Tod in Malaysia

15. Februar 2017 18:28; Akt: 15.02.2017 18:53 Print

Halbbruder flehte Kim an, ihn leben zu lassen

Er soll von zwei Agentinnen im Auftrag seines Halbbruders, des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, getötet worden sein. Kim Jong-nam lebte schon seit Jahren in Todesangst.

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Der in Kuala Lumpur mutmasslich ermordete Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers lebte seit Jahren in Angst vor einem Attentat. «Bitte zieh den Befehl, mich und meine Familie zu bestrafen, zurück», soll er Kim Jong-un in einer Nachricht 2012 angefleht haben. «Wir können uns nirgends verstecken. Der einzige Ausweg wäre Selbstmord», so Kim Jong-nam (45).

Das Schreiben liegt gemäss «New York Times» dem südkoreanischen Geheimdienst vor. Dieser sei auch in Besitz von E-Mails, die über die nordkoreanischen Botschaften im Ausland gesendet und abgefangen, sprich gehackt wurden. In einem dieser Mails beklagt sich Kim Jong-nam bitterlich darüber, seit dem Tod seines Vaters Kim Jong-il und der Machtübernahme seines Halbbruders aus Pyongyang kein Geld mehr zu erhalten. Tatsächlich machte der Nordkoreaner Schlagzeilen, als er 2012 aus einem Luxushotel in Macao geworfen wurde, weil er die Rechnung über 15'000 Dollar nicht bezahlen konnte.

Ein Opfer von Kim Jong-uns Paranoia?

Der Tod Kim Jong-nams überrascht die wenigsten Nordkorea-Kenner. «Seit sein Halbbruder 2011 die Macht übernahm, gab es den fixen Befehl zur Ermordung Kim Jong-nams», soll der Direktor des südkoreanischen Geheimdienstes, Lee Byung-ho, die südkoreanische Regierung informiert haben. Dabei sei es nicht so, dass Kim Jong-nam eine reale Gefahr für Kim Jong-un darstelle – vielmehr gehe der Befehl zur Exekution seines Halbbruders auf Kim Jong-uns Paranoia zurück.

In Nordkorea selbst hatte Kim Jong-nam keinen Machtzirkel, der ihn heimlich und mit Blick auf eine Rückkehr und mögliche Nachfolge Kim Jong-uns gestützt hätte. Die Familie hatte den ersten Sohn von Kim Jong-il schon früh verstossen. Obwohl Kim Jong-nam das Ein und Alles von Nordkoreas zweitem Staatsgründer gewesen sein soll, war der Junge seinem Grossvater Kim Il-sung ein Dorn im Auge. Der Staatsgründer Nordkoreas akzeptierte nie, dass sein Sohn eine inoffizielle Beziehung mit der Schauspielerin Sung Hae Rim hatte, aus der 1971 Kim Jong-nam hervorgegangen war.

Einsame Kindheit und Genfer Schule

Als Sung Hae Rim schliesslich zur Heirat mit Kim Jong-il gezwungen wurde, war Kim Jong-nam bereits zum Buben herangewachsen. Seine ganze frühe Kindheit aber war er versteckt und verheimlicht worden. «Ich konnte kaum das Haus verlassen oder Freunde finden, erzählte Kim Jong-nam einst einem japanischen Journalisten. «Die Einsamkeit meiner Kindheit machte mich vielleicht zu dem, der ich heute bin, einer, der die Freiheit bevorzugt.»

Die Freiheit – und das extravagante Leben. Als Heranwachsender verbrachte Kim Jong-nam Zeit in Genf, wo er Englisch und Deutsch lernte. Sein Halbbruder Kim Jong-un sollte Anfang der 90er-Jahre ebenfalls in der Schweiz zur Schule gehen, in die International School of Berne (ISB) in Gümligen.

