Krawalle in Kairo

22. November 2012 04:03; Akt: 22.11.2012 08:30 Print

Brandbomben fliegen auf Al-Jazeera-Büro

Die Krawalle von regierungskritischen Demonstranten in Kairo werden immer gewalttätiger. Am Mittwoch wurde das Gebäude des Fernsehsenders Al Jazeera in Brand gesteckt und der Polizeichef angegriffen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Die seit drei Tagen andauernden Auseinandersetzungen zwischen ägyptischen Jugendlichen und Sicherheitskräften sind gefährlich eskaliert. Demonstranten griffen am Mittwoch das Kairoer Büro des Fernsehsenders Al Jazeera und den örtlichen Polizeichef an. Die Menge schleuderte Molotow-Cocktails und Brandbomben auf das Fernsehstudio am zentralen Tahrir-Platz. Augenzeugenberichten zufolge ging es in Flammen auf.

Zunächst hätten sich am Mittag rund 300 Demonstranten dem Sitz von Al Jazeera genähert und dabei Flüche ausgestossen, berichtete der Reporter Ahmed el-Dassuki in einem Fernsehinterview aus dem völlig verwüsteten Büro. Dann hätten sie das Gebäude in Brand gesteckt, es gestürmt und das Fernsehstudio geplündert.

Polizeichef mit Fusstritten und Schlägen eingedeckt

«Sie warfen unserem Sender vor, voreingenommen und nicht objektiv zu sein», sagte El-Dassuki. Viele Demonstranten hatten zuvor beklagt, dass Al Jazeera die in Ägypten dominierende Muslimbruderschaft in seinen Berichten in ein zu günstiges Licht tauche.

Nach dem Angriff ging die Menschenmenge nach Behördenangaben auf den Kairoer Polizeichef Osama el-Saghir los, der die Demonstranten am Tahrir-Platz zu einem Ende der gewaltsamen Proteste bewegen wollte. Die Protestler hätten El-Saghir jedoch mit Fusstritten und Schlägen vom Platz gejagt, hiess es weiter.

Jahrestag der tödlichen Unruhen

In der Kairoer Innenstadt kommt es seit Montag zu Strassenschlachten zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften. Die Polizei ging unter anderem mit Tränengas gegen die Demonstranten vor, von denen zahlreiche verletzt wurden. Die Proteste begannen am ersten Jahrestag von Unruhen, bei denen 42 Menschen getötet worden waren. Der Unmut der Jugendlichen richtet sich vor allem gegen Präsident Mohammed Mursi, der zu wenig getan habe, um die Sicherheitskräfte für die Tötung von Demonstranten zur Rechenschaft zu ziehen.

Innenminister Ahmed Gamal Eddin erklärte, die Polizei habe seit Ausbruch der jüngsten Unruhen 118 Demonstranten festgenommen. «Wir haben uns mehr als einmal zurückgehalten», sagte Eddin auf einer Pressekonferenz.


(Quelle: Youtube/SuperWorldNewsTV)

(pre/sda/dapd)