Ebay für Kriegsmaterial

16. November 2012 09:27; Akt: 16.11.2012 15:10 Print

EU verhökert Kampfjets in Internetbörse

Weshalb den überteuerten Gripen bei Schweden kaufen, wenn die billige Lösung doch so nahe liegt, Herr Bundesrat Maurer? Im Internet könnten Sie bald echte Kampfjet-Schnäppchen ersteigern.

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Am 5. März 2013 entscheidet der Ständerat, den Gripen zwar kaufen zu wollen, aber die Ausgabenbremse zum Verpflichtungskredit von 3,126 Milliarden Franken nicht zu lösen. Dem eigentlichen Kauf der Kampfflugzeuge stimmte der Rat mit 22 zu 20 Stimmen bei einer Enthaltung zu. Ein äusserst knapper Entscheid also. Ständeratspräsident Filippo Lombardi hatte aber mit einem Augenzwinkern am Montag, 4. März, dafür gesorgt, dass man sich im Rat nicht verzählt - mit einem Zählrahmen. Mitte Januar 2013 gaben die Schweden bekannt, dass sie für 12,5 Milliarden Franken 60 ihrer Gripen kaufen wollen. Für die Schweiz ist es wichtig, dass das Herstellerland ebenfalls eine grosse Flotte des Kampfjets unterhält. Im November 2012 betonte Ueli Maurer, dass das Volk die höchste Hürde für den Kauf der Jets darstellen werde – vor allem aus wirtschaftlichen Gründen: «Wir werden in einer Zeit über die Beschaffung abstimmen müssen, in der die wirtschaftliche Dynamik abgeflacht ist.» Der Staat Schweden garantiert in einem Rahmenabkommen mit der Schweiz, die 22 Gripen-Kampfjets für maximal 3,126 Milliarden Franken zu liefern, wie Verteidigungsminister Ueli Maurer am 28. August 2012 vor den Medien in Thun sagt. Sämtliche Entwicklungskosten seien inbegriffen. Der Kauf des Gripen berge Risiken, gegen die sich der Bund nun absichern müsse: Am 21. August 2012 präsentiert die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats ihren Bericht zur Kampfjet-Evaluation. Präsidentin Chantal Galladé (SP) und Thomas Hurter (SVP). Piloten der Schweizer Luftwaffe konnten vom 2. bis 4. Mai 2012 erstmals den Gripen D in Schweden fliegen. Im Bild ein Testpilot im Simulator der Weiterentwicklung Gripen F in Linkoeping. Um Synergien mit einer Bestellung der schwedischen Luftwaffe zu nutzen, verschiebt der Bundesrat am 25. April 2012 den Kauf um zwei Jahre und stellt ein neues Konzept zur Finanzierung vor. Verteidigungsminister Ueli Maurer vor den Medien in Bern. Um gegen Indiskretionen anzukämpfen, trat am 14. Februar 2012 die gesamte Armeespitze vor die Medien. Zwei Tage zuvor waren Teile eines Evaluationsberichts publik gemacht worden, in denen der Gripen im technischen Vergleich schlecht abschnitt. Seit dem Entscheid des Bundesrats, den Gripen zu kaufen, wurde dieser durch Indiskretionen attackiert. Der französische Hersteller Dassault reichte gar eine inoffizielle Offerte nach. Im Bild dessen Jet Rafale bei der Evaluation auf dem Armeeflugplatz in Emmen am 17. Oktober 2008. Der zweite erfolglose Konkurrent war der Eurofighter des europäischen Flugzeugherstellers EADS, im Bild am 14. November 2008 in Emmen. Der Bundesrat hatte sich am 30. November für den Kauf des Gripen entschieden. Ein wichtiger Grund war der vergleichsweise niedrige Preis des schwedischen Kampfjets. Bundesrat Ueli Maurer kommuniziert den Entscheid in Bern. Der Bundesrat will den Gripen E kaufen, die Weiterentwicklung des aktuell im Einsatz stehenden Gripen C/D. Vom Jet der neuen Generation existiert erst ein Demonstrationsmodell. Im Bild ein Gripen der alten Generation bei der Evaluation auf dem Flugplatz Emmen am 12. August 2008. Der Gripen soll den Kampfjet F-5 Tiger ablösen, der zwischen 1978 und 1984 ausgeliefert wurde. Im Bild betritt der damalige SVP-Bundesrat Rudolf Gnägi am 9. Dezember 1975 den Ständeratssaal vor der Beschaffungsdebatte. Die Schweizer Luftwaffe hat noch 54 Kampfjets vom Typ F-5 Tiger im Einsatz. In zwei Tranchen waren insgesamt 110 Maschinen beschafft worden. Ein Teil wurde später verkauft, neun Flugzeuge gingen durch Abstürze verloren. Inzwischen besteht auch die Möglichkeit, dass der Gripen dereinst auch den neueren Jet der Schweizer Luftwaffe, den F/A-18, ablösen könnte. Zu den Aufgaben der Schweizer Luftwaffe gehört der Luftpolizeidienst wie beispielsweise während des Weltwirtschaftsforums WEF in Davos. Im Bild zwei F/A-18 in Sion in einer undatierten Aufnahme. Im Zusammenhang mit dem Jugoslawienkriegen in den 1990er-Jahren erlaubte die Schweiz Nato-Flugzeugen den Überflug. Im Bild eine C-17 Globemaster am 28. Dezember 1995 auf dem Weg nach Bosnien in Begleitung eines F-5E Tiger.

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Eine Börse für verarmte Länder: Die EU will klammen Mitgliedsländern mit schrumpfenden Verteidigungsbudgets entgegenkommen und eine Internetseite für den Verkauf von nicht mehr benötigten Militärgütern einrichten.

