Beunruhigendes Video

19. Februar 2016 17:55; Akt: 20.02.2016 18:10 Print

Droht uns der IS mit Atomterror?

von Ann Guenter - Beunruhigung in Belgien – und ganz Europa: Bei einem wegen der Pariser-Attacken festgenommenen Terroristen hat die Polizei ein Video gefunden, das weitreichende Implikationen hat.

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Eine Kamera, in einem Gebüsch versteckt, filmte das Haus eines Direktors des belgischen Nuklearprogrammes während einiger Tage. Die belgische Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sie die Aufnahmen seit dem 30. November besitzt.

Aus Ermittlerkreisen heisst es, der mutmassliche Terrorist Mohammed Bakkali, einer von insgesamt acht im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen verhafteten mutmasslichen Terroristen, habe wohl vorgehabt, den Mann zu entführen, sich durch ihn Zugang zum Atomforschungszentrum Mol zu verschaffen und ihn zur Herausgabe von radioaktivem Material zu zwingen.

Terrorplanung in «einem unserer vier nuklearen Standorte»

Ein Sprecher der belgischen Atombehörde bestätigte, dass in Mol Material lagere, das sich zur Verwendung einer «Dirty Bomb» eignen würde. Als «schmutzige Bombe» bezeichnet man eine Menge an nuklearem Material, das durch konventionellen Sprengstoff über ein bestimmtes Gebiet verstreut wird.

Mit dem Video haben «die Behörden konkrete Hinweise darauf, dass die in Paris involvierten Terroristen etwas planten, das einen unserer vier nuklearen Standorte involvierte», so der Sprecher weiter. Sollten Terroristen einen Weg finden, wie sie radioaktives Material grossflächig verbreiten könnten, würde das «grossen Schaden» anrichten. Dabei meint der Sprecher weniger die physischen Schäden, die eine detonierende «Dirty Bomb» verursachen könnte – die nukleare Gefahr wäre verheerender als die Sprengkraft. Eine solche Bombe würde allerdings Panik und Angst in der Bevölkerung verbreiten. Dazu wären die Kosten der Dekontaminierung einer grossen Fläche, etwa eines Stadtzentrums, immens.

November 2015: Gestohlenes Iridium-192

Für die Herstellung einer schmutzigen Bombe braucht es etwa das hochradioaktive Isotop Iridium-192 – und eben solches wurde jetzt im Irak gestohlen. Das bestätigen die dortige Regierung sowie die Internationale Atomenergiebehörde IAEA. Dazu kam es am 3. November in der Nähe von Basra, im Süden Iraks. Das Iridium-192 war aus einem Bunker entwendet worden. Dabei handelt es sich um radioaktive Kapseln, die in einem Behälter von der Grösse eines Laptops aufbewahrt wurden.

Auf dem Areal ist auch die Schweizer SGS tätig, eine Warenprüfungsgesellschaft mit Sitz in Genf. Diese bestätigt auf Anfrage, dass radioaktives Material gestohlen wurde. Für die Sicherung des Areals sei sie indes nicht verantwortlich. Tatsächlich sind auf dem Areal mehrere irakische Sicherheitsfirmen zuständig. Dass es keine Einbruchsspuren gibt, weist auf Insider hin – und lässt Experten vermuten, dass das Material in die Hände des IS gefallen sein könnte.

Juli 2014: 40 Kilogramm einer Uranverbindung

Im Gegensatz zur al-Qaida hat der IS nicht nur ausländische Kämpfer aus aller Welt um sich geschart, er kann auch auf Spezialisten zurückgreifen, die sich bei der Herstellung und im Umgang mit chemischen, biologischen und nuklearen Waffen auskennen: Chemiker, Physiker, Techniker – wobei nicht wenige von ihnen unter Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen-Programm tätig waren. Das Wissen ist da, und dem IS gelingt es, sich Zugriff zu den nötigen Substanzen für tödliche Giftwaffen zu beschaffen.

