Ärger um Ali Baba

07. November 2017 06:55; Akt: 07.11.2017 06:55 Print

Dieser Berliner Spielplatz sorgt für rote Köpfe

In Berlin-Neukölln sollen Kinder künftig einen Kletterturm mit Halbmond besteigen. Kritiker sehen die Islamisierung auf dem Spielplatz angekommen.

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«Ali Baba und die 40 Räuber» – dieses orientalische Märchen aus «Tausendundeine Nacht» kennt fast jedes Kind. In Berlin hat ebenjene Märchenfigur jetzt eine Diskussion um die vermeintlich fortschreitende Islamisierung Deutschlands losgetreten. Stein des Anstosses ist ein neu gestalteter, noch nicht eröffneter Spielplatz im Stadtteil Neukölln, auf dem ein Kletterturm mit Halbmond auf der Kuppel, Kamele und ein orientalischer Marktverkäufer aus Holz errichtet worden sind.

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In sozialen Netzwerken, etwa auf der Facebook-Seite der rechtspopulistischen Pegida-Bewegung, regt sich Unmut gegen den Spielplatz, auf dem Kinder «unter Moschee und Halbmond» spielen müssten. Auch der Berliner CDU-Politiker Burkard Dregger äusserte Kritik: «Vermutlich hat sich dieses doch sehr fragwürdige Projekt irgendein Beamter ausgedacht, der meint, er hätte damit einen Beitrag zur Völkerverständigung erreicht», sagte der Sprecher für Integrationspolitik am Freitag der «Berliner Zeitung».

«Einfach mal ein Feuerchen machen»

Einige von der Zeitung befragte Eltern finden, dass «religiöse Symbole auf Spielplätzen nichts verloren haben, egal ob Kreuz oder Halbmond». Auf Facebook bricht sich der Hass unzensiert Bahn: «Einfach mal ein Feuerchen machen» oder «Wer das baut, macht sich am Untergang von Deutschland mitschuldig» gehören noch zu den harmloseren Kommentaren.

Die Initianten der Neugestaltung können die Aufregung um den Spielplatz indes nicht verstehen. In Berlin gibt es laut «Tagesspiegel» einige Motto-Spielplätze, etwa einen «Zirkus Aladin» oder auch einen Hexenspielplatz. In Neukölln hatte Güldane Yilmaz, die Leiterin der nahen Kindertagesstätte «Ali Baba und seine Räuber», die Idee zum speziellen Spielplatz. Sie habe dabei auch Vorschläge der ihr anvertrauten Kinder einbezogen, sagte Yilmaz der Zeitung. «Dass man um ein Symbol so viel Radau macht, finde ich unerklärlich», wird sie vom TV-Sender N24 zitiert.

Auch Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey von der SPD findet die Reaktionen übertrieben und nennt die Diskussion «absurd und an den Haaren herbeigezogen». Auf dem Spielplatz stehe zudem keine Spielmoschee, sondern eine orientalische Burg mit Basar, so die Politikerin gegenüber der «Berliner Zeitung». Wann Kinder den Spielplatz, der von einer Thüringer Firma errichtet wurde, unsicher machen werden, steht ohnehin noch in den Sternen. Eigentlich sollte er Ende Oktober fertig sein, vermutlich öffnet er aber erst Ende Jahr.

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