Völlig unterschiedliche Fotos

10. Juni 2018 16:11; Akt: 11.06.2018 10:51 Print

War es wirklich so wie auf diesem Bild?

Merkel dominant, Trump mit verschränkten Armen: Das Bild des G7-Gipfels sorgt in sozialen Medien für Spott. Es gibt aber noch andere Perspektiven.

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Dieses Bild dominiert die Wahrnehmung des G7-Gipfels in Kanada: Angela Merkel stützt sich dominant auf ein Tischchen, Donald Trump sieht aus, als würden ihm die Leviten gelesen. Veröffentlicht wurde es vom deutschen Regierungssprecher Steffen Seibert. (9. Juni 2018) Den Anfang machte aber ein Mitarbeiter Trumps: Auf dem Foto von Social-Media-Chef Dan Scavino argumentiert Trump engagiert, umringt von Staatschefs. Einige wie Japans Premier Shinzo Abe (hinten links) und Kanadas Premier Justin Trudeau (hinten rechts) scheinen amüsiert. Wieder eine andere Perspektive veröffentlichte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: Hier steht er im Mittelpunkt, während die anderen Staatschefs zuhören. Italiens neuer Premier Giuseppe Conte veröffentlichte ebenfalls ein Bild der gleichen Situation: Trump sitzt immer noch, während Conte (links) das Verhandlungspapier studiert. Kanada präsentierte als Gastgeber das versönlichste Bild der Gespräche: Justin Trudeau (rechts) diskutiert mit den G7-Chefs, alle befinden sich auf Augenhöhe. Auch sonst gibt es viele aussagekräftige Bilder des G7-Gipfels: Hier spazieren Trudeau mit Argentinas Präsident Mauricio Macri und ihren Ehefrauen Sophie Gregoire Trudeau and Juliana Awada durch den Wald in La Malbaie bei Quebec. Emmanuel Macron und Angela Merkel stellen ihre Verbundenheit zur Schau. Nach dem Gruppenfoto warten die Staatschefs darauf, die Bühne verlassen zu können. Japans Shinzo Abe (links) nutzt die Zeit für ein Schwätzchen mit Bangladeschs Premier Sheikh Hasina. Auf dem offiziellen G7-Gruppenfoto sind auch weitere Gastländer dabei – nur Donald Trump fehlt. Die beschauliche Altstadt von Quebec verwandelte sich in einen Schauplatz von Demonstrationen, das Polizeiaufgebot war entsprechend gross. Feuerwerk zum Abschluss: Trotz Misstönen feiert Kanada den G7-Gipfel.

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In den sozialen Netzwerken blieb vom G7-Gipfel vor allem eines zurück: Ein Foto aus Kanada, getwittert am Samstag vom Sprecher der deutschen Bundesregierung, Steffen Seibert. Es zeigt, wie die Staats- und Regierungschefs um einen Verhandlungstisch stehen. Im Mittelpunkt: Bundeskanzlerin Angela Merkel, dominant, beide Hände auf den Tisch gestützt, nach vorne gebeugt. Ihr Gegenüber, als einziger sitzend und die Arme verschränkt: US-Präsident Donald Trump. Er hört Merkel mit angespannter Miene zu.

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Die Aufnahme stammt von dem preisgekrönte Fotografen Jesco Denzel, der für die Bundesregierung arbeitet. In den sozialen Medien wurde das Bild zum Renner. Allerdings gibt es noch vier weitere Fotos von derselben Situation, kurz nacheinander veröffentlicht von vier weiteren Gipfelteilnehmern. Jedes Bild erzählt eine andere Geschichte.

Vier Fotos, vier Perspektiven

Den Anfang machte, noch vor Seibert, die US-Regierung. Deren Foto zeigt einen engagiert argumentierenden Trump, umringt von Mitarbeitern. Daraufhin veröffentlichte Paris seine Perspektive: Staatschef Emmanuel Macron steht im Zentrum und redet auf Trump ein. Die Bundeskanzlerin ist auf dieser Abbildung halb verdeckt. Auch die Italiener brachten ein Bild in Umlauf: Ministerpräsident Giuseppe Conte, der auf das Verhandlungspapier blickt.

Den versöhnlichsten Eindruck vermittelt das bislang letzte veröffentlichte Foto der Szene: Gastgeber Kanada hat es herausgegeben. Aufgenommen von der Seite, zeigt es Trump, der mit den anderen Gipfelteilnehmern auf Augenhöhe verhandelt.

In den sozialen Medien machten bald weitere Interpretationen von Merkels Pose die Runde:



Nicht nur auf Bildebene kämpfen die G7-Teilnehmer um die Deutungshoheit über den Gipfel: US-Präsident Trump hatte kurz nach Ende des G7-Gipfels im kanadischen La Malbaie am Samstag eine einvernehmlich von allen Teilnehmern verabschiedete Gipfelerklärung abrupt aufgekündigt. Er begründete seine Volte damit, dass Kanada weiter Gegenzölle auf die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium plant.

Gastgeber Trudeau hatte in seiner Abschluss-Pressekonferenz erklärt: «Kanadier sind höflich und vernünftig, aber wir lassen uns auch nicht herumschubsen.» Er bekräftigte, an den schon vor dem Gipfel angekündigten Gegenzöllen auf US-Produkte festzuhalten. Kanada werde zum 1. Juli Zölle im gleichen Volumen erheben wie jene, welche die USA «ungerechtfertigt auf uns angewendet haben».

