Olympischen Spiele

24. Januar 2014 18:40; Akt: 03.02.2014 18:22 Print

Delfine aus Taiji-Bucht sollen Sotschi amüsieren

Fischer haben in der japanischen Bucht Taiji auf brutale Art und Weise 51 Delfine gefangen – viele davon für Sotschi. Dort sollen die Tiere die Zuschauer an den Olympischen Winterspielen unterhalten.

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In den letzten fünf Monaten wurden bei den jährlichen, blutigen Treibjagden vor der Küste des Fischerdorfs Taiji 97 Delfine für die Delfinarien-Industrie lebend gefangen, 51 davon allein bei der Massenjagd vom 17. Januar. Nun wurde bekannt: Viele dieser Tiere wurden nach Russland verfrachtet, genauer: nach Sotschi. Am Austragsort der Olympischen Winterspiele sollen die Delfine die Zuschauer in Shows amüsieren.

Laut russischen Medienberichten soll am 4. Februar, drei Tage vor der offiziellen Eröffnung des Sportevents, ein Delfin einen Athleten mit der olympischen Fackel in der Hand durch das Becken ziehen. Für Sigrid Lüber, Präsidentin der internationalen Meeresschutzorganisation Oceancare, ist es unbegreiflich, dass «heutzutage noch solche Tiervorführungen bei internationalen Veranstaltungen stattfinden», wie sie gegenüber 20 Minuten sagt.

«Der Motor für das Gemetzel Hunderter Delfine»

Oceancare kritisiert in einer Pressemitteilung das skrupellose Denken der Veranstalter bei der Umsetzung des Fackellaufs. «Einige der Betreiber rühmen sich, Delfine in Japan gerettet zu haben. Doch in Wahrheit ist der Handel mit diesen Tieren der Motor für das Gemetzel Hunderter Delfine», erklärt Lüber.

Damit bestätigt sie die Aussagen von Melissa Seagal, einer Umweltschützerin von Sea Shepherd, wonach hinter der brutalen Delfintreibjagd in Taiji die weltweite Vergnügungspark-Industrie steckt. «Junge Tiere werden von ihren Familien getrennt und selektiert», erklärt Lüber weiter. «Für die zukünftigen Showakrobaten wird viel Geld bezahlt.»

Auch wenn offizielle Exportdaten nicht den genauen Haltungsort der Tiere benennen, so besteht für Oceancare kein Zweifel daran, dass zumindest einige dieser Tiere in den Anlagen in Sotschi gehalten werden. Die Betreiber der Delfinarien würden dies in ihrer Kommunikation sogar selbst bestätigen.

Seit der Vergabe der Olympischen Winterspiele an die russische Schwarzmeer-Hafenstadt Sotschi wurden dort Einrichtungen zur Haltung von Delfinen ausgebaut – unter dem Vorwand der nachhaltigen Tourismusentwicklung in der Region. Doch wo bisher vor allem Delfine aus dem Schwarzen Meer in Sotschis Aquarien landeten, wurden in den vergangenen zwei Jahren gerade auch Tiere aus Japan eingeflogen.

Die offizielle Exportstatistik Japans listet für das Jahr 2012 die Ausfuhr von vier Grossen Tümmlern nach Russland auf. Artenschutzorganisationen haben 2013 die Ausfuhr von 15 weiteren Delfinen aus Japan dokumentiert. Die offizielle Handelsstatistik für das Jahr 2013 liegt noch nicht vor.

(kle)