Angst vor Auslieferung

11. Januar 2018 18:37; Akt: 11.01.2018 20:44 Print

Ecuador bürgert Wikileaks-Gründer Assange ein

Julian Assange lebt seit 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London, weil ihm in den USA ein Prozess droht – und möglicherweise die Todesstrafe.

Ecuador bürgert Assange ein. Video: Tamedia/AFP
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Ecuador hat den seit 2012 in seiner Londoner Botschaft lebenden Wikileaks-Gründer Julian Assange eingebürgert. Einen Antrag Ecuadors auf einen Diplomatenstatus für den 46-Jährigen lehnte Grossbritannien anschliessend jedoch ab, wie die Aussenministerien beider Länder am Donnerstag mitteilten. Mit einem Diplomatenstatus hätte Assange beim Verlassen der Botschaft einer Festnahme entgehen können.

Ecuador bürgert Wikileaks-Gründer Assange ein

Ecuadors Aussenministerin María Fernanda Espinosa sagte am Donnerstag in Quito, dem Australier sei bereits am 12. Dezember die Staatsbürgerschaft ihres Landes zuerkannt worden. Anschliessend habe Ecuador Grossbritannien darum ersucht, Assange als ecuadorianischen Diplomaten anzuerkennen. «Dieser Antrag wurde am 21. Dezember abgelehnt», sagte Espinosa.

Kurz zuvor hatte bereits das britische Aussenministerium mitgeteilt, einen Antrag Ecuadors auf einen Diplomatenstatus für den Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks abgelehnt zu haben. «Grossbritannien hat diesem Antrag weder stattgegeben, noch führen wir mit Ecuador Gespräche zu diesem Thema», hiess es. Ecuador wisse, dass die Lösung des Falls darin bestehe, dass Assange die Botschaft verlasse und sich der Justiz stelle.

Die ecuadorianische Regierung hatte mitgeteilt, sie strebe ein Vermittlungsverfahren an, um das Asyl zu beenden. Aussenministerin Espinosa betonte in Quito, man stehe in «ständigem Kontakt» mit der britischen Regierung. «Wir haben ein enormes Interesse, eine endgültige Lösung für den Fall Assange zu erreichen», sagte Espinosa.

Furcht vor Auslieferung an die USA

Der Wikileaks-Gründer Assange fürchtet, bei einer Festnahme in Grossbritannien an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm ein Prozess wegen Geheimnisverrats und möglicherweise die Todesstrafe droht. Assange war 2012 in die Botschaft Ecuadors geflohen, um einer drohenden Auslieferung an Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen. Er hatte Angst, von Schweden aus an die USA überstellt zu werden.

Die Stockholmer Staatsanwaltschaft stellte zwar im Mai 2017 ihre Ermittlungen gegen Assange ein; damit wurde auch der europäische Haftbefehl gegen ihn hinfällig.

Festnahme in London droht

Die britische Polizei erklärte jedoch, Assange beim Verlassen der Botschaft auch weiterhin festnehmen zu wollen, weil er gegen Kautionsauflagen verstossen habe. Assange hatte sich ursprünglich 2010 der britischen Polizei in London gestellt, war später aber unter Auflagen entlassen worden.

Assange hat das Strafverfahren gegen ihn in Schweden stets als politisch motiviert bezeichnet. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte in den vergangenen Jahren hunderttausende geheime Dokumente veröffentlicht, unter anderem über das Vorgehen der US-Streitkräfte während der Kriege im Irak und in Afghanistan. Assange zog damit den Zorn der US-Regierung und der Nato auf sich.

(sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Archon am 11.01.2018 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Freude herrscht..!!

    Hoffentlich kann er jetzt nach Ecuador ausreisen und von dort seine wertvolle Arbeit weiter leisten. Bin ja kein Verschwöri, aber leider ist es dem einfachen Bürger, Vetterliwirtschaft und dem Politfilz sei dank, nicht mehr möglich seiner Regierung auf die Finger zu schauen. Und ist dies nicht der eigentliche Sinn und Zweck der Demokratie?

  • AnonOmega am 11.01.2018 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anonymous

    Assange Bester Mann! Weiter so! Lass dich nicht unter kriegen! We are 99%

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  • Pämi am 11.01.2018 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nur nicht aufgeben

    Fünf Jahre hat er in Equador gelebt. Jetzt ist er Staatsbürger. Morgen ist er Minister für Netzwerkkabel und geniesst dpiplomatische Immunität. Gute Heimreise.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ephraim Lercher am 13.01.2018 04:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hervorragend

    Hervorragend.

  • Monika am 12.01.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HELDEN

    ich verbeuge mich vor Assange und Snowdon, dass sind die Helden unserer Zeit. es tut mir unendlich leid, dass Ihr kein normales ziviles Leben geniessen könnt, dadurch, dass ihr die Wahrheit mitteilten.

  • Nico N am 12.01.2018 02:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pff

    Bester Mann überhaupt. Das UK ihn festnehmen will ist klar aber eigentlich sollten wir alle ihm dankbar sein

  • Tinu am 12.01.2018 01:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mochte ihn schon damals nicht.

    Ich ging mit einem 'Assange' in die Schule. Hat schon damals immer alles dem Lehrer erzählt... Leider musste ich ihn regelmässig verprügeln. Traurig...

    • Hug. am 12.01.2018 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ Tinu, heldenhaft!!!

      Ja, so löst man offenbar heute Probleme! Der Starke (der es genau weiss) schlägt den schwachen.

    • Tinu am 13.01.2018 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hug.

      Und der schwache geht petzen...

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  • Chris am 11.01.2018 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Was für 'ne Welt...

    Ecuador. Also wirklich. Da gibt es ein paar Länder, vornehmlich im Westen, die sich in Grund und Boden schämen sollten. Dabei will ich nichts gegen Ecuador gesagt haben.

    • Jugni am 11.01.2018 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Ganz meinerseits.Danke vielmals Ecuador das du ihm aus der patsche hilfst.Amerika soll sich besser schämen sowie die Arabische Ländern auch.Die haben genügend Geld.

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