«Messer in den Rücken»

Jetzt wirft die US-Regierung dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau Verrat vor. «Er hat uns das Messer in den Rücken gestossen», sagte der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, am Sonntag dem Fernsehsender CNN.

Kudlow begründete die Kehrtwende Trumps auch damit, dass dieser kurz vor seinem Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un den Eindruck der «Schwäche» habe vermeiden wollen.

(hvw/afp)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto Signorell am 10.06.2018 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir kommt es langsam hoch!

    Und solch ein Theater wird mit Steuergeldern finanziert!

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  • Realist am 10.06.2018 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles die Selben

    Merkel, Macron, Trudeau, Conte und wie sie alle heissen mögen sind doch alles die selben Tränen mit den gleichen Interessen, nämlich sich die eigenen Taschen zu füllen während der Durchschnittsbürger sich abtackert für seinen Hungerlohn und wenns hoch kommt 2 Wochen Ferien am Meer. Ist doch denen egal wie es dem Volk geht.

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  • Adi Mathiz am 10.06.2018 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Momentum Perspektive

    Das Foto auch noch falsch kommentieren ist umso übler: Man sieht deutlich das Macron die Aufmerksamkeit geniesst und nicht Merkel. Sie steht zwar optisch im Mittelpunkt aber Trump und die Herren im Hintergrund fokusieren Macron! Bitte! Innerhalb von 10sek entstehen unzählige Bilder, beim einen wird gelächelt, bei andern gesprochen oder zugehört. Die Mimik auf einem einzigen Foto darf man wohl nicht überinterpretieren. Trumps Gestik mit verschränkten Armen, könnte man hingegen schon entsprechend einordnen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sämi am 12.06.2018 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfluss

    Wie jetzt? Gestehen die Medien endlich ein dass man schriftlich und in Bildform die Leser jeden Tag zu beeinflussen versucht? Oder tut man weiter so als sei dies objektiver oder gar investigativer Journalismus?

  • Filiberto am 12.06.2018 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Machtdemonstration

    Einmal mehr demonstriert D.T. sein Gehabe: Ihr könnt mich alle mal!

    • Walter am 12.06.2018 15:34 Report Diesen Beitrag melden

      Filiberto

      In Italien sieht der Mensch es etwas anders, wir wollen nicht mehr machen was Deutschland sagt, haben Sie diese Stimmen nicht gehört

    • Filiberto am 12.06.2018 16:59 Report Diesen Beitrag melden

      meine Nonna hiess Filiberta

      @Walter ich höre die Stimme des Missverständnisses im Kommentar. Ich bin Schweizer und trage den Namen mit Würde. Es hat mit dem Thema nichts zu tun!

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  • Mary J. am 11.06.2018 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Er sitzt als einziger und verschränkt die Arme, ganz klare Körpersprache, ihm ist alles egal, nur seine Meinung zählt und Zusammenarbeit gibt es nicht... wirklich schade, da will die Weltgemeinschaft sich auf ein paar Nenner einigen (wenn auch kleine, aber immerhin) und das Land das eigentlich bankrott ist, Umweltsünder par excellence ist, Kriegstreiber und so weiter, will keinen Millimeter mitarbeiten. Ich finde man sollte die USA nun isolieren und ihnen zeigen dass Trumps Weg nur in den Abgrund führt!

    • s Mami am 11.06.2018 16:03 Report Diesen Beitrag melden

      Finde ich auch

      Wenn sich die USA isolieren will (siehe Strafzölle) dann soll sie doch. Die USA ist wie ein trötzelndes Kind und als Mutter kann ich sagen: am besten einfach machen lassen bis sie sich wieder beruhig haben. So lernen sie am besten, dass man so nicht erreicht.

    • Walter S. am 12.06.2018 15:37 Report Diesen Beitrag melden

      Mary J.

      Liebe Mary die EU erhebt schon seit Jahren Zölle auf diverse Produkte, und Mary hat sich nie geäußert, und Kriegstreiber er ist der erste US Presi der mit Nordkorea von Auge zu Auge spricht, leider Tatsache für Sie

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  • Romina am 11.06.2018 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur bei Cars

    ich will 25% gnstigeren US Car kaufen....also weg mit diesen 25% Zollzuschlag der EU und CH auf US Cars......

    • petra gmür am 11.06.2018 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Romina

      genau! und ich will US Rindfleisch billiger kaufen. Also weg mit der 65% Strafsteuer!

    • Steinwerfer am 11.06.2018 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Romina

      Der Einfuhrzoll für US-Cars in die CH bis max. 3.5t für den Privatgebrauch beträgt 7.7% MwSt. des Kaufpreises plus CHF 15.00 pro 100 kg. Bsp.: Corvette Z06 Neuwagen, Nettopreis USD 86714.00 = CHF 87581.14 (Kurs CHF/USD 1.01) = MwSt CHF 6743.00 plus CHF 300.00 (Gewicht), CH Zoll total CHF 7043.00 = 8.05% des US-Preises. Dazu kommen noch die Frachtkosten und die Zulassungskosten Wo bitte gibt das 25% Zoll für Sie?

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  • Andi am 11.06.2018 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Insinkt

    Ich find Trump gut. Er mischt den elitären Politikverein der EU kräftig auf. Bleibt nur zu hoffen, dass dabei etwas Positives herauskommt.