Codes verschwunden

06. Januar 2018 17:50; Akt: 06.01.2018 17:50 Print

Clinton verlegte seinen «roten Atomknopf»

Kim Jong-un behauptet, er habe einen «Atomknopf» auf seinem Tisch, Trump gibt mit der Grösse seines eigenen an. Nicht alle US-Präsidenten gingen mit den Nuklear-Codes sorgfältig um.

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Ups! Während seiner Amtszeit im Jahr 2000 soll der ehemalige US-Präsident Bill Clinton monatelang die Karte mit dem Code, der zum Abschuss nuklearer Raketen erforderlich ist, verloren haben. Das erzählte der pensionierte General Hugh Shelton in seinen 2010 veröffentlichten Memoiren «Without Hesitation: The Odyssey of an American Warrior». Die Anekdote aus dem Jahr 2000 ist Anfang Januar 2018 wieder aktuell, nachdem Nordkoreas Diktator Kim in seiner Neujahrsansprache mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht hatte. Kurz danach meinte US-Präsident Trump, er habe einen «viel grösseren und mächtigeren» Atomknopf. Das Thema ist ernst. Der Horror eines Nuklearschlags wurde im Zweiten Weltkrieg offenbar, als die USA in Hiroshima und Nagasaki zwei Bomben über Japan abwarfen. Bild: Am 1. November 1952 zündeten die USA auf einem Atoll der Marshall-Inseln im Pazifik die erste Wasserstoffbombe. Der von einem Militärassistenten getragene Koffer mit den Codes und Kommunikationsgeräten zum Zünden von Atomsprengköpfen ist immer in der Nähe des US-Präsidenten. Auch am 6. August 2016, als Barack Obama das Weisse Haus Richtung Sommerferien verlässt. Ein US-Präsident gebietet über 925 aktive Nuklearsprengköpfe mit der Zerstörungsgewalt von über 17'000 Hiroshima-Bomben. Einige sind auf Langstreckenraketen wie die Minuteman im Silo in South Dakota am 23. März 2015 ... ... andere sind auf Flugkörpern in nuklear getriebenen U-Booten wie dem USS Michigan in Bangor, Washington, am 14. November 2002 ... ... und weitere Nuklearsprengköpfe können von den strategischen Bombern der US Air Force abgeworfen werden. Im Parallelflug von oben: B-52, B-1, B-2. Dass Donald Trump gut beraten ist, bezweifelte in TV-Interviews Michael Hayden, ein früherer Chef der Geheimdienste CIA und NSA. An der riesigen Macht von US-Präsidenten über Nuklearwaffen rüttelte bisher kaum jemand. Verteidigungsminister Melvin Laird (links) führte 1969 anfänglich einen Befehl von Richard Nixon (rechts) nicht aus, der die Atomkräfte mobilisieren wollte. Und der spätere Verteidigungsminister James Schlesinger wollte 1974, dass Nuklearbefehle Nixons (links) zuerst ihm oder Sicherheitsberater Henry Kissinger (rechts) vorgelegt werden.

Zum Thema
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US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un haben sich gerade ihren vorerst letzten Schlagabtausch zum Thema «Atomknopf» geliefert. In seiner Neujahrsansprache hatte Kim wieder einmal mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, Trump erwiderte daraufhin, er habe einen «viel grösseren und mächtigeren» Atomknopf.

So gerne auch die beiden einen farbigen, runden Knopf auf ihrem Schreibtisch hätten, mit dem sie die Welt in Schutt und Asche legen könnten, den roten Atomknopf gibt es eigentlich gar nicht.

Alles in einem Koffer verpackt

Im Falle der USA ist der Präsident als Oberbefehlshaber der Einzige, der anordnen kann, ob die Supermacht einen nuklearen Sprengkopf zündet. Zu diesem Zweck begleitet ihn immer ein Militärassistent mit einer 18 Kilo schweren, gepanzerten Tasche, die «Nuclear Football» genannt wird.

