Atomwaffen

15. Juli 2017 19:35; Akt: 17.07.2017 08:44 Print

Beunruhigende Aufnahmen aus Nordkorea

Kim Jong-un kann offenbar mehr Atomwaffen bauen lassen als bisher bekannt war. Forscher haben die Anlage in Yongbyon per Satellit beobachtet.

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Nordkorea hat nach Einschätzung eines Forschungsinstituts möglicherweise mehr Plutonium für Atomwaffen hergestellt als bislang bekannt. Darauf deuteten Wärmebild-Aufnahmen hin, die Satelliten von September 2016 bis Juni 2017 vom nuklearchemischen Labor der Atomanlage Yongbyon aufgenommen hätten.

Dies teilte das auf Nordkorea-Beobachtung spezialisierte Institut 38 North am Freitag in Washington mit. Demnach gab es mindestens zwei bislang nicht bekannte Wiederaufarbeitungszyklen zur Vergrösserung des Plutonium-Arsenals.

Zentrifugen in Betrieb

Zudem deuteten Aufnahmen von der Uran-Anreicherungsanlage in Yongbyon darauf hin, dass Zentrifugen in Betrieb gewesen seien.

Allerdings sei unklar, ob die festgestellte Wärmeentwicklung in der Anlage auf einen Produktionsbetrieb oder die Wartung der Zentrifugen zurückzuführen sei. Anlass zur Sorge könnte auch eine kurzzeitige Aktivität im Leichtwasser-Forschungsreaktor sein.

Nordkorea hat bislang fünf Atomwaffen getestet. Ein sechster Test könnte nach Einschätzung von Experten jederzeit vorgenommen werden. Die Forscher von 38 North hatten im April das Atomwaffen-Arsenal auf bis zu 20 Bomben geschätzt und erklärt, das Land sei in der Lage, eine weitere Atombombe im Monat herzustellen.

Internationale Kritik

Das isolierte kommunistische Land treibt trotz internationaler Proteste und Sanktionen seine Raketen- und Atomprogramme voran. Entgegen UNO-Auflagen hat Nordkorea Raketen getestet, die möglicherweise auch das Territorium der USA erreichen und Atomsprengköpfe tragen können.

Die USA fordern vor allem von China, dem einzigen wichtigen Verbündeten Nordkoreas, mehr Druck auf die Führung in Pyongyang auszuüben, die Programme zu beenden. Aus Unzufriedenheit mit dem Einwirken der Regierung in Peking bereiten die USA Regierungskreisen zufolge neue Sanktionen gegen China vor.

(woz/sda)