Auf dem auf dem eBay-Prinzip basierenden Online-Marktplatz könnten in Kürze – man spricht von wenigen Monaten – Panzer oder Kampfjets getauscht oder verkauft werden, sagte ein Vertreter am Donnerstag zu Journalisten in Brüssel. Bis zu 200'000 Fahrzeuge und Kriegsmaterial-Container sollen so in den nächsten Jahren verkauft werden.

«Wir erwarten, dass es einiges an überschüssigem Material aus Afghanistan geben wird, das auf der Seite eQuip verkauft werden könnte.» Die Nato will den Kampfeinsatz am Hindukusch bis Ende 2014 beenden.

(kub/sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sky Captain am 16.11.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Informiert mal über Luftpolizeidienst

    Ich sehe es gibt viel unwissen und falsche vorstellungen bei den nicht Militäraviatik interessierten bevölkerung (stichworte: mit Heli/ Propfliegern Luftpolizei auf airliner, etc) Wie währe es wenn 20Min mal über die Tägliche arbeit der Luftwaffe berichtet, mal den Lesern aufzeigt was Luftraumsicherung & Luftpolizeidienst bedeutet und für was unsere Jets eingesetzt werden, so könnten sich die Leser besser eine Meinung bilden.

    • Märlistunde am 17.11.2012 00:36 Report Diesen Beitrag melden

      Luftpolizei: Luftnummer mit Bürozeiten!

      Das Märli der "Luftpolizei" ist einfach nur köstlich! Die aktuell im Dienst befindlichen Kampfjets fliegen von Montags bis Freitags von ca. 07.00 Uhr bis maximal 17.00 Uhr. Unsere "LUFTPOLIZEI" ist damit am Wochenende und an Feiertagen ebenso ausser Dienst wie in der der Zeit von 17.00 Uhr bis 07.00 Uhr. Wirklich amüsant ist, dass diese nicht existierende "Luftpolizei" nicht nur eine Luftnummer ist, sondern immer wieder und immer weiter verbreitet wird.

    • Xenia am 17.11.2012 18:01 Report Diesen Beitrag melden

      Besserwisser

      @Märlistund Hast du mal Nachts um 10-11 Uhr einen Militärjet über die Ostschweiz fliegen hören?Nein ? Ich schon , also lass nicht so einen Stuss heraus , von dem du überhaupt keine Ahnung hast.

    • Martin am 17.11.2012 19:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Sky Captain

      Guter Vorschlag. Aber wen es wirklich interessiert, der kann ja mal auf youtube nachschauen. Ich habe da so einen Werbefilm der CH-Armee gesehen, wo sie das demonstrieren, was diese Luftpolizei genau macht. Sehr gut gemachter Film übrigens.

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  • J.H. am 16.11.2012 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nur?

    Mir ist klar das unsere Zukunft nicht rosig aussieht. Dies hat ja auch der Armee Chef selber gesagt, dass es zu grossen länderübergreiffenden Probleme kommen kann. Aber warum Kampfjets und warum solche der gleichen Generation wie der F/A-18? Ich finde momentan sind wir eh arm genug dran, daher sollte man unser Geld lieber für etwas sinnvolleres ausgeben. Wenn neue Jets, dann richtige. Sonst keine. Ich habe bereits als Kind die Grippen gesehen, fast gleichzeitig wie die F/A-18. Ich habe das gefühl, dass hier irgend ein Deal gedreht wird, warum sollten die sonst so an diesem Modell festhalten.

    • Luftpolizist am 17.11.2012 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      Gripen ist brandneu

      Den Gripen gibt es seit ca. 15 Jahren, ähnlich wie die F/A-18, das ist korrekt. Fakt ist jedoch, dass die Schweiz die neuste Generation des Gripens (Version E) kaufen wird, welche momentan noch in der Endentwicklungsphase steckt. Diese Jets werden brandneu von "Band" geliefert und mit den modernsten Systemen ausgestattet sein.

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  • nüchtern am 16.11.2012 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ha ha

    soweit kommt es noch, dass wir den Schrott zusammenkaufen.

    • petr am 16.11.2012 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      hauptsache wir stehen dumm da!

      sehe ich auch so! lieber einen neuen mit Garantie kaufen, als alten Schrott! noch besser ist die Lösung ohne Flieger! Aber jetzt wo Hochkonjunktur herrscht und wir bestimmt überflüssig viel Geld besitzen würde ich die Grippen, und den Eurofighter kaufen!

    • r.buhl am 17.11.2012 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      Naja stehen dumm da

      Nüchtern betrachtet, petrova, vergiss einfach mal das nüchterne Geld ich kann es schon nicht mehr hören, wie Ueli Maurer das Geld zusammenkratzen muss. Dafür die Unternehmer-Reform II einführen, wo jedes Jahr ganz dumm etwa 4 Mio verteilt wird, also. nee.

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  • Ruedi K am 16.11.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetze?

    - Was sagt denn das WTO-Abkommen dazu? - Wie ist es mit den Kriegsmaterialgesetzen? ... und alles was in der Schweiz die Prozesse unendlich verlansamen und verteueren gelten in der EU nicht? Mit den Kosten, welche wir hierbei einsparen wären die EU-Beitrittskosten bezahlt.

  • Silvia F. am 16.11.2012 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ihm geht's doch

    nur um das unvergessliche Erlebnis, Milliarden unsinnig auszugeben. Ich könnte ihm mit einem Modell für den Schreibtisch helfen...

    • Pauli am 16.11.2012 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      Ihm nicht

      Das braucht er nicht. Er hat gesehen wie die Linken das Geld unsinnig ausgeben. (Schauen Sie mal was in unserem Sozialstaat abgeht und wer bezahlt)!!!!!!

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