Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Aufgabe der KP
08. November 2012 22:17; Akt: 09.11.2012 10:43 Print
Die leere Hülle des Kommunismus füllen
von Patrick Lescot, AFP - Die Kommunistische Partei hat geschafft, was jede chinesische Führung versucht hat. Sie hat China den ihm zustehenden Platz in der Welt gegeben. Doch jetzt beginnen die Probleme erst.
Seit Mittwoch läuft der 18. Parteitag der Kommunistischen Partei.
Andere kommunistische Systeme sind längst bankrott. Doch Chinas Ein-Parteien-Staat existiert dank seiner Öffnung zum Kapitalismus weiter.
Bildstrecken China putzt sich für den 18. Nationalkongress heraus15 Jahre Hongkong unter Chinas Führung Infografik China auf ExpansionskursEinen Grossteil ihrer Legitimität bezieht die KP aus ihrem radikal wachstumsorientierten Wirtschaftskurs, der vielen Chinesen Wohlstand beschert, aber die kommunistische Staatsideologie Chinas aushöhlt. Zur Absicherung setzt die Staatsführung in Peking zunehmend auf nationalistische Töne.
Marxistisch-leninistische Rhetorik
Zwar huldigt die KP, auf deren 18. Parteitag Xi Jinping neuer Generalsekretär werden soll, offiziell marxistisch-leninistischer Rhetorik. Parteikader werden in maoistischem Gedankengut geschult - gleichzeitig studieren sie aber Management und die Hochfinanz-Welt.
Angesichts einer Öffentlichkeit, die sich immer deutlicher gegen Korruption stellt, und von Millionen Arbeitern, die sich nicht mehr alles gefallen lassen, brauchen Chinas kommunistische Herrscher eine neue Strategie: Teil davon ist ein vor allem antijapanischer Nationalismus, was die Nachbarn des Riesenreichs und die USA alarmiert.
«Auf den Sozialismus zu vertrauen, ist problematisch geworden, deshalb sucht die chinesische Obrigkeit nach anderen Wegen der Legitimation - Nationalismus ist da natürlich ein traumhafter Ersatz», sagt der französische China-Experte Jean-Philippe Béja.
Frühere Demütigungen überwunden
«Die KP kann sich damit brüsten, den Traum aller chinesischen Führungen seit dem 1839 begonnenen Ersten Opium-Krieg erfüllt zu haben - nämlich China den ihm zustehenden Platz in der Welt gegeben zu haben.» Um weiter darauf pochen zu können, müsse die Partei sich gegen Chinas Nachbarstaaten behaupten - «allen voran Japan».
Nach den beiden gegen Grossbritannien verlorenen Opiumkriegen wurde China gezwungen, seine Isolation aufzugeben. Zudem musste China Hongkong an Grossbritannien abgeben.
Als Demütigung empfanden die Chinesen auch die Niederlage im ersten japanisch-chinesischen Krieg (1894/95). Danach wurde Korea von China unabhängig; China musste zudem unter anderem Taiwan und die östliche Mandschurei den Japanern überlassen.
1931 eroberten die Japaner dann die ganze Mandschurei. Sie dehnten vor und während des Zweiten Weltkriegs ihre Eroberungen in Ostchina weiter aus. Erst nach dem Krieg gelang es den Chinesen, die Fremdherrschaft abzuschütteln.
Insel-Streit
Bis heute streitet China mit mehreren Nachbarstaaten um Inseln im ostchinesischen und im südchinesischen Meer. Im Streit mit Japan um fünf Inseln förderte Peking in diesem Jahr gar antijapanische Proteste.
Dabei kam es zu Ausschreitungen und zu Produktionseinbrüchen in Fabriken, die japanischen Konzernen gehören. Zuvor hatte die japanische Regierung mehrere der Inseln aus japanischem Privatbesitz herausgekauft.
Fremdenhass als Strategie?
Der frühere US-Botschafter in China, Winston Lord, warnte jüngst, Peking könnte Fremdenhass zur Strategie erheben, falls sich das System Xi bedroht fühlen sollte: Sollte China seine Wirtschaft und sein politisches System nicht reformieren, sei mit «echter Instabilität» zu rechnen - was «zu einer nationalistischeren und aggressiveren Aussenpolitik führen könnte».
Im Zusammenhang mit dem Streit mit den Nachbarn hatten chinesische Medien wiederholt Bilder der modernen chinesischen Flotte gezeigt. Diese verfügt neu auch über einen Flugzeugträger. Das Budget der Volksbefreiungsarmee wächst seit rund zehn Jahren jährlich im zweistelligen Millionenbereich. Es wird erwartet, dass China unter Xi am kostspieligen Modernisierungskurs festhalten wird.
Nationalismus ist ein zweischneidiges Schwert
China-Kenner Roderick MacFarquhar von der Harvard-Universität warnte, der Nationalismus könne für Peking zu einem «zweischneidigen Schwert» werden.
Die Führung müsse «umsichtig handeln, vor allem gegenüber Japan». Wer das «Feuer des Nationalismus» allzu stark anheize und dann nicht erfüllen könne, was die aufgestachelten Nationalisten sich ersehnten, riskiere, «dass sich ihr Zorn gegen die aktuelle Regierung richtet».
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 14 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt


















Die Geschichte Ostasiens betrachten
Die Geschichte des modernen Taiwans und Südkoreas lehren uns, dass nach einem Anstieg von Wohlstand Reformen im politischen System eine stärkere Gewichtung in der Bevölkerung bekommen. Die Volksrepublik hatte hier wegen der Kulturrevolution und der Grösse des Landes Nachholbedarf. Beide vorhergenannten Staaten waren bis in die 80er Jahre ebenfalls Diktaturen. Was die Reformschritte ebenfalls beschleunigte war auch der Druck der damaligen westlichen Verbündeten. Ich denke nicht, dass die Strategen der KPCh diese Erfahrungen nicht miteinberechnen.
Jawohl
Die KP ist schon "unterwandert" mit (kapitalistischen) Wirtschaftskapitänen, und seit den 80ern hat auch China enorme Fortschritte gemacht. Nur, ein zu schneller Wandel könnte zum Zusammenbruch des Vielvölkerstaates mit über 50 Minderheiten führen (s. Jugoslawien). Daher ist es besser, China geht das gemach an.
Diktatur
Wann hürt ihr mal China als kommunistisch zu bezeichnen. Es ist eine Diktatur und hat gar nichts mit dem Kommunismus gemeinsam. Aber wen ihr Medien immer noch von Kommunismus redet, deckt ihr die Diktatur
Richtig
China als kommunistisch zu bezeichnen ist falsch, das sind noch die Nachwehen der amerikansichen Anti-Kommunismuspropaganden der 70er Jahre. Sozialistische Ein-Parteien-Herrschaft wäre treffender.
Kommunisten sind das Problem.
Hat noch nirgends funktioniert. Die Herren Marx, Lenin und stalin hatten zwar schöne Theorien, aber die Umsetzung ist nicht möglich.
In China schon
Da die Chinesen nicht so dualistisch denken wie wir ist das durchaus möglich. Chinesen können gleichzeitig Buddhist, Taoist und Christen sein, deswegen funktionieren die Beziehungen zu Hongkong und Taiwan einigermassen friedlich, obwohl dort ganz andere Systeme herrschen. Wir im Westen oder die USA würden es wohl kaum zulassen, wäre ein Bundesstaat kommunistisch. Wir denken ausschliesslich, nicht integrativ, und können daher nur einem Gott oder System "dienen".