Bereits im Juli 2014 informierte die IAEA, dass eine mit dem IS verbundene Gruppierung 40 Kilogramm einer Uranverbindung aus der Universität von Mossul im Norden des Irak entwendet habe. Die IAEA stufte das Material als «spaltbares Material niedriger Qualität» («low grade nuclear material») ein. Im selben Jahr überrannte der IS das al-Muthanna-Gelände, auf dem das irakische Chemiewaffen-Programm in den 80er-Jahren seinen Anfang genommen hatte. Hier bunkerte der Irak 2000 mit Senfgas kontaminierte Artilleriegranaten sowie weitere Container mit Nervengasen. Der irakischen Armee gelang es zwar wenige Monate später, das Areal zurückzuerobern – ohne dass sich feststellen liess, ob und in welchem Umfang Material entwendet wurde.

«Es ist nur eine Frage der Zeit»

Ein Trost, wenn auch ein schwacher: Experten gehen davon aus, dass das Material aufgrund seines Alters nur noch begrenzt giftig ist. Wenn überhaupt, dann könnte es zur Panikmache und weniger für schwere Chemiewaffen-Attacken eingesetzt werden.

Wie akut ist also die Gefahr von Atomterrorismus? Die Antwort des ehemaligen Direktors der IAEA, Mohammed al-Baradei: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch terroristische Gruppen Zugang zu nuklearen Waffen erlangen.» Dass es bisher noch zu keiner Katastrophe mit solchen Waffen gekommen sei, «verdanken wir genauso purem Glück wie den gezielten Bemühungen, dies zu verhindern».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Victor Ofner am 19.02.2016 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    IS zerschlagen, je schneller je besser

    Umso wichtiger wäre es, dass sich alle gegen den IS verbünden und diese so schnell wie möglich zerschlagen. Aber nein, die USA, Russland und viele mehr, sind sich uneinig über das Vorgehen und verlieren damit viel Zeit. Tragisch.

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  • Reality am 19.02.2016 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Umso länger es uns Menschen gibt, umso weniger können wir miteinander leben. Wir sind alle gleich und doch vernichten wir uns gegenseitig mit einer Brutalität wie Bestien. Warum können wir uns nicht alle an diesem einen Leben, das wir haben, erfreuen, uns nicht mehr massakrieren und zerstören.

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  • Panikküche am 19.02.2016 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Angstmacherei...?

    Material, das sich für die Verwendung einer angeblich sogenannten"Dirty Bomb" eignen würde, gibt es wahrscheinlich nicht nur in Belgien (...).

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kommandant am 20.02.2016 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird sehr viel Leid geben...

    ...wenn wir die IS nicht minutiös stoppen und eliminieren an allen Fronten. Das bedingt die weitgehende geschlossene Beteiligung aller Länder. Ich spreche von Häuserkampf und der Eroberung der Gebiete Quadratmeter um Quadratmeter. Das hätte längst geschehen sollen. Ich fürchte wir sind dafür bereits zu spät. Das jahrelange politische Gerede hat uns nur Nachteile gebracht. Übrigens wird sich der IS über die geplante Verschärfung der Waffengesetze der EU sehr freuen! Die IS wird sich bestimmt daran halten während die EU ihre Bürger entwaffnet.

    • Bote am 20.02.2016 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gut erkannt

      Somit sollte auch klar sein warum die Entwaffnung geschieht, sicher nicht gu Terrornekämpfung.

    • Chnubali am 21.02.2016 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kommandant

      Seit wann kann man Gewalt mit Gewalt lösen? Noch nie ist Frieden mit Gewalt zustande gekommen! Gewalt schürt neue Gewalt... das ist eine Endlos-Spirale. Terrorismis ist ein Kind der Gewalt... solange wir bombardieren, ermorden, brandstiften, vergewaltigen, hinrichten... kommt es wieder retour... das weiss man schon länger.

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  • Heinz am 20.02.2016 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer setzt den diese waffen ein

    Ach und wer hat den die waffen überhaupt in den nahen osten geliefert? Und wer hat den bisjetzt als einziges land atombomben gegen die bevölkerung eingesetzt. Und was war dann im vietnam? Von den amis wissen wir dass sies einsetzten. Von saddam und assad wirds nur behauptet. Und es wäre ja auch nicht die erste false flag operation der amis.

