Vergabe in Oslo

10. Dezember 2012 14:59; Akt: 10.12.2012 17:44 Print

Die EU erhält den Friedensnobelpreis

Der diesjährige Friedensnobelpreis ist in Oslo an die Europäische Union verliehen worden. Sie erhält den Preis für die Verbreitung von Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte in Europa.

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Die oft kritisierte Europäische Union erhält den vielbeachteten Friedensnobelpreis. (Video: Reuters) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Für sechs Jahrzehnte Aussöhnungspolitik hat die Europäische Union am Montag in Oslo den Friedensnobelpreis erhalten. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Europaparlamentspräsident Martin Schulz nahmen den Preis entgegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande erhoben sich zusammen von ihren Zuhörerplätzen in der ersten Reihe und grüssten gemeinsam in den Saal, als der norwegische Komiteechef Thorbjörn Jagland die deutsch-französische Aussöhnung heraushob.

Die EU habe entscheidend daran mitgewirkt, Europa von einem Kontinent des Krieges zu einem Kontinent des Friedens zu machen, sagte der Norweger in seiner Laudatio.

«Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass wir nicht verlieren, was wir auf den Ruinen von zwei Weltkriegen aufgebaut haben», sagte Jagland mit Blick auf 80 Millionen europäische Opfer von Krieg und Extremismus im vergangenen Jahrhundert.

«Frieden darf nicht als selbstverständlich angesehen werden. Wir müssen jeden Tag dafür kämpfen.» Europa müsse nach vorne schauen und das schützen, was bereits erreicht worden sei, sagte Jagland mit Blick auf die aktuelle Eurokrise.

Verbrüderung vorantreiben

Ratspräsident Van Rompuy sagte in seiner Dankesrede: «In einer Zeit der Unsicherheit erinnert dieser Tag die Menschen in Europa und in aller Welt an den fundamentalen Zweck der Europäischen Union: Die Verbrüderung der europäischen Nationen voranzutreiben, jetzt und in der Zukunft.»

Neben Norwegens König Harald V. sowie Merkel und Hollande gehörten knapp 20 weitere Staats- und Regierungschefs aus den 27 EU-Ländern zu den Teilnehmern der Zeremonie. Der Feier in Norwegens Hauptstadt ferngeblieben war der euroskeptische britische Premierminister David Cameron. Er liess sich von Vizepremier Nick Clegg vertreten.

Jagland lobte die EU in seiner Laudatio als entscheidenden Faktor bei der Aussöhnung zwischen den Völkern nach zwei Weltkriegen: «Es ist wahrlich fantastisch, was dieser Kontinent geschafft hat, als er sich von einem Kontinent des Krieges zu einem des Friedens wandelte.» Die EU verdiene den Friedensnobelpreis, weil sie in diesem Prozess eine herausragende Rolle gespielt habe.

Einstige Kriegsgegner

Die Europäische Union war 1958 von sechs Ländern, darunter den Kriegsgegnern Deutschland und Frankreich, zunächst als Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet worden. Inzwischen ist die Union auf 27 Mitgliedsstaaten gewachsen. Im Sommer 2013 soll Kroatien als 28. Land aufgenommen werden.

Der Friedensnobelpreis wird seit 1901 jährlich vom norwegischen Nobelkomitee in Oslo vergeben. Grundlage ist das Testament des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896).

Nach dem Willen des Industriellen und Dynamit-Erfinders soll ausgezeichnet werden, wer «am meisten oder am besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen».

Von 124 Friedensnobelpreisträgern seit 1901 waren 100 Personen und 24 Organisationen. Die Dotierung beträgt in diesem Jahr acht Millionen schwedische Kronen (1,1 Mio. Franken).

(dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • modeselektor am 11.12.2012 02:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    vor 3 jahren der amerikanische präsident, während sein land im krieg mit irak und afghanistan war, und jetzt die eu.. der friedensnobelpreis ist nicht mehr das was er mal war

  • Peter Schmid am 10.12.2012 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigendisqualifikation

    Mit diesem Akt hat sich die Nobelpreisorganisation selber disqualifiziert. Demokratie in der EU heisst machen was Frankreich und Deutschland wollen. Ich verleihe der Nobelpreisorganisation den Preis des Humorfestivals Arosa für ihre wohl humoristische gemeinte Aktion

  • Stefan am 10.12.2012 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    An alle, die dies wieder zum Anlass...

    für ein EU-Bashing nehmen, sei gesagt, dass wir - auch wir Schweizer - der EU mehrere Jahrzehnte an Friede und wirtschaftlicher Stabilität verdanken, auch wenn solche Zusammenhänge für manche wohl etwas schwieriger verständlich sein dürften. Allerdings gebührt der Verdienst weniger der aktuellen Politikergeneration als früheren Persönlichkeiten wie Kohl, Mitterand, Schmitt etc. Wer heute auf ein Auseinanderbrechen der EU hofft, beweist nur seine politische Kurzsichtigkeit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tim H. am 11.12.2012 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nervensäge

    Gut das die Schweiz nicht in der EU ist. Sie würde nur nerven.

  • modeselektor am 11.12.2012 02:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    vor 3 jahren der amerikanische präsident, während sein land im krieg mit irak und afghanistan war, und jetzt die eu.. der friedensnobelpreis ist nicht mehr das was er mal war

  • B Meier am 11.12.2012 00:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nobelpreis für...

    jede Menge tatenloses Gequatsche. Na wenns so weitergeht hat bald jeder Komiker so einen!

  • loe so am 10.12.2012 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Festung Europa

    Tausende sterben jährlich im Versuch über das Mittelmeer nach Europa zukommen! Zurückgejagt von Frontex Schiffen, ertrinken Tausende jährlich jämmelich. Dafür gibts dann den Friedensnobelpreis für die Festung Europa?

  • Presto Pronto am 10.12.2012 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Nobelpreis verkommt zu einem Witz

    Selten ist mir das Lachen so im Hals stecken geblieben! Z.B. Demokratie - die wird ja laufend eingeschränkt; die Eliten in Brüssel fühlen sich durch die Demokratie höchstens "eingeschränkt" und würden am Liebsten alles selbst bestimmen. Verbreitung von Frieden! Welchen denn? Seit es die EU gibt, gab es in keinem ihrer Staaten Krieg, den die EU verhindert oder beendet hat. Sie schaut lieber generös weg. Und vom gespendeten Geld wird wohl - nachdem ein EU-Kommitee für dessen Verteilung eingesetzt worden ist - nichts mehr übrig bleiben. Sicher gibt es aber noch ein paar Reisli und Nachtessen.