Reaktion der Sicherheitsbehörden

23. März 2017 15:56; Akt: 23.03.2017 17:22 Print

Das passierte in London direkt nach dem Alarm

Als in London die Alarmmeldung von der Westminster-Brücke einging, löste das eine ganze Reihe von Sicherheitsprotokollen aus.

Ein Attentäter hat auf der Westminster-Brücke und beim britischen Parlament mindestens vier Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Der Täter wurde von der Polizei erschossen. (Video: Tamedia Webvideo)
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Als am Mittwochnachmittag in London der Terror-Alarm einging, löste das nicht nur bei der Polizei, der Feuerwehr und der Sanität Grosseinsätze aus. In zahlreichen weiteren Sicherheitsbehörden wurden verschiedene, aber zusammenhängende Aktionspläne in Kraft gesetzt.

Betroffen sind dabei etwa In- und Auslandsgeheimdienst, Anti-Terror-Einheiten der Polizei, Einheiten des Special Air Service (SAS) der Armee und die Luftwaffe, wie der «Mirror» auflistet. Überall im Land wurden hundertfach geübte Protokolle ausgelöst, um unter anderem Premierministerin Theresa May zu schützen, Kontakte zu ausländischen Geheimdiensten herzustellen oder ein Kommunikationsnetz zwischen den zahlreichen involvierten Behörden einzurichten und zu betreiben.

Ein Protokoll der Reaktionen der Sicherheitsbehörden:

• Das Antiterror-Kommando der Polizei (CTC) durchforstet gemeinsam mit Special Forces das Parlamentsgebäude auf der Suche nach möglichen weiteren Tätern und überwachte die Evakuierung von Theresa May.

• Ein SAS-Team eskortierte die Premierministerin vom Parlament zum Regierungssitz in der Nähe von 10 Downing Street.

• Minuten nach dem Alarm war ein Chinook Helikopter der Royal Air Force startbereit, um die Premierministerin im Falle einer weiteren Attacke aus London zu evakuieren.

• Die SAS hatte 20 weitere Antiterror-Spezialisten in und um London herum auf Abruf, um sofort eingreifen zu können.

• Mehrere Armee-Offiziere, die der Antiterror-Einheit des Inlandgeheimdienstes MI5 (JTAC) angeschlossen sind, waren auf Stand-by, um weitere Verstärkung der Special Forces anzufordern.

• Per Codewort löste das JTAC höchste Alarmbereitschaft bei einem SAS Interventions-Team aus.

• Innerhalb von Minuten nach dem Terror-Alarm wurde das Hauptquartier des MI5 in London komplett abgeriegelt, so dass niemand ausser autorisiertem Personal in oder aus dem Gebäude gelangen konnte.

• Eine Verbindungseinheit des MI5 wurde ins Quartier der CTC kommandiert, um einen Live-Informationsfluss über die Hintergründe des Attentäters zu gewährleisten.

• Eine Kommandozentrale wurde eingerichtet, um die Kommunikation – Handys, E-Mails, Apps – zwischen möglichen Mitwissern, bekannten Jihadisten und radikalisierten Islamisten zu überwachen.

• Ein SAS-Verbindungsoffizier, der in 10 Downing Street stationiert ist, hält Konakt zu allen involvierten Diensten.

In der Zeit kurz nach einem Terror-Anschlag biete sich eine gute Gelegenheit, um an die Kommunikationskanäle von Jihadisten zu gelangen, weil ein Angriff eine verstärkte Kommunikation auslöse, schreibt der «Mirror». Das Blatt beruft sich auf einen ehemaligen MI5-Mitarbeiter, der sagt: «Jedes Regierungsgebäude, Polizeihauptquartier oder Sicherhautsgebäude wie das MI5 wird in nächster Zeit abgeriegelt sein und alle da drin werden sehr beschäftigt sein.»

«Gelegenheit, wertvolle Informationen zu sammeln»

Zwar deute derzeit alles auf einen Einzeltäter, einen so genannten «lone wolf» hin, weswegen im Vorfeld wohl auch keine Verdachtsmomente auftraten, so der Geheimdienstler. «Aber die Reaktionen können sehr informativ sein. Zum Beispiel kann es gut sein, dass jetzt Telefongespräche abgehört werden, in denen sich überwachte Jihadisten zu Nachahmungstaten äusserten.»

In der grössten Abhöreinrichtung Grossbritanniens, dem GCHQ, herrscht aktuell Hochbetrieb, um die Kommunikation von Jihadisten weltweit zu überwachen und neue Informationen zusammenzutragen. Das Fazit des Ex-MI5-Mitarbeiters: «Natürlich ist der Anschlag eine schreckliche Tragödie, aber jetzt besteht die Gelegenheit, wertvolle Informationen zu sammeln, um künftige Anschläge in Grossbritannien zu verhindern.»

(ofi)