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Kaltblütig und stark
18. November 2012 14:27; Akt: 18.11.2012 14:28 Print
Entführte Chloé sang im Kofferraum
Die Eltern der geretteten Chloé erzählen, was die 15-Jährige von der schlimmsten Woche ihres Lebens berichtete. Die Willenskraft des Mädchens beeindruckt.
Nach ihrer wundersamen Rettung in Deutschland ist die vor gut einer Woche verschleppte 15-jährige Chloé wieder zu Hause in Südfrankreich. Ihre Tochter sei erschöpft, aber unversehrt, berichteten ihre Eltern am Samstagabend nach der Rückkehr in ihren Heimatort Barjac.
Die Umstände ihrer Entführung waren zunächst weiter ungeklärt. Chloé war vor gut einer Woche als vermisst gemeldet worden. Sie wurde nach Deutschland verschleppt und am Freitag bei Offenburg nahe der französischen Grenze gefesselt im Kofferraum eines Autos entdeckt. Ihr mutmasslicher Entführer wurde kurz darauf festgenommen.
Auf einer Pressekonferenz nach ihrer Rückkehr erzählten die Eltern anhand der ersten kurzen Berichte ihrer Tochter von Chloés Martyrium. Ihr Vater ist davon überzeugt, dass ihre Tochter zufälliges Opfer des 32-jährigen vorbestraften Sexualtäters wurde.
Chloé habe ihm erzählt, dass der Mann sie vor ihrem Elternhaus gewaltsam verschleppt habe. Während ihrer Odyssee sperrte er das junge Mädchen stets in den Kofferraum, sobald sie durch Ortschaften fuhren. Die restliche Zeit sass sie im Auto und unterhielt sich mit ihm.
Kühlen Kopf bewahrt
Er bewundere die Willenskraft und Kaltblütigkeit seiner Tochter, sagte der Vater weiter. «Sie hat ihrem Entführer niemals widersprochen, um sich nicht in Gefahr zu bringen». Gleichzeitig prägte sie sich Details wie etwa das Autokennzeichen ein - aus dem Radio wusste sie, dass nach ihr gesucht wurde.
Sobald sie im Kofferraum eingeschlossen war, bemühte sie sich zu entspannen: «Sie sang, plante und bereitete sich auf das nächste Zusammensein mit dieser Person vor». Als er seine Tochter abholte, war er überrascht: «Ich dachte, sie wäre am Boden zerstört, aber es war als kehrte sie aus den Ferien zurück.»
«Sie hat sich einen Panzer zugelegt», sagt Chloés Mutter. Doch habe dies sehr viel Kraft gekostet, jetzt sei ihre Tochter erschöpft und noch nicht in der Lage, mehr als nur in kurzen Sätzen zu berichten.
«Wir respektieren das. Wir stellen keine Fragen - aber wir warten auf Antworten». Zuviel liege noch im Dunkeln. Aber niemand dürfe vergessen: «Sie ist noch ein Kind, sie hat viel geweint.»
Entführer schweigt
Gegen Chloés mutmasslichen Entführer wurde in Deutschland Haftbefehl erlassen. Auf Anraten seines Anwalts schweigt er zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft Nîmes leitete ihrerseits ein Ermittlungsverfahren wegen Entführung und Freiheitsberaubung ein und stellte einen europäischen Haftbefehl aus.
Der 32-Jährige stammt aus demselben Bezirk wie Chloés Familie. Nach Angaben der Ermittler wurde er mehrfach wegen Gewalt und Diebstahls verurteilt, wegen sexueller Übergriffe erhielt er eine fünfjährige Haftstrafe.
Keine Hinweise auf sexuellen Missbrauch
Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft in Nîmes gibt es jedoch keine Hinweise, dass das Mädchen sexuell missbraucht wurde. Der Verdächtige war erst im September aus dem Gefängnis entlassen worden und hätte sich zehn Tage später bei einem Bewährungshelfer melden müssen, was er jedoch nicht tat.
In dem 1400-Einwohner-Ort Barjac, in dem Chloés Familie einen kleinen Supermarkt besitzt, sorgte die Nachricht ihrer Befreiung für grosse Aufregung. Vor dem Geschäft der Eltern hing am Samstag ein Banner mit der Aufschrift «Sieg für unsere Chloé, wir lieben dich».
(sda)

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