Spanier in der Krise

18. November 2012 17:09; Akt: 18.11.2012 17:09 Print

Die Suizidwelle geht weiter

Obwohl die spanische Regierung die Vollstreckung von Zwangsräumungen gestoppt hat, erschütterte ein neuer Selbstmord am Freitagmorgen die Öffentlichkeit.

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Spanien streikte am 14. November gegen die Sparpolitik von Ministerpräsident Mariano Rajoy.

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Das Opfer aus der südspanischen Stadt Córdoba hatte zwei Kerzen in seiner Wohnung brennen lassen. Nur wenige Augenblicke, bevor die Wohnung des 50 Jahre alten Mannes hätte amtlich zwangsgeräumt werden müssen, sprang er aus dem Fenster. Der Knall beim Aufprall auf dem Boden schreckte die Nachbarn auf, die sofort den Rettungsdienst alarmierten. Zu spät: Der Mann war tot.

Der neue Fall vom Freitagmorgen hat die Öffentlichkeit erschüttert. Denn nachdem in den letzten zwei Wochen zwei Menschen während der Zwangsräumung ihrer Wohnungen freiwillig aus dem Leben geschieden waren, ordnete die spanische Regierung vorerst einen Stopp an. Die Verordnung korrigierten die Behörden allerdings kurz danach und liessen nur Härtefälle gelten. Familien mit mehr als drei Kindern oder Kindern unter drei Jahren, Senioren, Behinderte sowie Alleinerziehende mit mindestens zwei Kindern können die Tilgung ihrer Kredite für zwei Jahre stunden lassen.

Spanier haben nur noch Ironie übrig

«Wir müssen verhindern, dass Familien als Konsequenz der Krise auf der Strasse stehen», sagte dazu Wirtschaftsminister Luis de Guindos. Das jüngste Opfer war jedoch nicht im Kreis der definierten Härtefälle. Auf sozialen Netzwerken verspotten die Spanier derzeit die strengen Bestimmungen der Regierung. «Was ist, wenn ich ein fünfjähriges Kind habe? Das darf auf der Strasse wohnen?», fragt eine Benutzerin in einem Forum. Andere haben nur noch Ironie übrig: «Rothaarige Männer, älter als 52, die in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni zur Welt kamen und die Sommersprossen nur auf der Nase haben und zudem genau 800 Meter vom Rathaus entfernt wohnen, werden nicht aus ihren Wohnungen vertrieben», meint User Alfonso P.

Kritiker und Mitglieder der «Indignados»-Bewegung fordern eine grundlegende Reform des Hypothekenrechts. In Spanien können säumige Kreditnehmer aus ihren Wohnungen entfernt werden, müssen aber trotzdem für die Restschuld aufkommen. Auch der «unmenschliche» Umgang der Banken mit den vertriebenen Opfern ist ein Kritikpunkt: Die Bank La Caixa hatte nur wenige Stunden, nachdem sich das erste Opfer, Amaia Egaña aus Barakaldo, aus dem Fenster geworfen hatte, die leere Wohnung auf ihrer Webseite zum Kauf angeboten.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Und hier zu lande kommen dann wieder so Kommentare wie selber schuld, geht doch arbeiten oder spart euer Geld. Genau so bei den Griechen. Die Logik der EU geht einfach nicht auf. Wie sollen Leute die von Staat nichts mehr bekommen sparen? Wie sollen Familien so noch überleben? Irgendwie traurig. Aber eben, auf verschulden der EU und den Regierungen derjenigen Länder werden genau diese Länder zugrunde gerichtet. Schuld daran soll dann der Bürger sein? Und wenn ja ist nicht die Regierung dafür da, um sowas zu verhindern oder zu erkennen? – Norma B.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli H. am 18.11.2012 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wortlos

    Einfach nur eine Sauerei!

  • Bgghb am 18.11.2012 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehe ich nicht ein!

    Ich sehe das alles nicht ein! Die Länder haben sich selber in die Krise geritten( Wer hat denn da beim Steuern zahlen getrickst) und nun wollen die Leute, dass es weiter geht wie davor

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  • GUGELHOPF am 18.11.2012 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    Finde es echt schade das es jetzt so weit kommen musste... wieso haben sie nicht gesparrt als es ihnen noch gut ging? hoffe das legt sich wieder....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Arbeitender Schweizer am 19.11.2012 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Warum wird über diese Selbstmorde eigentlich gross berichtet? Das ganze spielt sich doch in Spanien ab und geht uns gar nichts an. Diese Leute hätten es früher oder später doch gemacht, jetzt halt etwas früher. Die Spanier, Griechen und andere hochverschuldete Länder müssen endlich sparen lernen und das auf allen Stufen. Der Staat kann nicht mehr Geld ausgeben als er hat und die Bevölkerung muss mehr Arbeiten und das Bruttosozialprodukt steigern. Nur Jammern und Demonstrieren hilft hier nichts.

    • Toni am 19.11.2012 15:22 Report Diesen Beitrag melden

      Neue Weltordnung

      Iregend einmal wird das hier in der CH auch der Fall sein. Ist nur eine Frage der Zeit.

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  • verzwickte lage am 19.11.2012 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    versch. gründe

    sowas kommt meist immer schleichend weil an etlichen orten unabhängig von einander falsch gehandelt wird sei es in hohen politik/ wirtschaft oder im kleinen privaten bereich.....entsprechend ists auch schwierig dem schlamassel bei zu kommen

  • Anette am 19.11.2012 00:05 Report Diesen Beitrag melden

    Abgezockt und Ausgenommen

    Das Spanische Volk muss einmal mehr dran glauben. Es wurde von den Bankstern so richtig abgezockt und wird jetzt nach allen Regeln der Kunst noch so richtig ausgenommen. Doch die Spanier sind, so gemein das klingt, selbst Schuld! Sie haben die Regierung gewählt, die sie in diese Lage gebracht hat. Es bildet sich auch keine Gegenbewegung, die stark genug wäre, den Austritt aus dem Euro zu forden. Zur eigenen Währung zurückzukehren ist das Einzige, was den Spaniern jetzt noch helfen kann.

  • GUGELHOPF am 18.11.2012 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    Finde es echt schade das es jetzt so weit kommen musste... wieso haben sie nicht gesparrt als es ihnen noch gut ging? hoffe das legt sich wieder....

    • Erna am 19.11.2012 10:27 Report Diesen Beitrag melden

      Sparen?

      @Gugelhopf. Wie wollen Sie sparen, wenn Sie nichts verdienen? Ein Sparkurs der jeweils auf dem Rücken der Schwachen ausgetragen wird ist nur beschämend. Es macht klar, dass es so nicht weitergehen kann.

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  • E.B. am 18.11.2012 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das volk muss büssen für die fehler der politiler

    Ohne job kein geld, ohne geld keine zukunft. Dies führt traurigerweise zur verzweiflung bis hin zum selbstmord. Die regierung hat wohl kläglich versagt, denn die müssen gute rahmenbedingungen für die wirtschaft schaffen. Das volk büsst nun für die fehler der politiker welche weiterhin keine geldsorgen haben. Mir tum die leute sehr leid!

    • Dummi am 18.11.2012 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ja ja, die Politik

      Ja das müsste die Regierung! Bei uns macht die Regierung auch nicht was sie müsste, sondern was sie will, würd mich nicht wundern, wen wir in 10 Jahren am gleichen Punkt angelangt sind!

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