Frauenpower

09. November 2012 04:28; Akt: 09.11.2012 10:52 Print

Chinas Alibi-Frau

Liu Yandong ist die einzige Frau im 24-köpfigen Politbüro der Kommunistischen Partei Chinas. Jetzt könnte sie die erste Frau im innersten Machtzirkel werden.

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Liu Yandong: Chinas Powerfrau auf dem Sprung in den innersten Machtzirkel. (Bild: Keystone/AP/Ng Han Guan)

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Wenn der Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas nächste Woche die neue Führungsspitze bestimmt, könnte die einzige Frau im engeren Machtzirkel zur ersten Frau im Ständigen Ausschuss des Politbüros werden, im eigentlichen Zentrum der Macht.

Liu Yandong ist die Tochter des ehemaligen Landwirtschaftsministers Liu Ruilong und hat starke familiäre Bande sowohl zum früheren Präsidenten Jiang Zemin als auch zum aktuellen Hu Jintao. Sie gehört der sogenannten Prinzenklasse an, den Söhnen und Töchtern verdienter Revolutionäre.

22 Prozent Frauen in den Parlamenten

Lius Ernennung würde allerdings nicht viel ändern am eklatanten Frauenmangel in der chinesischen Politik. Eine chinesische Studie vom letzten Jahr beziffert den Anteil Frauen, die staatliche Ämter, Institutionen oder Parteiorgane leiten, auf 2,2 Prozent. In den Legislativen des Landes aber seien die Frauen mit 22 Prozent besser vertreten als in den USA, wo es bis zur letzten Wahl nur 17 Prozent waren, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua im März dieses Jahres.

«Falls Liu Yandong in den Ständigen Ausschuss berufen wird, wäre das ein Meilenstein für die politische Vertretung der Frauen in China», sagt Leta Hong Fincher, eine Gender-Studies-Doktorandin an der Universität von Tsinghua, gemäss cnn.com. «Es wäre ein Indiz dafür, dass die chinesische Führung bereit ist, einer Frau wirkliche Macht zu geben. Aber das allein würde nicht zu einer verbesserten sozialen Stellung der Chinesinnen führen.»

Liu wäre wohl für die Propaganda zuständig

Xi Chen, Assistenzprofessorin der Politikwissenschaften an der Universität von Texas-Pan American, sagt: «Ich glaube, dass die Teilhabe der Frauen an der Politik in China mehrheitlich symbolischen Wert hat. Schuld daran ist eine komplizierte Mischung aus sozialen, kulturellen und politischen Faktoren.»

Falls Liu Yandong, die im Ruf steht, liberal zu sein, in die höchsten Sphären der Macht in China aufsteigt, wird sie wohl für die Propaganda zuständig sein, erwarten Beobachter.

(bem)