Chance als Nachfolger vertan

Von seiner Familie nie wirklich anerkannt, pendelte der älteste Sohn Kim Jong-ils zwischen Genf, Moskau, Paris, Peking und der chinesischen Enklave und dem Spielerparadies Macao hin und her. Obwohl nie in Nordkorea, wurde er lange als Favorit für die Nachfolge seines Vaters gehandelt, denn das traditionelle koreanische Wertesystem favorisiert eigentlich den ältesten Sohn als Erben.

Diese Chance auf die Nachfolge seines Vaters, so wird heute gemutmasst, vertat Kim Jong-nam. Nicht nur aufgrund seines ausschweifenden Lebensstils. Nachdem 2001 aufgeflogen war, dass er mit falschen Papieren nach Japan gereist war, um angeblich in Tokio Disneyland zu besuchen, fiel er in den Augen Pyongyangs ein für alle Mal in Ungnade.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Th1990 am 15.02.2017 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ...

    für eine Familie. Wie im alten Rom - da wird gemeuchelt was das Zeug hält. Einfach bloß ekelerregend!

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  • Schweizergarde am 15.02.2017 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange soll es mit NK

    noch so weitergehen, das Land ist doch ein einziger Anachronismus. Mir ist es völlig unverständlich warum China da nicht längst für Ordnung gesorgt hat.

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  • S. R. am 15.02.2017 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faule Äpfel

    In dieser Familie ist der Wurm drin. Besser wäre, die würden sich nicht mehr vermehren. Aus schlechter Saat kann ja nichts gutes gedeihen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tell am 16.02.2017 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage der Zeit

    Eines Tages ist auch der Auftraggeber dran - garantiert!

  • ChrisT am 16.02.2017 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wenn der jetzt ein Deal mit den USA

    und Südkorea zustimmt wird man ihm noch Geld hinterher werfen und ein sicheres Leben irgendwo garantieren.

  • K.E. am 16.02.2017 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Es muss etwas geschehen!

    In den USA wurden schon mehrere Präsidenten elegant umgebracht. Da hatten sie den Mut. Aber die wahren Terroristen auf dieser Welt, lässt man offenen Auges gewähren. Warum kümmert sich denn niemand um Kim Jong-un? Wie lange wollen will die Welt noch warten? Oder denkt wirklich jemand, dass es bei diesem Mord bleibt? Und was, wenn der nächste Raketentest "ein bischen weiterführender" ist? Oder wenn er sein kleines nukleares Maschinchen fertig gebaut hat?

    • Nachdenker am 16.02.2017 09:40 Report Diesen Beitrag melden

      Ohne Worte

      Das erste was geschehen sollte ist, das man Leuten wie Dir mal Bildung bereit stellt. Dir ist schon klar das Du gerade Mord legitimierst? Elegant umgebracht, was soll das denn sein? Und das der Aufruf "Es muss etwas geschehen" ein indirekter Aufruf zum Mord ist. Mal abgesehen von dieser Straftat (StGB Art.259) hast Du Geopolitisch echt keine Ahnung was das bedeuten würde wenn man dort Interveniert.

    • Hildi am 16.02.2017 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Nachdenker

      Im Unterstellen sind Sie aber spitze.

    einklappen einklappen
  • Juanitto Montaya am 16.02.2017 02:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voll fett!

    Ich würde mal das Problem mit 3 Snipers lösen. Es genügt auch auch einer, aber mehr ist's immer besser. Das fette Ziel zu verfehlen ist fast unmöglich!

  • PeterF_NZ am 16.02.2017 00:49 Report Diesen Beitrag melden

    Geraehrliches Leben

    Woher hatte der Halbbruder denn die fluessigen Mittel fuer seinen Lebensstil. War er ein 'anstaendiger Buerger' eines 'Gastlandes'? Natuerlich ist es nicht schoen nur wegen Herkunft abgemurkst zu werden. Vielleicht nach dem Motto: Wer Wind saeht wird Orkane ernten