Matteo Salvini

05. März 2018 04:29; Akt: 05.03.2018 04:43 Print

Der Scharfmacher auf der Piazza

Er könnte der neue Ministerpräsident werden: Matteo Salvini ist einer der Gewinner der Parlamentswahl in Italien.

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Hat es geschafft, einer kleinen Partei aus dem reichen Norden landesweit Bedeutung zu verschaffen: Matteo Salvini. (Archivbild) (Bild: AFP/Marco Bertorello)

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Ein Pakt mit Berlusconi, 15'000 Kilometer und viele scharfe Sprüche: So hat Matteo Salvini es geschafft, einer kleinen Partei aus dem reichen Norden landesweit Bedeutung zu verschaffen. Er ist einer der Gewinner der Parlamentswahl in Italien.

Es ist erst ein paar Jahre her, da machte sich Matteo Salvini alle naselang Feinde im italienischen Süden. Der Mailänder schimpfte über den «Gestank» der Neapolitaner, sagte, die Mentalität der Süditaliener sei Lichtjahre von der der Norditaliener entfernt. Seit er mit seiner Partei Menschen im ganzen Land mobilisieren will, sind nicht mehr die Süditaliener, sondern die Migranten Ziel seiner verbalen Attacken.

Der 44-Jährige unterzog die Anfang der 90er Jahren gegründete Separatisten-Partei Lega Nord einem grundlegenden Wandel. Nachdem der zweifache Familienvater 2013 Parteichef geworden war, nutzte er die aufkommende Flüchtlingskrise für seine politischen Ziele und wurde das Gesicht einer landesweiten rechten Bewegung.

Vor der Parlamentswahl strich er das identitätsstiftende «Nord» endgültig aus dem Namen der Partei. Es ist auch Salvinis Verdienst, dass er die Partei von 4 Prozent (2013) Hochrechnungen zufolge auf mehr als 17 Prozent hievte.

Rastloser Wahlkampf

Statt wie sein Verbündeter im Wahlkampf, Silvio Berlusconi, durch TV-Shows zu ziehen, stand Salvini lieber in Daunenjacke auf den Plätzen – den Piazze – des Landes: Er war wohl einer der umtriebigsten Politiker in den vergangenen Wochen.

Nach eigener Aussage hielt er 3000 Kundgebungen ab und legte 15'000 Kilometer zurück. Und auch auf Facebook und Twitter verbreitete er seine spitzen Forderungen und radikalen Parolen: Sie reichen von «Invasion stoppen» bis zu «Niemals die Türkei in Europa».

Der Blick auf Salvinis politische Freunde verrät, welchen Kurs er sich für Italien wünscht: Er nennt Ungarns umstrittenen Ministerpräsidenten Viktor Orban sein Vorbild und freute sich als einer der ersten über den Wahlerfolg der AfD in Deutschland.

Migranten sind für ihn «Kriminelle», der Islam eine Gefahr. Roma-Angehörige wollte er «mit dem Bagger» aus deren Siedlungen vertreiben.

Salvini brach sein Geschichtsstudium ab und arbeitete als Journalist. Auf der politischen Bühne präsentiert er sich als einer, der durchgreift. Als katholischer Traditionalist, der auf die Bibel schwört, weil andere auf den Koran schwören. Als Bürgernaher, der die «Letzten in der Gesellschaft zu den Ersten» macht.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aram am 05.03.2018 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man merkt...

    Dass man in Italien langsam auch genug hat! Gut so.

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  • Typhoeus am 05.03.2018 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Salvini vertritt aber offenbar

    die Meinung vieler italienischer Stammtischrunden, während die Sozies vielen Bürgern gegenüber Augen, Ohren und Mund verschliessen und ihren anachronistischen Sozialtheorien treu bleiben.

  • Typhoeus am 05.03.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder, nur wer aktiv ist,

    gewinnt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Carlo Z. am 05.03.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung! Wichtig!

    Ich möchte es nochmal anmerken : Salvini ist die letzte Chance für Europa. Er steht ein für Kultur, Bildung und möchte wieder ein Europa der Dichter und Denker. 5 stelle hingegen hat sich ja schon wieder mit den Mächtigen (Soros) getroffen und Deals a la Trumpmanier abgeschlossen. Kein Vertrauen mehr solchen Leuten!

    • hgidl am 05.03.2018 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Carlo Z.

      Na ja, es scheint fast, dass Rechtspopulisten wieder salonfähig werden? Etwas Sinnvolles wird dabei aber kaum herauskommen!

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  • M.D.R am 05.03.2018 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Salvini

    Salvini wurde gewählt, weil die Leute meinen er würde alle Ausländer des Landes verweisen...Er weiss, dass er mit dem Thema, besonders jetzt, viele Stimmen gewinnen kann...Man hat aber vergessen, dass Salvini an Berlusconi gebunden ist. Mit Salvini als Premier wird es in 6 Monaten wieder neue Wahlen geben...das ist sowieso klar.

  • Ricky85 am 05.03.2018 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grund seines Erfolges..

    Der Grund seines Erfolges? Er spricht aus dem Munde und der Seele vieeeler Italiener, insbesondere diejenigen, welche in den letzten Jahren sehr schwierige Momente durchleben mussten. Viele Italiener fühlen sich in Italien nicht mehr verstanden, nicht mehr unterstützt, und vor allem nicht mehr zuhause! Wer sein Leben lang gearbeitet hat, sollte nicht hungern, sondern die restlichen Lebensjahre geniessen können! Deshalb sollte die Priorität wieder der ital. Bevölkerung, der ital. Industrie gewidmet werden. Das ist auch das Motto von Salvini. Ich hoffe er wird unser neuer Minister..

  • Borbone am 05.03.2018 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pakt mit dem Teufel

    Die Lega Nord musste eine Koalition machen um überhaupt soweit zu kommen! Die 5 Sterne Bewegung hingegen allein. Im Süden die 5 Sterne und im Norden die Lega Nord! Bin stolz auf die Süditaliener die endlich eine Veränderung möchten !

  • Till siter am 05.03.2018 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Linke liegt am Boden

    wo er recht hat, hat er recht, aber es ist wahrscheinlich nicht politisch korrekt......