  • smile69 am 20.02.2016 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach traurig

    Wenn ich all das lese mache ich mir nur Sorgen um unsere Kinder und was ihnen die Zukunft bringt....

    • Chnubali am 21.02.2016 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @smile69

      Wenn Sie sich Sorgen machen.. muss man gegen Kriege sein. ENSCHIEDEN! ab auf die Strasse

    • smile69 am 22.02.2016 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chnubali

      Eine Demo nützt imfall grad rein gar nichts ausser das man in den Medien kommt. Haben Sie das Gefühl das würde den IS interessieren ?

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  • Bob Bilbo am 20.02.2016 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Klarer fall

    noch schnell zu gedächtniss erfrischung: die IS besteht aus söldner (technisch gesehen), dieser zusammen gewürfelten haufen soll sowohl über die expertise sowie die benötigten technische anlage und finesse verfügen atomarenwaffen herstellen zu können? apropo die bilder zeigen die folge eine senfgasattacke ...,lässt euch durch die Nato/us propaganda nicht verwirren...

    • Kommandant am 20.02.2016 12:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Bob Bilbo

      Das grösste Problem, dass wir die IS als Terroristen und Söldner ansehen. Mittlerweile ist es ein funktionierender Staat geworden. Propaganda hin oder her. Einen Feind zu unterschätzen ist einer der grössten Fehler den wir machen können.

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  • Michi W. am 20.02.2016 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herzland

    Wir sollten mal anstatt im nahen osten bombadiere. Uns gegen amerika wenden und das herzland zusammenschliessen und die seidenstrasse wieder eröffnen. Dann wäre der ami erledigt und das weiss er deshalb treibt er den keil in europa und im nahen osten. Wird zeit dass wir das endlich kapieren.

    • Stefan Gubler am 20.02.2016 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Michi W.

      Das wäre ein traum, aber leider hat sich der westen zu fest prostituieren lassen von den usa. Das wird leider höchstens nach dem 3. weltkrieg passieren

    • Integrationswilliger am 20.02.2016 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ich muss noch viel lernen, Michi

      Was bitteschön ist "Herzland" und ist nicht die Seidenstraße gekappt worden, bevor man überhaupt vom amerikanischen Kontinent wusste? Und kann man tatsächlich durch deine Vorschläge die Terroristen wirksam bekämpfen?

    • Chnubali am 20.02.2016 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Integrationswilliger

      Nein, aber mit Bomben kann man es definitiv auch nicht. Raus aus dem nahen Osten... da hat der Westen nix zu suchen.

    • Integrationswilliger am 20.02.2016 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Aha, Chnubali, ja dann ...

      ... dann wäre auch das Flüchtlingsproblem mit einem Schlag gelöst. Hm, warum kann ich mich mit solch einfachen Lösungen nicht anfreunden?

    • Diego F. am 20.02.2016 12:19 Report Diesen Beitrag melden

      Bisschen FAlsch!

      Es gibt zwei militärische Doktrinen, die Herzlanddoktrin (um 1900) und die Rimlanddoktrin (Randland um 1960). Das Herzland entspricht dem Heutigen Nahen Osten, über die Rohstoffreichen Länder am Schwarzen Meer, ganz Russland bis Sibirien. Weit über die Hälfte aller industriellen Rohstoffe liegen auf dieser Landfläche. Die Doktrin sagt beherrsche diese Landmasse und du beherrscht die Welt. (Rohstoffflüsse) Die Rinlanddoktrin sagt, du musst nicht das Herzland beherrschen sondern das Land ums Herzland, das Randland um die Vorherrschaft zu haben. Also das Land um Russland herum. Das ist los!

    • Chnubali am 21.02.2016 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Integrationswilliger

      nein, aber man generiert nicht noch mehr... wir haben da unten nichts zu suchen. Oder vieviele Beispiele brauchen Sie noch? Afghanistan, Irak, Jemen, Lybien, Syrien. Hallo?

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