Feuer in Bangladesch

27. November 2012 07:13; Akt: 27.11.2012 12:05 Print

Besitzer der Textilfabrik auf der Flucht

Fürchtet er sich vor dem Nachspiel? Die Polizei in Bangladesch fahndet nach dem Besitzer der Fabrik, in der bei einem Brand 110 Menschen starben. Er soll sich zu diversen Vorwürfen äussern.

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Ein Brand in einer mehrstöckigen Textilfabrik in Bangladesch hat am 25. November 2012 mindestens 110 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 200 wurden verletzt. Das Feuer war am späten Samstagabend im Erdgeschoss des neunstöckigen Fabrikgebäudes am Rande der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen und griff dann schnell auf die anderen Etagen über. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs hätten sich mehr als 1000 Arbeiter in dem Gebäude befunden. Bei den Todesopfern handle es sich zumeist um Arbeiterinnen, die von den Flammen eingeschlossen worden seien. Die meisten von ihnen seien am Rauch erstickt. Firmenchef Delwar Hossain sprach von einem «schweren Verlust für meine Angestellten und meine Fabrik», die unter anderem für das Bekleidungsunternehmen C&A arbeitet. Die Brandursache war nach Angaben von Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina Brandstiftung. «Es war kein Zufall. Es war im Voraus geplant», sagte sie am Montag im Parlament in Dhaka. Sie habe Bilder von Überwachungskameras gesehen. Zwei Männer seien festgenommen worden. «Diejenigen, die hinter dem Sabotageakt stecken, werden ebenfalls gefasst werden», sagte die Premierministerin weiter. Einer der Männer habe gestanden, für die Brandstiftung 20'000 Taka (etwa 225 Franken) erhalten zu haben. Bei den Todesopfern handle es sich zumeist um Arbeiterinnen, die von den Flammen eingeschlossen worden seien. Die meisten von ihnen seien am Rauch erstickt. Ein Sprecher der Fabrik erklärte vor Kameras, der Betrieb habe Standards der Europäischen Union eingehalten. So habe es etwa vier alternative Treppenaufgänge gegeben, doch die Arbeiter seien in der Panik zum Hauptausgang gestürmt und nur wenige hätten diese Notausgänge benutzt. Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor Bangladeschs. In dem Land gibt es etwa 4500 Bekleidungsfabriken, die unter anderem für Firmen wie H&M, Wal-Mart, JC Penney und Tesco produzieren. Die Näherinnen arbeiten meist unter schwierigen Bedingungen. Die Regierung in Bhaka entschied am ersten Sitzungstag nach der Tragödie, den Dienstag zum nationalen Tag der Trauer zu erklären. Die Nationalflagge solle auf halbmast wehen und alle Textilfabriken im Land, die Millionen Menschen beschäftigen, geschlossen bleiben. Keine zwei Tage nach dem verheerenden Brand in einer Bekleidungsfabrik in Bangladesch ist am Montagvormittag erneut ein Feuer in einem Textilbetrieb in der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen. Berichte über Todesopfer lagen zunächst nicht vor. Allerdings hätten acht Arbeiter der Fabrik in einem Vorort von Dhaka Rauchvergiftungen erlitten, sagte ein Feuerwehrsprecher. In dem Gebäude im Stadtteil Uttara waren den Angaben zufolge vier verschiedene Textilfabriken untergebracht. Der Brand konnte nach Angaben der Polizei weitgehend unter Kontrolle gebracht werden. Am Montag, 26.11.12 gingen tausende bangladeschische Arbeitnehmer auf die Strasse, um ihrer Wut über den Grossbrand vom Wochenende Luft zu machen. Dabei kam es vereinzelt zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die Demonstranten forderten lautstark mehr Sicherheit an ihren Arbeitsplätzen, wie ein Polizeisprecher sagte. Zudem sollten die für die Katastrophe Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

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Nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch mit 110 Toten fahndet die Polizei nach dem Besitzer. Delwar Hossain soll unter anderem zu den Vorwürfen befragt werden, wonach Bauvorschriften bei der neunstöckigen Fabrik nicht eingehalten wurden.

Auch gebe es Berichte, wonach Manager der Fabrik trotz des Feuers den Arbeitern verboten hätten, das Gebäude zu verlassen, sagte der Polizeichef von Dhaka der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. Den Arbeitern sei gesagt worden, es handle sich um eine Brandschutzübung. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

Für Dienstag war im ganzen Land Trauerbeflaggung angeordnet. An Regierungsgebäuden und Privathäusern wehten die Nationalflaggen auf halbmast. Die Regierung verfügte zudem per Dekret, dass die rund drei Millionen Arbeiter in der Textilbranche einen Tag lang nicht arbeiten mussten.

Mehrere Tausend Arbeiter zogen nach Polizeiangaben in Trauerumzügen durch das Industriegebiet Ashulia, wo das Feuer ausgebrochen war. Die Regierung schickte ein Grossaufgebot an Polizisten in das Industriegebiet, um Unruhen zu verhindern.

Am Samstagabend waren bei dem Brand in dem Werk der Firma Tazreen Fashion nördlich der Hauptstadt Dhaka 110 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als tausend Arbeiter wurden in den oberen Stockwerken der neunstöckigen Fabrik von den Flammen eingeschlossen.

Walmart beendet Zusammenarbeit mit Fabrik

Die Fabrik Tazreen Fashion gehört zur Tuba Group, die laut Unternehmenshomepage unter anderem für C&A, Carrefour und Walmart produziert. Nach US-Medienberichten will Walmart seine Arbeit mit der Textilfabrik nach dem Unglück beenden.

Die Fabrik dürfe nicht länger für Walmart produzieren, berichtete der Sender CNN am Dienstag unter Berufung auf den US-Handelsriesen. Ein Lieferant habe die Fabrik ohne Erlaubnis als Subunternehmer eingesetzt. «Heute haben wir die Beziehung mit diesem Lieferanten beendet», zitierte der Sender eine Erklärung von Walmart.

(sda)