Vereitelter Anschlag in Australien

04. August 2017 12:53; Akt: 04.08.2017 12:53 Print

Der IS befahl eine Fleischwolf-Bombe

Sprengstoff im Flugzeug und Giftgas in der Menschenmenge: Die australische Polizei vereitelte diese Anschlagspläne. Und doch geht von ihnen eine gefährliche Signalwirkung aus.

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Der Drahtzieher für den vereitelten Anschlag auf ein Flugzeug der Etihad Airways sitzt in Syrien: Der Mann ist ein ranghohes Mitglied der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Der IS-Kommandeur habe eine Gruppe australischer Männer angewiesen, eine Bombe zu bauen und an Bord eines Flugzeugs zu schmuggeln, teilte die Polizei am Freitag mit. Zwei Verdächtige, Khaled Mahmoud Khayat (49) und Mahmoud Khayat (32), wurden wegen Terrorismusvorwürfen angeklagt.

Fleischwolf im zu schweren Handgepäck

Die Bombe sei in einen Fleischwolf eingebaut gewesen, sagte Michael Phelan, Vizechef der australischen Bundespolizei. Der selbstgebaute Sprengsatz sollte den Angaben zufolge in eine Maschine der Etihad Airways geschmuggelt werden. Diese sollte am 15. Juli von Sydney nach Abu Dhabi starten.

Warum der Plan letztlich scheiterte, ist nach Polizeiangaben noch nicht vollständig geklärt. Offenbar sollte der nicht eingeweihte Bruder des einen Verhafteten die Bombe an Bord bringen. Doch der Sprengsatz habe das Check-in nicht passiert, sagte Phelan. Die Polizei vermutet, dass der getarnte Sprengsatz möglicherweise zu schwer für ein Gepäckstück gewesen sei.

Bombenteile per Post aus der Türkei

Der IS habe Teile für den Bombenbau sowie Treibstoff per Post von der Türkei aus an die Männer in Australien geschickt, so die Polizei. Anschliessend habe es Anweisungen gegeben, wie die Bombe gebaut werden müsse. Es habe sich um «hochgradigen militärischen Sprengstoff» gehandelt, der «erheblichen Schaden» verursacht hätte.

Bundespolizist Phelan räumte ein, dass es besorgniserregend sei, dass die Teile problemlos per Post ins Land gekommen seien. Die Polizei sei aber «zuversichtlich, alle Einzelteile des Sprengsatzes gefunden zu haben».

Giftige Chemikalien in Menschenmenge

Es sollte nicht beim geplanten Sprengstoffanschlag bleiben: Die Terroristen sollen an einem Plan gearbeitet haben, giftige Chemikalien inmitten einer grösseren Menschenmenge freizusetzen. Ziel wäre wahrscheinlich der öffentliche Nahverkehr gewesen, sagte Phelan: «Sie sprachen über überfüllte und eng begrenzte Orte, möglicherweise öffentliche Verkehrsmittel.» Der Plan habe sich aber noch im Anfangsstadium befunden. Von einem funktionsfähigen Sprengsatz seien die beiden «weit entfernt» gewesen.

Dass der IS mit Giftgas für Anschläge experimentiere, sei auch deshalb bedenklich, weil derlei Pläne die IS-Anhänger im Westen inspirierten, sagt der US-Terrorexperte Michael S. Smith II.

«Impulse für Ausbildung, Rekrutierung oder Abwerbung»

«Die IS-Kommandanten sind sich bewusst, dass auch ein vereitelter Anschlag für Schlagzeilen sorgt. Das ist ausschlaggebend für das Konzept, den Westen zu terrorisieren. Gleichzeitig gibt es so neue Impulse für Ausbildung, Rekrutierung oder Abwerbung von Mitgliedern anderer salafistisch-jihadistischer Gruppierungen wie der al-Qaida.»

Justizminister Michael Keenan sagte vor Journalisten, die Auswirkungen des Anschlags auf das Flugzeug «hätten katastrophal sein können». Er wolle aber daran erinnern, dass es bereits das 13. Mal in den vergangenen drei Jahren sei, dass ein Anschlag in Australien vereitelt worden sei.

In Australien gilt seit September 2014 eine erhöhte Terrorwarnstufe. Seitdem verschärfte die Regierung die Anti-Terror-Gesetze.

(gux/sda/afp)