Wirtschaftskrise

10. Dezember 2012 11:40; Akt: 10.12.2012 11:52 Print

Argentinien hat an seinen Problemen zu knabbern

Es war kein gutes Jahr für Brasilien und Argentinien, die beiden grössten Wirtschaftsnationen Südamerikas. Und die Zukunft verspricht nur für Brasilien Besserung.

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Präsidentin Cristina Fernandez beschimpfte die Hedgefonds jüngst als «Aasgeier». (Bild: Keystone/AP)

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Experten rechnen damit, dass sich Brasilien recht schnell von seiner aktuellen Schwächephase erholt, während Argentinien wohl noch länger an seinen Problemen zu knabbern hat. Hier gebe es noch wesentlich grössere Baustellen als in Brasilien, sagt Deka-Ökonom Mauro Toldo.

Argentinien hängt noch immer der Staatsbankrott 2002 nach. Vor US-Gerichten fechtet die Regierung derzeit einen erbitterten Streit gegen Hedgefonds aus, die sich den Vereinbarungen zu den Schuldenschnitten von 2005 und 2010 nicht beugen wollen.

Präsidentin Cristina Fernandez beschimpfte die Hedgefonds jüngst als «Aasgeier». Die Ratingagentur Fitch warnte Ende November vor einem Zahlungsfall der nach Brasilien und Mexiko drittgrössten Volkswirtschaft Lateinamerikas.

Argentinien hat wieder Probleme

Allerdings ist das nicht das einzige Ärgernis für die Witwe und Amtsnachfolgerin von Nestor Kirchner. Fernandez streitet sich seit langem mit der einflussreichen Clarin-Mediengruppe. Ausserdem hat ihr die Verstaatlichung der argentinischen Repsol-Tochter YPF viel Ärger im Ausland eingehandelt.

Im Kampf gegen die Einfuhrbeschränkungen ihrer Regierung beantragte die EU zuletzt ein Schiedsverfahren der Welthandelsorganisation WTO.

Im Inland schwindet der Rückhalt für die streitbare Präsidentin ebenso: Ein Generalstreik legte am 20. November Teile des Landes lahm, die Umfragewerte sinken. Das vor kurzem noch kräftige Wirtschaftswachstum Argentiniens leidet zunehmend unter der zögerlichen Nachfrage aus dem Ausland.

Auch die hohe Inflation, die nach Meinung unabhängiger Experten schwindelerregende 25 Prozent beträgt, eine schlechte Erntesaison sowie die Kontrollen der Regierung bei Importen und Devisen tragen nicht zur Förderung des Investitionsklimas bei.

Brasilien steht besser da

Für Brasilien sind die Experten optimistischer, obwohl das Bruttoinlandprodukt (BIP) im dritten Quartal mit mageren 0,6 Prozent nur halb so kräftig zugelegt hat wie erwartet. Mit einem Wachstum von voraussichtlich 1,3 Prozent im Gesamtjahr weist Brasilien die schlechteste Entwicklung unter den BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika auf.

Der Leitindex Bovespa an der Börse von São Paulo ist zudem seit dem Amtsantritt von Präsidentin Dilma Rousseff im Januar 2011 um rund 15 Prozent gefallen - mehr als die meisten anderen Aktienmärkte Lateinamerikas.

Dennoch geniesst Rousseff - anders als ihre Amtskollegin Fernandez - weiterhin Vertrauen bei den Investoren. Allianz Global Investors etwa ist mit einigen Schwellenländer- und einem Länderfonds stark am Zuckerhut engagiert. Fondsmanager Carlos de Leon rechnet für 2013 mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 bis 4 Prozent.

Auch Toldo von der Deka sieht keinen Grund, dem Land den Rücken zu kehren, da die brasilianische Regierung den Märkten gegenüber sehr viel freundlicher eingestellt sei als die von Argentinien. «Die Verlangsamung des Wachstums in Brasilien hat auch mit der europäischen Schuldenkrise zu tun.»

Wo Konsum ist, ist Wachstum

De Leon sieht noch zwei weitere Gründe für die Schwächephase: «Rousseff hatte das Problem, dass sie Ende 2010 gewählt wurde, zu einem Zeitpunkt, als die Wirtschaft sehr stark stimuliert worden war.» Das BIP legte damals, am Ende der Ära von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, um 7,5 Prozent zu. Zudem präsentiere sich der brasilianische Industriesektor schwächer als erwartet.

Erste Erfolge haben sich bereits gezeigt. So legte der private Konsum im dritten Quartal um 0,9 Prozent zu. Der HSBC-Index für den brasilianischen Dienstleistungssektor stieg im November auf 52,4 Punkte zu und damit so deutlich wie seit fünf Monaten nicht mehr. Er rechne deshalb schon im vierten Quartal diesen Jahres mit einer Erholung der Wirtschaft, prognostiziert de Leon.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fitos Michaelides am 10.12.2012 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Argentinien

    Ich habe damals während der Krise in Argentinien bei einer Bank gearbeitet und es passierte eine Kombination von alles was ihr schreibt. Einerseits waren die Hedge Funds wie immer in solchen Fällen s. Griechenland dabei und zwangen Argentinien sich höher zu verschulden anderseits aber die Politiker und Reiche von Argentinien wollten nicht die Sparmassnahmen wie vorgeschrieben durch die FMI sondern haben durch einen Putsch De la Rua rausgeworfen, ihre Währung abwerten lassen und ihre Schulden nicht zahlen wollen. Wenn es nicht um die hohen Rohstoffpreise wäre, wäre nie Argentinien aus dem Loch.

