Wahlen

12. September 2017 03:46; Akt: 12.09.2017 04:03 Print

Erna Solberg kann Norwegen weiter regieren

Die konservative Regierung hat die Wahl in Norwegen gewonnen. Das bürgerliche Bündnis liegt mehrere Sitze vor dem rot-grünen Lager.

storybild

«Wir haben die Unterstützung für vier weitere Jahre bekommen»: Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg ist von Medienvertretern umgeben. (11. September 2017) (Bild: Keystone/Heiko Junge)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die konservative norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg kann weiter regieren. Ihr bürgerliches Bündnis lag bei der Wahl am Montagabend nach Auszählung von fast 90 Prozent der Stimmen mehrere Sitze vor dem rot-grünen Lager.

Grosser Verlierer ist die sozialdemokratische Arbeiterpartei von Herausforderer Jonas Gahr Støre. Doch auch alle bisherigen Regierungsparteien verlieren an Zustimmung, während die kleinen Oppositionsparteien klar gewinnen.

«Wir haben die Unterstützung für vier weitere Jahre bekommen», sagte Solberg unter lautem Jubel ihrer Partei. Die 56-Jährige ist seit vier Jahren Ministerpräsidentin in Norwegen. In dieser Zeit habe die Regierung schwierige Herausforderungen bewältigt und ihre Versprechen gehalten, betonte sie.

Herausforderer gesteht Niederlage ein

Støre gestand seine Niederlage ein und gratulierte Solberg. Das Ergebnis sei eine «grosse Enttäuschung». «Wir werden zurückkommen und die Tagesordnung in diesem Land bestimmen», versprach er.

Solberg führte in den vergangenen vier Jahren eine Minderheitsregierung aus ihrer konservativen Høyre und der rechtspopulistischen Fortschrittspartei. Geduldet wurde die Koalition von der christlichen KRF und der liberalen Venstre. Diese Zusammenarbeit wolle sie fortsetzen, sagte Solberg. Minderheitsregierungen sind in Norwegen üblich.

Für eine Mehrheit sind im norwegischen Parlament Storting 85 Mandate nötig. Solbergs bürgerliches Bündnis kommt nach Zahlen vom Montagabend auf 88 Sitze. Das von Støre angestrebte Bündnis von Arbeiterpartei, Zentrumspartei und Sozialistischer Linkspartei kann mit Unterstützung von Grünen und Sozialisten mit 81 Sitzen rechnen. Ein offizielles Auszählungsergebnis wurde erst am Dienstag erwartet.

Støres Sozialdemokraten bleiben nach vorläufigen Zahlen mit 27,4 Prozent der Stimmen wie bereits 2013 stärkste Partei. Doch sie verlieren 3,4 Punkte – so viel wie keine andere Partei.

Regierungsparteien büssen an Stärke ein

Auch die Regierungsparteien allerdings verlieren deutlich. Solbergs Høyre wird mit etwa 25,2 Prozent und einem Minus von 1,7 Punkten zweitstärkste Partei. Die rechtspopulistische Fortschrittspartei, die es 2013 erstmals in die Regierung geschafft hatte, verliert 0,9 Punkte und kommt auf 15,4 Prozent. In deren Jugendorganisation war der verurteilte Massenmörder Anders Behring Breivik früher Mitglied.

Insgesamt werden neun Parteien im norwegischen Storting sitzen. Die christliche KRF und die liberale Venstre, wahrscheinliche Partner von Solbergs Regierung, lagen hauchdünn an der Vier-Prozent-Hürde. Die Grünen und die Sozialisten schaffen sie nicht. Das bedeutet in Norwegen nicht, dass eine Partei den Einzug ins Parlament verpasst. Wer unter der Grenze bleibt, bekommt allerdings deutlich weniger Mandate – ein Unterschied, der knappe Mehrheiten noch kippen kann.

Kleinparteien als Wahlsieger

Die kleinen Oppositionsparteien gewinnen deutlich dazu. Allen voran die Zentrumspartei, die mit einem Plus von fast fünf Punkten bei 10,5 Prozent landet und sich als Wahlsieger fühlen kann.

Norwegen gilt mit seinen 5,23 Millionen Einwohnern als das am weitesten entwickelte Land der Welt. Lebensstandard und Zufriedenheit sind hoch. Seit das Land Ende der 60er auf die erste wirtschaftlich nutzbare Erdölquelle stiess, hat es viel Geld verdient. Sinkende Ölpreise bedeuteten zuletzt allerdings auch geringere Staatseinnahmen und den Verlust tausender Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,5 Prozent. Inzwischen wächst die Wirtschaft allerdings wieder.

