Oh là là

17. Dezember 2012 23:39; Akt: 17.12.2012 23:40 Print

Depardieu spielt den «Steuerflüchtlix»

Schauspieler Gérard Depardieu kehrt Frankreich den Rücken und zieht ins nahe Belgien, wo er keine Vermögenssteuer zu zahlen hat. Der Fall avanciert zur Staatsaffäre.

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Der französische Schauspieler und Steuerflüchtling Gérard Depardieu hat seinen neuen russischen Pass persönlich in Russland abgeholt. Depardieu steht mit der Steuerpolitik der sozialistischen Regierung Frankreichs um Präsident François Hollande auf Kriegsfuss. Diese plant eine Reichensteuer von 75 Prozent für Einkommen über eine Million Euro. In Russland gilt ein einheitlicher Steuersatz von 13 Prozent. Am traf sich Depardieu mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Schwarzmeerstadt Sotschi zu einem Abendessen. Auf Fernsehaufnahmen war zu sehen, wie Putin den Schauspieler in der Präsidentenresidenz zur Begrüssung umarmte. Das russische Fernsehen zeigte die beiden Männer beim Abendessen und wie sie dabei über Depardieus neuen Film diskutierten, in welchem er den mysteriösen russischen Mönch Rasputin spielt. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bestätigte, dass der Franzose seinen neuen russischen Pass erhalten habe. Dieser sei ihm aber nicht von Putin überreicht worden. Der russische Präsident hatte dem Filmstar am Donnerstag per Dekret die russische Staatsbürgerschaft zugesprochen. In Russland ist Depardieu sehr willkommen, wie diese Plakate in Moskau zeigen. Auch in Petersburg prangern Depardieu-Posters über den Strassen. «Wer sind bezeichnet. Gérard Depardieu hat sich am als Neubürger der belgischen Gemeinde Estaimpuis angemeldet. Dort soll er ein Steinhaus mit Schwimmbad für 200'000 Euro gekauft haben. In der belgischen Ortschaft sind Viertel der Einwohner Franzosen. Zunächst war gemunkelt worden, Depardieu habe dieses Haus mit einem riesigen Garten gekauft. Die Versionen wurden jedoch nie bestätigt. Auch dieses Haus soll Depardieu anfänglich gekauft haben. Was allerdings klar ist: Der Schauspieler hat am zum Kauf angeboten.

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Es begann vor ziemlich genau einer Woche: Die französische Zeitung «Le Parisien» berichtete über die Absichten von Schauspieler Gérard Depardieu, in das belgische Dorf Nechin bei Etaimpuis zu ziehen. Im Artikel «Obelix bei den Belgiern» gab der Bürgermeister von Estaimpuis, das nur rund einen Kilometer von der französischen Grenze entfernt liegt, zu, dass hinter dem Umzug des prominenten Franzosen finanzielle Gründe stünden. Im Nachbarsland würden dem Franzosen hohe Vermögenssteuern erspart bleiben, denn in Frankreich werden Einkommen, die höher als eine Million Euro jährlich sind, ab 2013 mit 75 Prozent besteuert.

Die Reaktionen aus politischen Kreisen kamen umgehend: Premierminister Jean-Marc Ayrault bezeichnete Depardieus Umzug in einem Fernsehinterview als «unpatriotisch» und «ziemlich erbärmlich». Die Kommunistin Nathalie Arthaud schimpfte ebenfalls im Fernsehsender LCI: «Ich finde, das ist eine ziemliche Schande». Es sei «nicht unnormal, dass Reiche mehr Steuern zahlen» würden, empörte sich auch der Gewerkschaftsführer Laurent Berger im Radiosender Europe-1. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter kursierten bereits Witze über den Neu-Belgier, der wohl künftig statt der Rolle des Obelix die des «Steuerflüchtlix» spielen werde.

Nie so beleidigt in meinem Leben

Depardieu liess sich die Kritik seiner Landsleute nicht lange gefallen: Er werde seinen französischen Pass abgeben, schrieb der 63-Jährige in einem offenen Brief an Premierminister Ayrault. Er verlange keine Zustimmung, aber Respekt seiner Person gegenüber. Der Schauspieler erwiderte in seinem Brief, er verlasse Frankreich, weil die Regierung der Ansicht sei, Erfolg und Talent müssten bestraft werden. Er habe sich nie vor dem Steuerzahlen gedrückt und in 45 Jahren 145 Millionen Euro überwiesen, schrieb er weiter in dem von der SonntagsZeitung «Journal du Dimanche» veröffentlichten Brief.

Doch so einfach ist das nicht: Laut dem französischen Gesetz können Bürger beantragen, ihre Staatsbürgerschaft abzugeben, sobald sie andernorts eine andere beantragt haben. Depardieu müsse zuerst Belgier werden, um einen belgischen Pass zu bekommen, bestätigte die Vorsitzende des für Einbürgerungen zuständigen Ausschusses des belgischen Parlaments, Karine Lalieux. Die Einbürgerung «bestimmter Personen» dürfte jedoch ab dem 1. Januar beschleunigt werden. Sportler oder Künstler, die möglicherweise das Ansehen Belgiens mehren, würden schon nach sechsmonatigem Aufenthalt die belgische Staatsbürgerschaft beantragen können, meinte Lalieux. Normalerweise ist dies frühestens nach drei Jahren möglich.

Belgien ist kein «Sündenbock»

In Belgien wird der Fall Depardieu nun zum Politikum. Sein Land «zum Sündenbock» zu machen sei nicht richtig, meinte der belgische Aussenminister Didier Reynders am Montag im französischen Sender RTL. Frankreich müsse untersuchen, weshalb die Franzosen aus ihrem Land flüchten. «In Belgien ist keine Massnahme ergriffen worden, um irgendwelche französischen Staatsbürger anzuziehen.» Vielmehr habe es eine Entwicklung des französischen Steuersystems gegeben, die vielleicht Konsequenzen hat», meinte Reynders.

In Belgien leben laut Schätzungen tausende wohlhabende Franzosen, weil sie dort weniger Steuern zahlen. Auch der reichste Franzose Bernard Arnault liess sich in Belgien nieder, wo es keine Vermögenssteuer gibt: Der Besitzer des Luxuskonzerns LVMH beantragte im September die belgische Staatsbürgerschaft. Seine Entscheidung habe allerdings «keine steuerlichen, sondern private Gründe», sagte der den französischen Konservativen nahestehende Unternehmer damals. Interessant: In der von Depardieu gewählten Ortschaft, in der er ein Steinhaus mit Schwimmbad für 200'000 Euro kaufte, sind ein Viertel der Einwohner Franzosen, darunter beispielsweise die Besitzer der Supermarktkette Auchan. Ob sie wohl alle persönliche Gründe haben?

(kle)