Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Vatileaks
10. November 2012 15:02; Akt: 10.11.2012 15:15 Print
Bewährungsstrafe für Programmierer
In der sogenannten Vatileaks-Affäre um die Weitergabe vertraulicher Dokumente aus dem Vatikan ist der Informatiker Claudio Sciarpelletti zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte vier Monate Haft beantragt, doch wurden mildernde Umstände geltend gemacht, da sich Sciarpelletti kooperativ gezeigt hatte und keine Vorstrafen aufwies. (Bild: Keystone/AP/Osservatore Romano)
Ein Gericht des Kirchenstaates befand den 48-Jährigen am Samstag für schuldig, den ehemaligen päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele beim Diebstahl geheimer Unterlagen unterstützt zu haben.
Infografik Sixtinische Kapelle Verbrechen hinter den Mauern des VatikansProzesse sind selten im Vatikan. Im winzigen Staat gibt es laut der Staatsanwaltschaft jährlich nur etwa 30 Verhandlungen. Meist geht es um Diebstähle auf dem Petersplatz oder ähnliche Vergehen. Grössere Vorfälle, die auch öffentlich wurden, lassen sich an den Fingern abzählen.
In den 1980er Jahren wurden aus der Wohnung eines Kurienkardinals wertvolle Teppiche, Porzellan, Silber sowie «ein dickes Bündel Dollarnoten» gestohlen.
Jahre zuvor hatten Telefontechniker Wertsachen des Privatsekretärs von Papst Paul VI. gestohlen, wie Benny Lai in dem Buch «Die Geheimnisse des Vatikans» schildert. Auch Goldmünzen aus den Räumen des Papstes nahmen sie mit.
Für Schlagzeilen sorgte 1998 eine Bluttat unter Schweizergardisten. Ein Unteroffizier tötete seinen Kommandanten und dessen Frau. Danach brachte er sich um. Die Ermittlungen wurden eingestellt.
2007 gab es einen Drogenprozess: Bei einem Vatikan-Mitarbeiter waren 87 Gramm Kokain entdeckt worden.
Gegen eine Frau, die sich 2009 bei der Christmette im Petersdom auf Papst Benedikt XVI. gestützt hatte, wurde kein Urteil gesprochen - sie galt als unzurechnungsfähig.
Der im Oktober zu 18 Monaten Haft verurteilte Gabriele hatte bestritten, Komplizen gehabt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Monate Haft beantragt, doch wurden mildernde Umstände geltend gemacht, da sich Sciarpelletti kooperativ gezeigt hatte und keine Vorstrafen aufwies. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert.
Ermittler hatten in Sciarpellettis Schreibtisch einen an Gabriele adressierten Umschlag gefunden. Darin befanden sich Kopien von Papieren, die der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi von Gabriele erhalten hatte und in seinem Enthüllungsbuch «Seine Heiligkeit» veröffentlichte.
Begnadigung durch Papst in Aussicht
In Gabrieles Fall liess Papst Benedikt XVI. bereits eine Begnadigung in Aussicht stellen.
Die Affäre hatte den Vatikan gehörig unter Druck gebracht. Anfang des Jahres wurden die ersten geheimen Dokumente veröffentlicht. Sie schienen Kungeleien an der Spitze der katholischen Kirche zu belegen und machten den sonst undurchdringlichen Vatikan zu einem gläsernen Palast.
Es war die Rede von einem angeblichen Mordkomplott gegen den Papst, vom Ränkeschmieden um den Posten eines künftigen Kirchenführers, von undurchsichtigen Geschäften der wiederholt in Verruf geratenen vatikanischen IOR-Bank.
(sda)

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt
