(chk/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SonjaA am 12.09.2017 04:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere!

    Gratuliere! Zu meiner Schande muss ich zugeben, noch nie etwas von Erna Solberg gehört zu haben.:/ Trotzdem, sie wird ihre Arbeit schon gut und gewissenhaft machen!

    einklappen einklappen
  • Schnyder D. am 12.09.2017 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gescheite Wähler

    Es ist immer gut für ein Land, wenn Linke nicht in die Regierung gewählt werden!

    einklappen einklappen
  • B. Kerzenmacher am 12.09.2017 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlen

    Grüne unter vier Prozenthürde Man muss dazusagen, dass die Grünen in der norwegischen Parteienlandschaft schlicht keine Rolle spielen. Was auch ausgeblendet wird ist, dass die Grünen bis 2013 eigentlich noch unter der Wahrnehmungsschwelle lagen und auch bei den Parlamentswahlen immer unter 1% bekommen haben und 2013 zum ersten Mal ins Parlament gewählt wurden. Daher sind die knapp 4% eigentlich kein schlechtes Ergebnis, sondern ein recht gutes, da die Grünen Stimmen dazugewonnen haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • phil am 12.09.2017 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Konservativ

    an die, welche nun die Konservativen hochjubeln: In Norwegen hat konservativ eine andere Bedeutung. Im Fall von Frau Solberg und ihrer Hoyre Partei; Pro EU und soziale Marktwirtschaft. Die Partei ist Mitte Rechts, wobei das Rechts eher für den Wirtschaftsliberalismus steht, und nicht wie bei uns für Abschottung. Skandinavien halt

  • Herr Max Bünzlig am 12.09.2017 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    es spielt doch keine Rolle, wer Norwegen weiter regiert, es sind doch so oder so alle im gleichen Golfclub

  • B. Kerzenmacher am 12.09.2017 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlen

    Grüne unter vier Prozenthürde Man muss dazusagen, dass die Grünen in der norwegischen Parteienlandschaft schlicht keine Rolle spielen. Was auch ausgeblendet wird ist, dass die Grünen bis 2013 eigentlich noch unter der Wahrnehmungsschwelle lagen und auch bei den Parlamentswahlen immer unter 1% bekommen haben und 2013 zum ersten Mal ins Parlament gewählt wurden. Daher sind die knapp 4% eigentlich kein schlechtes Ergebnis, sondern ein recht gutes, da die Grünen Stimmen dazugewonnen haben.

  • Schnyder D. am 12.09.2017 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gescheite Wähler

    Es ist immer gut für ein Land, wenn Linke nicht in die Regierung gewählt werden!

    • der Norweger am 12.09.2017 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schnyder D.

      informier dich doch mal. damit Erna ihre Regierung bilden kann braucht sie die Linke partei (Venstre). Das rechten gegen die linken wettern und umgekehrt könnte man sich sparen denn es ist unnötig.

    einklappen einklappen
  • SonjaA am 12.09.2017 04:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere!

    Gratuliere! Zu meiner Schande muss ich zugeben, noch nie etwas von Erna Solberg gehört zu haben.:/ Trotzdem, sie wird ihre Arbeit schon gut und gewissenhaft machen!

    • Realist am 12.09.2017 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SonjaA

      Und wieso bist Du so sicher dass sie ihre Arbeit gut machen wird wenn Du von ihr nicht mal gehört hast??? Nur weil sie konservativ ist?;-)

    • Moritz, Bern am 12.09.2017 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SonjaA

      Das nenn ich blindes Vertrauen. Wie kann man jemanden gut finden, den man nicht kennt und auch Norwegen nicht kennt?

    • Realistin am 12.09.2017 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Was für eine Frage, sie wurde gewählt und das zählt doch, die Lieben und Netten müssen halt auch mal zurückstehen, das Geld zum Verteilen wird langsam überall knapp

    • Das ABC am 12.09.2017 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Realistin

      Niemand sagt, dass Konservative grundsätzlich schlecht sind wie auch die Linken (obwohl dies hier immer gesagt wird) nicht grundsätzlich schlecht sind. Das Interessante hierbei ist, dass man offenbar gleich meint alles sei gut, weil ein Konservativer gewählt wurde. Und bitte, hört auf mit diesem "er/sie ist gewählt"-Quatsch. Eine Demokratie hat auch eine Opposition. In der Schweiz war dies sehr lange die SVP. Wer einen Gewählten nicht kritisiert ist entweder 100% zufrieden (was eigentlich nie der Fall ist) oder geistig tot.

    einklappen einklappen