Kein Geld, kein Plan

16. November 2009 11:47; Akt: 16.11.2009 16:33 Print

Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind

Obwohl die Lage in vielen Ländern desolat ist und offenbar täglich 17 000 Kinder an Hunger sterben, konnten sich die Teilnehmer am Gipfel der UNO-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) in Rom nicht auf konkrete Beschlüsse zum Kampf gegen den Hunger einigen. Die Spitzen der reichen Länder blieben dem Treffen fern - auch der Bundesrat.

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Die Teilnehmer des Gipfels stimmten am Montag zwar im Ziel überein, die Nahrungsmittelhilfen für die armen Länder zu erhöhen. Ihre Erklärung enthielt jedoch keinen Hinweis auf den Vorschlag der FAO, diese Hilfen auf jährlich 44 Milliarden Dollar zu steigern. Auch ein konkreter Zeitplan für Schritte gegen den Hunger wurde nicht vereinbart.

Nach dem Wunsch der FAO hätten sich die Delegierten auch das Ziel setzen sollen, den Hunger in der Welt bis 2025 auszumerzen. Es wurde aber lediglich das Millenniumsziel bekräftigt, wonach der Hunger bis 2015 halbiert werden soll. Die Zahl der Hungernden ist seit 2000 ständig gewachsen und hat inzwischen die Milliardengrenze überschritten.

Ende der Spekulation mit Lebensmittel

Papst Benedikt XVI. warnte am Eröffnungstag vor Spekulationsgeschäften im Lebensmittelbereich, die die Preise in die Höhe treiben. «Man darf Lebensmittel nicht wie alle andere Waren betrachten», sagte der Papst.

Er prangerte auch die «Zerstörung von Lebensmitteln zum finanziellen Gewinn» an. Der Papst verurteilte Subventionsformen, die den Landwirtschaftsmarkt arg verzerren würden. Er appellierte an die Länder, die aktuellen Mechanismen der Lebensmittelsicherheit zu überdenken.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte, dass an einem einzigen Tag 17 000 Kinder an Unterernährung sterben. Alle fünf Sekunden komme ein Kind wegen Hungers ums Leben, das seien weit über sechs Millionen pro Jahr. «Das ist unerträglich, wir müssen reagieren», erklärte Ban.

FAO-Generaldirektor Jacques Diouf meinte, zur Bekämpfung der Hungersnöte müsse die Lebensmittelproduktion wieder in den Entwicklungsländern erfolgen, wo die Armen und die Hungernden leben, um somit ein verträgliches Wachstum zu garantieren.

Reiche kommen nicht

Die Spitzen der führenden Industrienationen blieben dem Gipfel fern. Die anwesenden Staats- und Regierungschefs kamen vor allem aus Lateinamerika, Asien und Afrika - darunter auch der simbabwische Präsident Robert Mugabe. Aus den führenden Industriestaaten nahm nur Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi als Gastgeber teil.

Die Schweiz war ebenfalls nicht durch ein Mitglied der Landesregierung vertreten, sondern durch den Chef des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), Manfred Bötsch. Er will sich in Rom für eine nachhaltige Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und Produktivität einsetzen.

Zu Beginn des Gipfeltreffens kam es zu einer Bauerndemonstration unweit des FAO-Sitzes in Rom. Tausende Demonstranten verlangten gerechte Preise für die Bauern.

(ap)