Volksstar Peng Liyuan

13. November 2012 16:35; Akt: 13.11.2012 18:15 Print

Chinas neue First Lady

von Simone Kubli - Sängerin im Rang eines Armeegenerals: Wenn am Donnerstag Xi Jinping zum mächtigsten Mann Chinas gekürt wird, wird nicht er im Zentrum stehen, sondern seine Frau. Ist China bereit für eine starke First Lady?

Peng Liyuan bei einem ihrer grossen TV-Auftritte (YouTube/cctv13music)
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Ihr erstes Treffen war ein kleineres Desaster. Mit einer weiten Armeehose stand sie vor ihm. Peng Liyuan wollte testen, ob der Mann, mit dem sie sich 1986 verabredet hatte, nur Wert aufs Äussere legt. Sie, die schöne, damals bereits populäre chinesische Volkssängerin mit dem Übernamen Pfingstrose, war etwas enttäuscht. Glaubt man der «Huanquin Renwu», so erschien ihr der Mann sehr hinterwäldlerisch, wirkte älter als er war – eine graue Maus.

Xi Jinping andererseits, der Funktionär, hatte keine Ahnung, wie berühmt die Frau war. Die politische Karriere nahm ihn zu stark ein. Die populäre Neujahrsshow am chinesischen Staatsfernsehen hatte er nie gesehen. Sonst hätte er nämlich gewusst, dass sein Date dort jeweils die Attraktion war und 700 Millionen Fernsehzuschauer mit chinesischen Liedern begeisterte. Sie war in 50 Ländern aufgetreten und wurde als «Königin der chinesischen Volkskunst» gefeiert.

«Er ist eine ehrliche Haut und nachdenklich»

Davon hatte der stramme Beamte aus Peking zu jenem Zeitpunkt keine Ahnung. «Es tut mir leid, ich sehe selten fern – welches Lied haben Sie gesungen?», entschuldigte sich Xi für seine Unwissenheit. Später fragte er die Schönheit nach ihren besonderen künstlerischen Fähigkeiten, die es für das Singen braucht. Diese Fragen haben Pengs Herz entzückt, wie sie der Zeitung offenbarte. Da wusste sie plötzlich: «Das ist der Mann für mein Herz. Er ist eine ehrliche Haut und nachdenklich.» Auch der um zehn Jahre ältere Xi war glücklich.

1987 wurde geheiratet. Peng sang weiter, gebar in Abwesenheit ihres karrierebewussten Mannes – unterdessen war er Parteichef der Provinz Fujjan geworden – 1992 Tochter Xi Mingze, die laut Nachrichtenagentur DPA unter einem Pseudonym in Harvard studiert. Das Singen auf grossen Bühnen trat in den Hintergrund. 2007 wurde Xi Jinping zum Thronfolger von Hu Jintao auserwählt.

Sängerin im Rang eines Armeegenerals

Als Generalmajorin in der Künstlergruppe der Volksbefreiungsarmee trat sie noch bei Neujahrsfeiern der Armee auf. Sie ist Teil der Propaganda Chinas. In Uniformen und tibetischen Trachten trällerte die ehemalige Soldatin mit hoher Stimme Befreiungshymnen, wie «Wer wird uns befreien? Es ist die liebe Volksbefreiungsarmee – der rettende Stern der Kommunistischen Partei.» Heute steht sie im Rang eines Armeegenerals.

Als First Lady wird sie auch an der Seite des designierten Parteivorsitzenden und künftigen Parteichefs Propaganda machen. Als elegante, glamouröse Sängerin wird sie diese Rolle mit Bravour meistern. Doch Peng wird ihre Rolle als First Lady neu interpretieren.

Ist China für die singende Persönlichkeit bereit?

Bereits heute bricht sie ab und zu Tabus. So engagiert sich die 49-Jährige seit Jahren in der Aidshilfe, versucht das HIV-Stigma in China aufzuweichen, indem sie selber in Anti-Aids-Spots auftritt. Sie propagiert öffentlich Kondome für Schwule, kämpft mit Microsoft-Tycoon Bill Gates gegen das Rauchen. Sie ist Botschafterin der Weltgesundheitsorganisation WHO. «Als Person des öffentlichen Lebens sollte ich mein Mitgefühl einsetzen, um den Menschen die Augen zu öffnen», beschrieb sie ihre neue Aufgabe.

Ist China für die singende Persönlichkeit bereit? Pengs Vorgängerinnen traten kaum in Erscheinung. Wer kennt die Frau des derzeitigen Präsidenten Hu Jintao? Für viele Chinesen sitzt das Trauma starker Frauen mächtiger Männer tief. So hat die Ehefrau von Mao wegen der Kulturrevolution ihre Popularität eingebüsst und sich schliesslich das Leben genommen. Erst im Sommer wurde die Ehefrau des Spitzenpolitikers Bo Xilai wegen Mordes verurteilt.

Sie fährt gerne mit dem Velo auf den Markt

«Als Künstlerin wird Pengs Karriere so stark leiden wie jene von Carla Bruni», bilanziert Michel Bonnin, Direktor des französisch-chinesischen Instituts der Tsinghua-Universität, auf asiaone.com. Peng bringe sicher etwas Glamour in den langweiligen Politalltag – doch wird sie die Glamour-Lady Chinas bleiben?

Sie fahre gerne mit dem Velo zum Markt, feilsche dort mit den Verkäufern, offenbarte sie kürzlich den Medien. Und wenn Xi zu Hause ist, dann kocht sie ihm die Gerichte, die er mag. Ein einfaches Leben kündigt sich an.


Was meinen die Chinesen zu Peng Liyuan? (YouTube)

Weitere Kostproben von Peng Liyuan (YouTube):

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matt am 13.11.2012 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Madame Mao

    So hat die Ehefrau von Mao wegen der Kulturrevolution ihre Popularität eingebüsst. Nette Umschreibung. Wegen Madame Mao und der Viererbande kam es während der Kulturrevolution zu Bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Millionen von Chinesen wurden misshandelt, kamen in Umerziehunglager oder wurden gleich Umgebracht. Frau Mao war auch Schauspielerin.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Matt am 13.11.2012 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Madame Mao

    So hat die Ehefrau von Mao wegen der Kulturrevolution ihre Popularität eingebüsst. Nette Umschreibung. Wegen Madame Mao und der Viererbande kam es während der Kulturrevolution zu Bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Millionen von Chinesen wurden misshandelt, kamen in Umerziehunglager oder wurden gleich Umgebracht. Frau Mao war auch Schauspielerin.

    • g. bernasconi am 13.11.2012 23:17 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts Neues

      Frauen spielten schon zur Kaiserzeiten eine sehr wichtige Rolle, auch wenn es nicht immer offiziell war. Keine Neuigkeit hier: nur dass diese Dame eine eigene Karriere hatte und hat.

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