Sprengstoff beschlagnahmt

20. November 2012 17:38; Akt: 20.11.2012 18:09 Print

Bombenanschlag auf Polens Parlament vereitelt

Die polnische Polizei hat massenhaft Sprengstoff sichergestellt. Ein 45-Jähriger hatte einen Anschlag auf das Parlament geplant. Dieser verglich sich bereits mit Anders Breivik und dem «Oklahoma-Bomber»

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In Polen ist laut offiziellen Angaben ein Anschlag auf das Parlament vereitelt worden. Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, einen Mann verhaftet zu haben, der geplant habe, vor dem Parlament einen mit vier Tonnen Sprengstoff beladenen Lastwagen in die Luft zu jagen.

«Ziel des Anschlags war das Parlamentsgebäude zu einem Zeitpunkt, an dem dort die Regierung und der Präsident waren», sagte Staatsanwalt Mariusz Krason am Dienstag in Warschau. Ein bereits am 9. November im südpolnischen Krakau festgenommener Mann habe mit Gesinnungsgenossen den Anschlag vorbereitet.

Motive: Fremdenhass, Nationalismus, Antisemitismus

Der Festgenommene habe bereits angedeutet, dass der Anschlag während der Haushaltsdebatte angepeilt worden sei. Tatmotiv seien Fremdenhass, Antisemitismus und Nationalismus, sagte Krason.

Ministerpräsident Donald Tusk sprach von einer «neuen und dramatischen Erfahrung». «Bisher hatten wir in Polen keine Erfahrung mit solchen Vorfällen», sagte er vor Journalisten in Warschau.

Gleichzeitig forderte Tusk die Politiker des Landes angesichts der immer polemischer geführten Diskussionen in Polen zum Umdenken auf. «Das ist ein Signal an uns alle. Es ist höchste Zeit, auf die Sprache des Hasses und der Aggression zu verzichten», mahnte er.

Verbindung zu Breivik

Ermittler waren erstmals im Rahmen der Untersuchung der «polnischen Spuren» des norwegischen Rechtsextremisten Anders Behring Breivik auf den 45-jährigen Dozenten der landwirtschaftlichen Hochschule von Krakau aufmerksam geworden. Breivik hatte sich in Polen Sprengstoff verschafft.

Der festgenommene Pole habe Zugang zu chemischen Materialien gehabt, die auch zum Bombenbau verwendet werden könnten. Bereits im September habe er mit 250 Kilogramm Sprengstoff experimentiert, sagten die Ermittler am Dienstag. Bei dem geplanten Anschlag sollten nach den bisherigen Erkenntnissen vier Tonnen Sprengstoff zum Einsatz kommen.

Im Rahmen der Ermittlungen seien zwei weitere Verdächtige festgenommen worden. Erste Hinweise auf den Hauptverdächtigen habe es bereits im vergangenen Jahr gegeben. Seitdem habe der Mann unter Beobachtung gestanden.

Nationalistische Motive

«Er meinte, dass sich die Lage im Land verschlechtert, weil in der Regierung Personen sind, die seiner Ansicht nach keine richtigen Polen sind», sagte Krason zu den Motiven des mutmasslichen Attentäters. Der Mann gehöre keiner Partei oder Organisation an.

Bei landesweiten Durchsuchungen seien Sprengstoff und anderes Material sichergestellt worden. Auch Waffen, schusssichere Westen und Sturmhauben seien beschlagnahmt worden. Der Festgenommene habe die Vorwürfe zunächst abgestritten, dann aber Aussagen gemacht.

Der Nachrichtensender TVN 24 berichtete unter Berufung auf Ermittlungskreise, der Terrorverdächtige habe sich in seinen Plänen an dem «Oklahoma-Bomber» und dem norwegischen Massenmörder Breivik orientiert.

(sda)