verwiesen dabei auf die blutigen Grimm-Märchen.

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Es sei nicht «Tradition» in den USA, speziell den Zugang von Kindern zu Gewaltdarstellungen zu begrenzen, sagte ein Richter. (Bild: Reuters)

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Mit sieben gegen zwei Stimmen erklärte das Gericht ein kalifornisches Gesetz aus dem Jahr 2005 für verfassungswidrig. Dieses hatte Verkäufe von «Killerspielen» an Minderjährige oder auch den Verleih an Personen unter 18 Jahren verboten.

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Für den Fall von Verstössen drohten Videoladen-Betreibern Strafen von bis zu 1000 Dollar. Die neuen Regeln waren aber wegen gerichtlicher Anfechtung nie in Kraft getreten.

Mit dem Urteil bestätigte der Supreme Court die Entscheidung eines Bundesberufungsgerichts: Dieses hatte ebenfalls befunden, dass ein solcher Bann dem Recht auf Meinungsfreiheit widerspreche.

Keine US-Tradition zu verbieten

Im Kern kamen die höchsten Richter zum Schluss, dass ein Staat zwar ein legitimes Recht habe, Minderjährige vor Schaden zu schützen. Das beinhalte aber nicht eine unbegrenzte Befugnis darüber zu entscheiden, welchen Ideen Kinder und Jugendliche ausgesetzt würden.

In der Urteilsbegründung schrieb Richter Anthony Scalia, es sei nicht «Tradition» in den USA, speziell den Zugang von Kindern zu Gewaltdarstellungen zu begrenzen. Scalia verwies auf Märchen- und andere Kinderbücher, in denen es nicht an Blut und Gewalt mangle.

So hätten Hänsel und Gretel die Hexe in einem Backofen getötet, Schneewittchen sei um ein Haar an Vergiftung gestorben, und die böse Stiefmutter habe als Strafe so lange in rotglühenden Pantoffeln tanzen müssen, bis sie tot umgefallen sei. «Grimms Märchen sind in der Tat grimmig», so der Richter.

Eltern können kontrollieren

Er hob weiter hervor, dass die Industrie freiwillig ein Ratingsystem eingeführt habe, mit dem Konsumenten und Ladenbesitzer darüber informiert würden, welche Videospiele ein grösseres Ausmass an Gewalt enthielten. Eltern könnten somit einen Einblick in das gewinnen, was ihre Kinder nach Hause brächten.

(sda)

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  • Tom Riddle am 30.06.2011 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Die Leute sehen das ganze Bild nicht.

    Dieses Gesetz ist auch nur ein Teil des ganzen. Tatsächlich müsste es so sein, dass die Eltern die Kontrolle darüber haben was ihre Schützlinge spielen. Denn mit so einem Verbot müsste man auch klar definieren was unter "Gewalt" fällt, und damit wären die Spieledesigner dann sehr vorsichtig - So, dass selbst ein Super Mario (Klemptner der Schildkröten durch draufspringen zermatscht!) zum Gewaltspiel werden würde und eine M18+ Bewertung erhalten würde. Damit macht die Industrie Verluste und die Spieleindustrie würde daran pleite gehen, da man der Markt massiv eingeschränkt wird.

  • Dario am 29.06.2011 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Rekrutierung in jungen Jahren

    Ich wäre nicht erstaunt, wenn bei diesem Urteil noch andere Faktoren herbeigezogen wurden, wie zum Beispiel die frühe Konfrontation mit Gewalt oder die "abschwächung" bestimmter Reize. ( Beginnt die USA nun schon mit der Rekrutierung ab Kindesalter??!! Dazu sollten meiner Meinung nach die Eltern darüber entscheiden ob ihr minderjähriges Kind solche Spiele spielen darf oder nicht. "Die spinnen, die Amerikaner"

    • N. Von Allmen am 04.07.2011 18:00 Report Diesen Beitrag melden

      Andere Meinung

      Hallo. Ich bin Pazifist und verachte Gewalt in allen Formen. Und ja, ich spiele Killerspiele (finde diesen Namen ohne hin nicht sehr Sinnvoll, da er auf anhieb etwas schlechtes suggeriert). Nun könnte man sich fragen ob das paradox ist. Ich sage ganz klar Nein. Ein Killerspiel ist virtuell und hat rein garnichts mit der Realität zu tun. Und meine Reize gegeüber realer Gewalt sind kein bisschen abgestumpft, da habe ich mehr mühe mit der Gewalt die uns täglich in den Nachrichten vorgeführt wird, denn diese Gewalt geht mir sehr nahe. Gruss

    • E. Betschart am 09.08.2011 15:07 Report Diesen Beitrag melden

      Wirklich so

      Du sprichst mir aus der Seele

    einklappen einklappen
  • Ulrich am 29.06.2011 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötiges Gesetz

    Ich bin der Meinung, dass die Eltern selber entscheiden sollten, ob die Kinder solche "Killerspiele", wie ihr sie so gerne nennt, kaufen dürfen. Ich kenne genug Eltern, die ihren Kindern solche Spiele verbieten. Und damit ist auch bei diesen Leuten das Problem behoben. Für das muss nicht noch ein Gesetz dafür stehen. Ausserdem sind die meisten Amokläufer oder Attentäter, die diese Spiele spielen, selber schon psychisch geschädigt. Da haben diese Spiele wenig oder gar keinen Einfluss, ob später daraus ein Amoklauf oder Attentat entsteht oder nicht.