Nordkoreas Cheerleader

07. Februar 2018 19:53; Akt: 08.02.2018 11:54 Print

Ein falsches Wort und ihnen droht das Lager

Die Delegation aus Nordkorea ist in Südkorea angekommen. Für die 230 Cheerleader darunter ist der Olympia-Trip eine «Reise ins Feindesland».

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230 nordkoreanische Cheerleader sind unter der Leitung des Sportministers zu den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang über die militärische Demarkationslinie im Westteil der Grenze eingereist. Ankunft in der demilitarisierten Zone: Die «Armee der Schönheiten», wie die Truppe auch genannt wird, besteht nur aus Frauen, die strengen Auswahlkriterien entsprochen haben. Entscheidend sind Regimetreue, Attraktivität und Alter. Strenge Background-Checks stellen sicher, dass sich in ihren Familien auf Jahrzehnte hinaus keine Überläufer oder sonstige «Landesverräter» finden. Ein Konvoi bringt die Nordkoreanerinnen nach Pyeongchang. Die 230 Cheerleader haben eine Aufgabe zu erfüllen, die weit über das Sportliche hinausgeht: Neben ihren makellosen Performances haben sie ... ... die Welt, allen voran die Südkoreaner, zu beeindrucken. Sie vertreten zu jeder Zeit das nordkoreanische Regime, dessen kritisches Auge ihnen überall hin folgt. Die nordkoreanischen Cheerleader waren das letzte Mal vor zehn Jahren in Südkorea. Sie haben sich verpflichtet, die Reise als eine ins «Feindesland» zu betrachten, berichtet die südkoreanische Zeitung «Chosun Ilbo». So ist es den Frauen unter Strafandrohung verboten, später über ihre Eindrücke von Südkorea zu sprechen. Das Regime von Pyongyang hat schon gezeigt, dass es das durchaus ernst meint. Nach einem Aufenthalt im südkoreanischen Incheon 2005 hatten nordkoreanische Cheerleader daheim vom «schönen Leben» in Südkorea erzählt. 21 von ihnen ... ... sollen daraufhin in Arbeitslager gesteckt worden sein, schreibt der «Independent». Der Druck auf die jetzt in Südkorea angekommenen Nordkoreanerinnen dürfte damit sehr hoch sein. Dass die Cheerleader vom nordkoreanischen Regime seit jeher als gewichtiges Propagandawerkzeug und Mittel zur Imagepflege eingesetzt werden, zeigt sich ... ... auch an ihrer schieren Masse: Von der aktuellen 280-köpfigen Delegation Nordkoreas sind 230 Cheerleader. 2003 schickte das Land eine Delegation von 528 Personen an einen ausländischen Wettbewerb – 303 davon waren Cheerleader. «Ihre Rolle ist es, die Wahrnehmung von Nordkorea als wirtschaftlich rückständiges Land mit unterernährten Menschen zu beeinflussen», sagt der japanische Dokumentarfilmer Jiro Ishimaru. Nordkoreas «Armee der Schönheit» macht seit jeher mit ihren ... ... auf die Sekunde übereinstimmenden Choreografien von sich reden. Oft würden sie mit ihrem Auftritt sogar die Sportler in den Hintergrund tanzen, schreibt der «Guardian». Ob das der Grund ist, dass sich Nordkoreas Sportler an Olympischen Winterspielen bislang kaum hervortaten? Bislang ... ... gewann das Land jedenfalls nur zwei Medaillen: im Speedskating 1946 und 1992. Die Cheerleader nach ihrer Ankunft in einem von den Wettkampfstätten abgelegenen Hotel. Unklar ist ... ... noch immer, wer die Kosten für die Unterbringung übernimmt. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hat eine ganz persönliche Beziehung zu seinen Cheerleadern, immerhin ... ... turnte seine Ehefrau Ri Sol-ju Anfang der 2000er-Jahre selbst in der Truppe. Angst, dass eines der Mädchen untertauchen könnte, dürfte Nordkoreas Regime keine haben: Die Mädchen, die das Privileg haben, ins Ausland zu reisen, stammen meist aus gut vernetzten Familien mit der «richtigen» staatstragenden Ideologie.

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Pyongyang hat eine 280-köpfige Delegation an die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang geschickt. Darunter sind die 230 Cheerleader, die «Armee der Schönheiten», die unter der Leitung von Sportminister Kim Il Guk am Mittwochmorgen über die militärische Demarkationslinie in den Süden einreisten.

In den kommenden zwei Wochen und selbst nach der Heimkehr lastet ein unvorstellbarer Druck auf den Frauen. Mehr erfahren Sie in der Bildstrecke oben.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr Venom am 08.02.2018 05:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Olympiade

    Ich hab mich ehrlich gesagt auch schon gefragt, was mit den nordkoreanischen Athleten passiert, wenn sie die gewünschte Leistung nicht bringen.

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  • C.P. am 08.02.2018 04:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mitleid

    Das ist nichts weiter als traurig.

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  • Wow Cool am 08.02.2018 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einheitlicher Koffer

    Cool, die haben alle den gleichen Koffer :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Randy am 08.02.2018 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Olympia Verbot

    Diesem Land dürfte man eine Teilname gar nie Erlauben. Schon alleine deshalb nicht weil jeder weiss was den Mädchen, respektive deren Familien und Cousins zuhause Passiert wenn sie auch nur ein mm von den Forderungen und Erwartungen des Regimes abweichen.

  • Delta am 08.02.2018 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gucki Gucki

    Wo hat Kim Il Guck denn hingeguckt als er die tollen Mäntel auswählte :-) ?

  • Alaska am 08.02.2018 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesteuerte Girls

    Sieht sehr sehr hübsch aus. Aber leider vom Staat gesteuerte Girls, schade und nochmals sehr schade. Die Leute tun mir leid. Wo sind die Kritiker der CH-Politik? Was wollt ihr lieber.

  • Katja Wohmann am 08.02.2018 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns mehren sich auch die Wörter, die

    unter Strafe gestellt werden fast schon monatlich. Da ist Nordkorea auch nicht mehr soo weit und die wären wenigstens bereits an Staatsterror gewöhnt.

  • Peter am 08.02.2018 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Wow das is Musik von der Nordkorea Cheerleaders die könnte unser beste Schweizer Armee der Welt guttun, Asiatinnen sind so oder so schöne Frauen.