Streit um Kurdenregion

19. Februar 2018 15:41; Akt: 19.02.2018 15:46 Print

Assad plant Gegenschlag gegen die Türkei

In der syrischen Stadt Afrin hatte die türkische Armee eine Operation gegen Kurden begonnen. Das syrische Regime hat nun reagiert.

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Türkische Truppen in der Nähe von Afrin im Norden Syriens. (28. Januar 2018)

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Syrische Regierungstruppen wollen laut Medienberichten den Kurden in Afrin gegen die türkische Offensive zu Hilfe kommen. «Volkskräfte werden binnen Stunden in Afrin eintreffen, um den Widerstand des Volkes gegen den Angriff des türkischen Regimes zu unterstützen», meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Montag.

Die Türkei hat auf diese Ankündigung reagiert. «Wenn das (syrische) Regime kommt, um die PKK und die YPG zu vertreiben, ist das kein Problem. Wenn es aber kommt, um die YPG zu schützen, dann kann uns und die türkischen Soldaten niemand stoppen», sagte der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag bei einem Besuch im jordanischen Amman.

Grenzposten stationieren

Am Vortag hatten die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bekanntgegeben, dass sie ihre Kräfte mit den Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad bündeln wolle. Die syrische Armee werde Grenzposten in der Region Afrin stationieren, sagte der ranghohe Kurdenvertreter Badran Jia Kurd der Nachrichtenagentur Reuters. Die Vereinbarung sei zunächst rein militärisch.

Die Kurden in Afrin hatten zuvor die Assad-Armee mehrfach zur Hilfe gegen die Türkei aufgerufen. Die Regierung in Damaskus verurteilte zwar die «Aggression» der Türkei und drohte mit dem Abschuss türkischer Kampfflugzeuge, doch intervenierte sie bisher nicht.

Vereinzelte Kampfhandlungen

Das Verhältnis der syrischen Regierung zu den Kurden im Norden des Landes ist ambivalent. In dem Bürgerkrieg haben sie weitgehend direkte militärische Zusammenstösse vermieden und zeitweise gemeinsam gegen Extremistengruppen gekämpft.

Vereinzelt kam es aber auch zu Kampfhandlungen zwischen ihnen. Unterschiedliche Vorstellungen haben sie über die Zukunft Syriens. Assad will das gesamte Land wieder unter seine Kontrolle bringen. Die Kurden beherrschen inzwischen aber grosse Gebiete im Norden des Landes und wollen diese nicht aufgeben.

Türkische Offensive geduldet

Geeint sind sie aber im Widerstand gegen die Türkei, die im Januar eine Militärinvasion in Syrien begann, um die YPG zu zerschlagen und eine Sicherheitszone an der Grenze zu schaffen. Die Türkei betrachtet die YPG als terroristische Organisation mit Verbindungen zur Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die für Autonomie der Kurden in der Türkei kämpft.

Russland und die USA haben die türkische Offensive gegen die YPG in Afrin geduldet, obwohl beide gute Beziehungen zu der Kurdenmiliz unterhalten. Die USA schätzen die Gruppe als schlagkräftigen Verbündeten gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und wollen trotz der vehementen Kritik der Türkei auch weiter an dem Bündnis mit der YPG festhalten. Damit könnte es in Nordsyrien zu einer direkten Konfrontation zwischen den Nato-Partnern Türkei und USA kommen.

Keine politische Annäherung

Die YPG sieht ihre Bündnisse pragmatisch. «Wir können mit jeder Seite kooperieren, die uns eine helfende Hand reicht im Lichte der barbarischen Verbrechen und des internationalen Schweigens dazu», sagte Kurdenführer Jia Kurd angesichts der türkischen Invasion.

Bereits in den vergangenen Wochen hatte die syrische Armee kurdischen Kämpfern erlaubt, auf dem Weg nach Afrin von ihr kontrolliertes Gebiet zu durchqueren. Eine politische Annäherung an die syrische Regierung sieht die YPG in der militärischen Kooperation ausdrücklich nicht.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. Furrer am 19.02.2018 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Türkei hat keine Einmarscherlaubnis

    Genau wie hunderte andere Gruppen und Länder, hat auch die Türkei in Syrien nichts verloren. Nur Russland hat eine offizielle Einladung von Syrien erhalten. Ich bin nicht pro Assad, aber der Westen verdreht zu viel. Vor Jahren hat Assad darauf hingewiesen, das es nicht nur Aufständige sind sondern Terroristen. Keiner glaubte es (juhui arabischer Frühling), und dann kam der IS. Seid mal ehrlich: würdet ihr nicht auch euer Land verteidigen wollen? Ich finde es zwar gut das der IS bekämpft wird. Nur hätte man von Anfang an die syriesche Regierung mit einbeziehen müssen!

  • Mr_Daywalker1995 am 19.02.2018 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrung der eigenen Souveränität!

    Präsident Assad hat das recht SEINEN Boden zu Verteidigen! Die Kurdischen Milizen sind auch Syrische Bürger die ihr eigenes Land vor den IS verteidigt haben. Wenn jetzt Assad die Türkische Armee angreifen sollte, hat er jedes Recht dazu!

  • Peter Silie am 19.02.2018 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Türkische Armee befindet

    sich auf syrischem Staatsgebiet.. Erdogan meint es ernst mit dem Osmanischen Reich. Die Achse Istanbul - Bishkek wird er nie und nimmer hinbekommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Guido3 am 19.02.2018 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ich nicht lache

    Zitat: Wenn es aber kommt, um die YPG zu schützen, dann kann uns und die türkischen Soldaten niemand stoppen», Die Türken reden nur. Nach einer Monat haben die sehr kleine gebiete erobert und schon 32 türkische soldaten kamen ums leben. Sie haben keine chance gegen die kurdische kämpfer, jetzt kommt noch assads truppen. Bald heisst es Bürgerkrieg im Erdoland.

  • Steinwerfer am 19.02.2018 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wird übel..

    Es sind schon mehr als genug Nationen militärisch in Syrien aktiv. Das Land ist ein Pulverfass und nun Erdowahn auch noch mitmischen... einfach "Birräwe**"...

  • Mr_Daywalker1995 am 19.02.2018 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrung der eigenen Souveränität!

    Präsident Assad hat das recht SEINEN Boden zu Verteidigen! Die Kurdischen Milizen sind auch Syrische Bürger die ihr eigenes Land vor den IS verteidigt haben. Wenn jetzt Assad die Türkische Armee angreifen sollte, hat er jedes Recht dazu!

  • Peter Silie am 19.02.2018 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Türkische Armee befindet

    sich auf syrischem Staatsgebiet.. Erdogan meint es ernst mit dem Osmanischen Reich. Die Achse Istanbul - Bishkek wird er nie und nimmer hinbekommen.

  • M. Furrer am 19.02.2018 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Türkei hat keine Einmarscherlaubnis

    Genau wie hunderte andere Gruppen und Länder, hat auch die Türkei in Syrien nichts verloren. Nur Russland hat eine offizielle Einladung von Syrien erhalten. Ich bin nicht pro Assad, aber der Westen verdreht zu viel. Vor Jahren hat Assad darauf hingewiesen, das es nicht nur Aufständige sind sondern Terroristen. Keiner glaubte es (juhui arabischer Frühling), und dann kam der IS. Seid mal ehrlich: würdet ihr nicht auch euer Land verteidigen wollen? Ich finde es zwar gut das der IS bekämpft wird. Nur hätte man von Anfang an die syriesche Regierung mit einbeziehen müssen!