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Tschechien wählt
07. Januar 2013 14:01; Akt: 07.01.2013 14:21 Print
Er will Präsident werden - und ist Favorit der Jugend
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wählen die Tschechen den Präsidenten direkt. Es treten an: Ein rundum tätowierter Komponist, eine Fernseh-Moderatorin und ein passionierter Becherovka-Trinker.
Die Tschechen können ihren Präsidenten ab dem kommenden Freitag erstmals direkt wählen - ohne Umweg über das Parlament. Das Rennen um die tschechische Präsidentschaft geht in den heissen Endspurt.
Bildstrecken Tätowierter Kandidat für Tschechien Infografik Die Teilung der Tschechoslowakei Ausverkauf - alles muss rausIhren Präsidenten kennen die Schüler vor allem vom Foto an der Wand, das in fast jedem Klassenzimmer neben der Kreidetafel hängt. Der Handel für Schulbedarf hat schon jetzt auf die anstehende Wahl reagiert: Das grossformatige Bild des scheidenden Präsidenten Klaus ist zum Sonderpreis von 51 Kronen (2.40 Franken) zu haben. (sda)
Zumindest wenn es nach dem Willen der tschechischen Schüler ginge, hätte ein intellektueller Aussenseiter die besten Aussichten. Ihr Favorit ist der Komponist und Theaterprofessor Vladimir Franz, der für seine spektakuläre Ganzkörper-Tätowierung bekannt ist. In einer Umfrage unter 61'500 Schülern hatte Franz eine Beliebtheit von 41 Prozent. An der Urne dürften Franz' Chancen eher klein sein.
Fischers Vergangenheit als Kommunist
Vor der voraussichtlich ersten von zwei Runden der Präsidentenwahl am 11. und 12. Januar wird mit härteren Bandagen gekämpft. Der Bürgerliche Jan Fischer ist einer der grossen Favoriten der Meinungsforscher in dieser historisch ersten Direktwahl des Staatsoberhaupts.
Von Haus aus ein blasser Zahlen-Experte, blickte das Konterfei des 62-Jährigen jüngst überraschend mit Gewehr und in Militäruniform von Plakatwänden. «Er war in der kommunistischen Partei», prangte es dem Wähler entgegen. Fischer zeigte sich empört und verurteilte diese «unfaire» Provokation. Bis dahin hatte sein früheres KSC-Parteibuch kaum eine Rolle gespielt. Es ist ein wunder Punkt in seinem Lebenslauf. Der Mathematiker trat 1980 der Partei bei. Er habe sich um Frau und Kinder kümmern müssen, sagte Fischer der Zeitung «Pravo».
«Die politische Szene muss grundlegend verändert werden», verspricht Fischer in seinem aktuellen Wahlspot. Er verlangt die Rückkehr zu «Anständigkeit, Professionalität und mehr Achtung der Bürger». Das kommt bei den Tschechen gut an, die nach vielen Korruptionsskandalen von den Parteien enttäuscht sind.
Etablierte Parteien im Gegenwind
Der linke Ex-Regierungschef Milos Zeman und Jan Fischer erreichen laut der Agentur ppm factum jeweils eine Zustimmung von 25 Prozent. Die Bewerber der grossen Parteien können davon nur träumen.
Eine Prager Zeitung beschrieb den Kandidaten der regierenden ODS so: «Premysl Sobotka hat erkannt, dass seine Chancen gering sind und es wenig bringt, mit 69 Jahren vergeblich ausser Atem zu geraten.» Auch für den Fürsten und Aussenminister Karel Schwarzenberg ist die unbeliebte Sparpolitik der Regierung zu einer Belastung geworden.
Der tschechische Präsident erfüllt für viele die Rolle des Vaters der Nation, hat aber auch einige wenige handfeste Kompetenzen. So ernennt er die Minister und beruft den Nationalbank-Rat. Für den vom EU-Skeptiker Vaclav Klaus gewählten Bankgouverneur Miroslav Singer ist die Euro-Einführung - wenig überraschend - keine Priorität.
Tschechen sind politikverdrossen
In Zeiten der allgemeinen Politikverdrossenheit kommt nicht nur dem Wahlfavoriten Fischer zugute, dass er sich einst als «Menschen ohne jegliche weiteren politischen Ambitionen» beschrieben hatte.
Auch sein schärfster Kontrahent wollte mit der Parteienpolitik zeitweise nichts mehr zu schaffen haben. Vor zehn Jahren zog sich Milos Zeman in die Provinz zurück, um dort «Bäume zu umarmen».
Zeman provoziert
Nun feiert der Liebhaber des nationalen Kräuterlikörs Becherovka ein Comeback. Zeman nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Als «fünfte Kolonne Hitlers» diffamierte er einst die Sudetendeutschen.
«In der tschechischen Politik bewegen sich nur Amateure», urteilt der Provokateur nun in einem Radiospot. «Der Agrarminister kann Weizen nicht von Roggen unterscheiden.» Zeman will sich einmischen.
Hauptthema Korruption
Alle neun Kandidaten eint das Versprechen, gegen die Korruption anzukämpfen. Doch nicht jeder geht mit gutem Beispiel voran. Die Organisation Transparency International (TI) hat die Finanzierung der Wahlkampagnen bewertet.
Die beste Note für Transparenz erhält Fischer. Die hinteren Plätze teilen sich Zeman und die EU-Kritikerin und Fernsehmoderatorin Jana Bobosikova. Prager Medien sagen Zeman undurchsichtige Verbindungen zu russischen Firmen nach.
(rme/sda)
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V. Franz
Das Gegenteil von Micheal Jackson. Der eine war schwarz und wurde weiss, der andere war weiss und wurde schwarz. Glaube nicht, dass er es schafft. Zu viele Tatoos und die anderen werden wohl mehr politische Unterstützung durch Parteien usw. erhalten.
Na und
In Minnesota hat es auch ein Jesse Ventura zum Governor geschafft, der ist auch nicht gerade ein 08/15 Politiker. Mir wäre ein hässlicher, rundum tätowierter, aber dafür ehrlicher und vor allem unabhängiger Politiker wesentlich lieber als die üblichen von einer Lobby gekauften, schmierig grinsenden Phrasendrescher die einem vorkommen wie Klone.
Der Franz, der kann's
Zu seinem Aussehen hat er auch noch den passenden Namen. Vladi Franz.