Wegen Affäre

09. November 2012 22:00; Akt: 13.11.2012 14:48 Print

CIA-Chef Petraeus stolpert über seine Biographin

CIA-Chef David Petraeus hat überraschend seinen Rücktritt eingereicht. Als Grund gab der ehemalige Irakkriegs-General eine aussereheliche Affäre an.

Paula Broadwell in einem TV-Interview im Januar, als ihr Buch über General Petraeus erschien.
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Der hoch dekorierte Ex-General David Petraeus war nur ein gutes Jahr an der Spitze des US-Geheimdienstes. Was ihn zum Rücktritt zwang, wäre eines Bond-Films würdig: Die Co-Autorin seiner Biograohie «All In: The Education of General David Petraeus» stand im Verdacht, sich Zugang zu seinen E-Mails erschlichen haben; die Bundespolizei FBI untersuchte. Und stiess auf Mails, die auf eine Affäre zwischen David Petraeus und Paula Broadwell verwiesen.

Gemäss Beamten, die Zugang zu den Untersuchungsergebnissen haben und anonym bleiben wollen, erwies sich der Verdacht gegen Paula Broadwell, eine verheiratete Mutter von zwei Söhnen, als unbegründet, wie die «Washington Post» schreibt. Broadwell und der 20 Jahre ältere Petraeus Petraeus hatten sich kennengelernt, als der General 2005 einen Vortrag an der Universität hielt, an der sie doktorierte.

Sie beschloss, Petraeus zum Mittelpunkt ihrer Dissertation zu machen und ging 2010 nach Afghanistan, als er das Kommando dort übernahm. Das Resultat wurde gemäss «The Daily Beast» von manchen Kritikern als «Fan-Post» oder »Liebesbrief an den General» bezeichnet.

Schwerer Schlag für den Präsidenten

Präsident Barack Obama würdigte in einer Erklärung die langjährigen Verdienste von Petraeus und bestätigte den Rücktritt.

Der frühere Oberbefehlshaber im Irak und in Afghanistan teilte in einem Schreiben an seine Mitarbeiter mit, er habe um seine Demission gebeten. Der CIA war zuletzt im Zusammenhang mit der Ermordung des US-Botschafters in Libyen eine falsche Informationspolitik vorgeworfen worden.

Obama ging in seiner Erklärung nicht auf die Gründe für den Rücktritt ein. Experten werteten das Ausscheiden von Petraeus so kurz nach Obamas Wiederwahl als einen schweren Schlag für den Präsidenten. Petraeus war auch als Kandidat für ein Ministeramt in der neuen Regierung gehandelt worden.

Als kommissarischer Nachfolger bei der CIA wurde Petraeus bisheriger Stellvertreter Michael Morell benannt.

«Schlechtes Urteilsvermögen»

«Nach über 37 Ehejahren habe ich ein extrem schlechtes Urteilsvermögen gezeigt, indem ich eine aussereheliche Beziehung unterhielt», schrieb der General an seine Mitarbeiter. «Ein solches Verhalten ist nicht zu rechtfertigen, weder als Ehemann noch als der Leiter einer Organisation wie unserer.»

Petraeus gilt als Amerikas berühmtester lebender General. Er hatte im Irak-Krieg die 101. Luftlandedivision nach Bagdad geführt und die US-Truppen im Irak befehligt. Später übernahm er das Oberkommando in Afghanistan. Seine Ernennung zum CIA-Chef im September 2011 wurde auch von den Republikanern unterstützt.

«David Petraeus hat den USA über Jahrzehnte ausserordentliche Dienste geleistet», hiess es in Obamas Erklärung. Petraeus habe den US-Streitkräften geholfen, sich neuen Herausforderungen anzupassen, die Männer und Frauen in Uniform durch die Kriege im Irak und in Afghanistan geführt und dazu beigetragen, beide Einsätze «auf den Weg zu einem verantwortungsvollen Ende» zu führen.

Obama: Unser Land sicherer gemacht

Bei der CIA habe Petraeus dann weiter mit «charakteristischer intellektueller Präzision, mit Hingabe und Patriotismus» gedient, fuhr Obama fort. «David Petraeus hat unser Land sicherer gemacht.»

Petraeus sollte in der kommenden Woche vor einem Kongressausschuss über die Vorkommnisse in Bengasi aussagen. Nach dem Anschlag auf das US-Konsulat am 11. September in der ostlibyschen Metropole hatte die CIA Präsident Obama angeblich unzutreffend über die Hintergründe des Attentats informiert.

Der Anschlag, bei dem der US-Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet worden waren, war später zum Wahlkampfthema geworden. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney warf Obama Fehleinschätzung und Irreführung im Fall Bengasi vor.

Nach dem Anschlag hatte die CIA Obama tagelang versichert, die Attacke sei aus einer spontanen Protestaktion erwachsen. Wie sich später herausstellte, handelte es sich aber um einen geplanten Terroranschlag von islamischen Extremisten am Jahrestag der Anschläge gegen die USA vom 11. September 2001.

CIA-Kreise hatten sich damit gerechtfertigt, dass ihre Angaben zum damaligen Zeitpunkt dem Kenntnisstand entsprachen.

(jam/bem/sda/dapd)