Beizer mit pfiffiger Idee

12. Februar 2018 09:37; Akt: 12.02.2018 09:37 Print

Afrikaner bauen Iglus in Italien

Von einem ungewöhnlichen Projekt scheinen alle zu profitieren: afrikanische Asylbewerber, der ideenreiche Restaurantbesitzer und eigentlich ein ganzes Dorf.

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Restaurantbesitzer Davide Midali (r.) und Moussa Sissoko aus Mali bauen an einem der Iglus im norditalienischen San Simone di Valleve. Zu den Helfern zählt auch Omar Kanteh, ein Gambier, der seit neun Monaten in Italien lebt. «Gott hat den Schnee geschaffen, aber diesmal hat der Mensch Iglus geschaffen», sagt er. Für 100 Euro pro Person kann ein Paar in Midalis Restaurant zu Abend essen, in einem Iglu schlafen und ein Bio-Frühstück zu sich nehmen, um dann anschliessend zu einer geführten Schneeschuhexkursion in die Berge des Valle Brembana aufzubrechen. Um Touristen zurückzugewinnen, plante Beizer Midali den Bau von Iglus, die für einzelne Nächte gemietet werden können. Und so kam es, dass die etwa 80 afrikanische Asylbewerber in San Simone di Valleve die Kunst des Iglu-Bauens erlernten. Mit Erfolg: Seit Mitte Januar sind sie an Wochenenden ausgebucht. Schaulustige kommen vorbei und machen Fotos oder schauen ins Innere der Schneekugeln, Schulen aus Mailand und Bergamo kommen mit Kindern zu Tagesausflügen. Restaurantbesitzer Midali glaubt, dass das Projekt es ihm und den Zuwanderern ermöglicht hat, einander ein wenig besser zu verstehen und vielleicht sogar anderen in San Simone als Beispiel zu dienen. Auf gewisse Weise setzt die aus Werkzeugen und Schnee geschmiedete Verbindung einen Gegenpol zum italienischen Wahlkampf, in dem sich rechtsgerichtete Parteien für die Ausweisung Tausender Migranten stark machen. «Man lernt diese jungen Männer kennen, woher sie kommen und etwas über ihren Hintergrund, und sie lernen auch etwas über unseren Hintergrund und das Leben hier», sagt Beizer und Iglubauer Midali.

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Einst war das kleine Dorf San Simone in den italienischen Alpen ein beliebtes Ziel von Skitouristen. Doch aus finanziellen Gründen bleiben die Skilifte in diesem Winter geschlossen. Im örtlichen Hotel sind nun etwa 80 afrikanische Asylbewerber untergebracht, die San Simone nach ihrer Ankunft in Italien zugewiesen wurden.

Restaurantbesitzer Davide Midali erkannte sowohl in seinem Dorf als auch in den neuen Bewohnern Potenzial. Um Touristen zurückzugewinnen, plante er den Bau von Iglus, die für einzelne Nächte gemietet werden können. Und so kam es, dass die Einwanderer die Kunst des Iglu-Bauens lernten – obwohl sie eigentlich gar nicht an Kälte gewöhnt sind.

«Das ist ein neues Talent in meinem Leben»

«Als einige von ihnen gesehen haben, wie ich diese Schneeblöcke geschaffen habe, entschlossen sie sich freiwillig, mir zu helfen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen», sagt Midali. Zusammen mit einer kleinen Gruppe Freiwilliger baute Midali sechs Iglus. Für jedes brauchten sie etwa vier oder fünf Tage.

Zu den Helfern zählt Omar Kanteh, ein Gambier, der seit neun Monaten in Italien lebt. «Gott hat den Schnee geschaffen, aber diesmal hat der Mensch Iglus geschaffen», sagt er. «Das war sehr fremd für mich, deshalb bin ich ganz begeistert. Das ist ein neues Talent in meinem Leben.»

Ausgebuchtes Minidorf

Die Iglus wurden als Minidorf errichtet und bieten Platz für insgesamt 18 Personen. Seit Mitte Januar sind sie an Wochenenden ausgebucht. Schaulustige kommen vorbei und machen Fotos oder schauen ins Innere der Schneekugeln, Schulen aus Mailand und Bergamo kommen mit Kindern zu Tagesausflügen.

Für 100 Euro pro Person kann ein Paar in Midalis Restaurant zu Abend essen, in einem Iglu schlafen und ein Bio-Frühstück zu sich nehmen, um dann anschliessend zu einer geführten Schneeschuhexkursion in die Berge des Valle Brembana aufzubrechen.

Ein Gegenpol zum italienischen Wahlkampf

Midali glaubt, dass das Projekt es ihm und den Zuwanderern ermöglicht hat, einander ein wenig besser zu verstehen und vielleicht sogar anderen in San Simone als Beispiel zu dienen. Auf gewisse Weise setzt die aus Werkzeugen und Schnee geschmiedete Verbindung einen Gegenpol zum italienischen Wahlkampf, in dem sich rechtsgerichtete Parteien für die Ausweisung Tausender Migranten stark machen.

«Man lernt diese jungen Männer kennen, woher sie kommen und etwas über ihren Hintergrund, und sie lernen auch etwas über unseren Hintergrund und das Leben hier», sagt Midali.
Kanteh lobt Midalis Mut und dessen Offenheit. Und fügt hinzu, er würde sich gerne in San Simone niederlassen, wenn sein Asylantrag in Italien genehmigt wird. «Er liebt mich für das, was ich bin, und ich liebe ihn für das, was er ist», sagt Kanteh. «Es geht nicht darum, dass ich aus Afrika bin und er aus Europa. Wir gehören alle zu einer Art.»

Cristian Palazzi, Präsident des örtlichen Tourismusvereins, sagt, das Igluprojekt sei «ein kleiner Schritt, um einer kleinen Gemeinde Leben einzuhauchen». Er könne nicht garantieren, dass es genug sei. «Aber ganz sicher war es eine grossartige Idee, denn ansonsten wäre San Simone heute tot.»

(gux/ap)