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  • marco am 10.12.2012 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    argentinien

    die hedge fonds sind argentienen am ausnehmen, und bestehen auf kredite welche für billiges geld aufgekauft wurden. Die Bankster und westlichen imperlialisten wollen den funktionionierenden Sozialismus und die Eigenständigkeit dieser Länder zerstören. Informiert euch selber, die medien bringen nur noch einseitigen einheitsbrei.

  • Gyre 13 am 10.12.2012 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Neoliberalismus

    Schuld am ganzen Desaster hat der Neoliberlismus der von den Amis mithilfe der Diktaturen in Südamerika installiert wurde.Pinochet (Chile),Videla,(Argentinien)Banzer(Bolivien) etc. Dies führte praktisch zur Auslöschung der Mittelschicht,der Gewerkschaften und der Arbeiterbewegungen.Nun wird es uns in Europa treffen,der Geist Pinochets wandelt durch Europa. Nur noch Reich oder Arm.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fitos Michaelides am 10.12.2012 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Argentinien

    Ich habe damals während der Krise in Argentinien bei einer Bank gearbeitet und es passierte eine Kombination von alles was ihr schreibt. Einerseits waren die Hedge Funds wie immer in solchen Fällen s. Griechenland dabei und zwangen Argentinien sich höher zu verschulden anderseits aber die Politiker und Reiche von Argentinien wollten nicht die Sparmassnahmen wie vorgeschrieben durch die FMI sondern haben durch einen Putsch De la Rua rausgeworfen, ihre Währung abwerten lassen und ihre Schulden nicht zahlen wollen. Wenn es nicht um die hohen Rohstoffpreise wäre, wäre nie Argentinien aus dem Loch.

    • Arsene_Lupin am 11.12.2012 16:19 Report Diesen Beitrag melden

      So nicht

      Die heutige Presidentin macht nichts anders, sie will nicht zahlen und hat der Verkauf und Wechselkurs vom Dolar total gestoppt. So will sie Sparen aber sein persönliches Vermögen ist von 2-3 Millionen auf 89 Millionen gestiegen. Da soll man jemand sagen wie das geht ohne zu stehlen.

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  • marco am 10.12.2012 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    argentinien

    die hedge fonds sind argentienen am ausnehmen, und bestehen auf kredite welche für billiges geld aufgekauft wurden. Die Bankster und westlichen imperlialisten wollen den funktionionierenden Sozialismus und die Eigenständigkeit dieser Länder zerstören. Informiert euch selber, die medien bringen nur noch einseitigen einheitsbrei.

  • John am 10.12.2012 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kirchner macht alles falsch

    Frau Kirchner macht offensichtlich alles falsch: Verstaatlichen, Zollbeschränkungen, Investoren vergaulen. Wann merken gewisse Politiker endlich, dass nur mit einer liberalen Politik ein Land floriert?

    • Arsene_Lupin am 11.12.2012 16:50 Report Diesen Beitrag melden

      Argentinien weint

      Sie richtet das Land in Grund und Boden, Sie macht ein desastre auf diese Weise

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  • Gyre 13 am 10.12.2012 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Neoliberalismus

    Schuld am ganzen Desaster hat der Neoliberlismus der von den Amis mithilfe der Diktaturen in Südamerika installiert wurde.Pinochet (Chile),Videla,(Argentinien)Banzer(Bolivien) etc. Dies führte praktisch zur Auslöschung der Mittelschicht,der Gewerkschaften und der Arbeiterbewegungen.Nun wird es uns in Europa treffen,der Geist Pinochets wandelt durch Europa. Nur noch Reich oder Arm.

    • Mike K. am 10.12.2012 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      sozialistische Utopie

      So eine sozialistische Utopie liest man selten. Wer nich Haushalten kann (Argentinien) ist selber schuld.

    • tinu am 10.12.2012 13:53 Report Diesen Beitrag melden

      ganz recht

      ...ich sehe auch kommen, dass in Europa der Lebens-Standard runterkommt und weiterhin fallen wird. Ebenso in der Schweiz, sollte die Krise in EU und USA nicht eingedämmt werden können.

    • Der Kritiker am 10.12.2012 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      @ Mike K. und @ Andreas

      Vielleicht solltet Ihr Euch mal mit dem Thema der Brasilianischen Militärdiktatur befassen. Die USA haben die rechte Militärdiktatur mit hohen finanziellen Krediten zu exorbitanten Zinsen unterstützt, im Gegenzug Waffen geliefert und gleich doppelt das Geschäft in BRA gemacht. Profitiert haben nur die Machthaber, die von den USA geschmiert wurden. Befasst Euch zudem mit Kolumbien, wo die Ursache der Drogenkartelle in der Unterstützung des rechten Regimes durch die USA zu finden ist. Aber die Sozialisten sind keineswegs besser, da geb ich Euch recht.

    • Gyre 13 am 10.12.2012 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      Tja

      Antwort an Andreas und Mike K.Ich habe jahrelang in Südamerika gelebt und gearbeitet.Euren kommentaren nach arbeitet Ihr bei einer Grossbank oder habt in der HSG studiert.Falls Sie in Südamerika in Restaurants schlecht bedient werden liegt es mehr am arroganten Auftreten der Gringos als an der wirtschaftlichen Situation.Vielleicht mal Noam Chomsky lesen,WAS ONKEL SAM WIRCKLICH WILL,oder Eduardo Galeano,DIE OFFENEN ADERN LATEINAMERIKAS. PS:Ich war Augenzeuge als in Santiago de Chile eine Studentin bei einer Demostration gegen General Pinochet zu tode geprügelt wurde.

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