Der mit Leder ummantelte Koffer der Marke Zero Halliburton enthält alles, was es für den Weltuntergang braucht: Kriegspläne, eine Liste mit Notbunkern, eine Art Laptop und Kommunikationsgeräte samt Antenne. Doch der wichtigste Inhalt ist eine 7,5 mal 12,5 Zentimeter grosse Karte mit den Codes, die es zur Zündung von Atombomben braucht. Sie wird «Biscuit» genannt.

Clinton verlor seine Karte

Dass diese Karte sehr sorgfältig aufbewahrt werden muss, sollte klar sein. Der ehemalige Präsident Bill Clinton soll allerdings während seiner Amtszeit den Code verloren haben, der zum Abschuss nuklearer Raketen erforderlich ist.

Im Jahr 2000 sei die Karte mit dem Zahlensystem monatelang verschwunden gewesen, schilderte der pensionierte General Hugh Shelton in seinen 2010 veröffentlichten Memoiren «Without Hesitation: The Odyssey of an American Warrior» (zu Deutsch «Ohne Zögern: Die Odyssee eines amerikanischen Kriegers»).

Wie Clintons Team das Malheur vertuschte

Laut «Business Insider» flog die Sache erst auf, als die Karte – wie dies stets in regelmässigen Abständen erfolgt – durch eine neue ersetzt werden sollte. Bei zwei Gelegenheiten hätten Mitarbeiter des Weissen Hauses Militärvertretern auf Anfrage gesagt, die Karte könne derzeit nicht ausgewechselt werden, weil sie der Präsident bei sich habe. Dieser befinde sich in einer Konferenz und könne nicht gestört werden.

«Zu einem Zeitpunkt der Clinton-Regierung waren die Codes tatsächlich abhanden gekommen», schrieb Shelton in seinem Buch. «Das war ein dickes Ding, ein gigantisches Ding.» Schliesslich habe dann ein Mitarbeiter des Präsidenten zugegeben, dass die alte «Biscuit»-Karte verlegt worden sei.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat Meier am 06.01.2018 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Clinton war zu beschäftigt

    Bill war mit Monica beschäftigt und da fiel ihm die Karte aus der Hose. Erst Monate später wurde sie befleckt wieder aufgefunden.

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  • cipher am 06.01.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Huuuu, schnell schnell

    Bestimmt in der Besenkammer als Pfand abgegeben ;-)

  • Letzi Parker am 06.01.2018 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnte sein

    Eventuell hatte Monika L. den roten Knopf in der Hand.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • p.s am 08.01.2018 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2 sind besser als keine

    Trump bräuchte wohl zwei Buzzer. Da er nicht Mal einhändig eine Flasche halten kann.

  • Rodney McKay am 08.01.2018 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Der Schwerenöter

    Bill hat wohl anstatt der Zigarre, das Biscuit in Lewinsky veredelt und danach gemampft. Aber er geniesst ja bis heute Narrenfreiheit...MeToo...not

  • Web 2.0 am 08.01.2018 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überwachungskamera

    Bill musste schnell handeln. Mit einem Wisch war der Atomknopf und die Codes Karte vom Pult gefegt, bis dass dann Monika Lewinsky Ihren Durst am kurzzeitig erregten Glied des US Präsidenten stillen konnte. Die Room Cleaner erledigten den Rest und entsorgten alle Beweismittel und Abfälle.

  • Philipp am 08.01.2018 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Dem Donald...

    ...sein roter Knopf sieht nur so gross aus, wegen seinen kleinen Händen!

  • Stefan Stöckli am 08.01.2018 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Komplizierter Code

    Na ja, hoffentlich war der Code da aber schon komplexer als er es bis 1977 war. Angeblich war der Code bis dahin nämlich 00000000. "Drücke achtmal die Null für das Ende der Welt"

    • Werkseinstellungen am 08.01.2018 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan Stöckli

      admin musste man als Username auch noch eintippen. :-)

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