Nicht ganz geheim

18. November 2012 19:11; Akt: 18.11.2012 19:44 Print

Ex-Frau von Dutroux trifft Vater eines Opfers

Michelle Martin, die Ex-Frau und Komplizin von Mädchenmörder Marc Dutroux, hat den Vater eines ihrer Opfer getroffen. Durch eine wirre Verkettung von Umständen sind Auszüge des geheimen Gesprächs jedoch an die Medien gelangt.

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Michelle Martin ist am 28. August 2012 aus der Haft entlassen und in ein Kloster verlegt worden.

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Die Ex-Frau und Komplizin des Mädchenmörders Marc Dutroux hat am Freitagabend den Vater eines der Opfer getroffen. Die mehrstündige Begegnung zwischen Michelle Martin und Jean-Denis Lejeune sollte in aller Stille an einem geheimen Ort stattfinden - dennoch gelangten Auszüge des Gesprächs in eine Zeitung.

Die Details fanden ausgerechnet über einen der Vermittler den Weg an die Öffentlichkeit. Über dessen Handy konnte ein Journalist angeblich eine knappe Stunde lang mithören, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtet.

Nach dem Knast ind Nonnenkloster

Michelle Martin war im August nach 16 Jahren unter Auflagen aus dem Gefängnis entlassen worden. Sie lebt in einem Nonnenkloster im Örtchen Malonne. Sie selbst hatte um das Treffen gebeten. Als Mittäterin von Marc Dutroux war sie zu 30 Jahren Haft verurteilt worden.

Dutroux entführte und vergewaltigte in den 90er Jahren sechs Mädchen und junge Frauen. Vier von ihnen starben. Dutroux selbst soll lebenslang hinter Gittern bleiben.

Wie kam der Inhalt der Gesprächs in die Presse?

Grund für das Leck bei dem Gespräch zwischen Martin und Lejeune war angeblich ein Missgeschick eines der anwesenden Vermittler. Sein Mobiltelefon sei auf den Boden gefallen, erklärte dessen Kollege Laurent Goffaux, der als Mediator ebenfalls anwesend war, später der Nachrichtenagentur Belga.

Der Besitzer habe es nicht aufgehoben und deshalb nicht bemerkt, dass das Gerät eine Verbindung zum jüngsten Anrufer hergestellt habe. Dies sei ein Journalist der Regionalzeitungsgruppe «Sudpresse» gewesen, der ihn vor dem Gespräch kontaktiert habe.

Das Treffen am Freitagabend habe in «ruhiger Atmosphäre» stattgefunden, so Goffaux. «Es bleibt eine emotionale Begegnung», ergänzte er. Alles sei aber ruhig abgelaufen.

Vorgehen verteidigt

Beide Parteien wollten am Montag gegen den unerwünschten Zuhörer Klage einreichen, meldete Belga. Nach Angaben der Anwälte von Martin und Lejeune ist die Aufzeichnung und Verbreitung strafbar. Auch der belgische Journalistenverband AJP verurteilte die Veröffentlichung der Gesprächsdetails durch die Zeitung scharf.

«Sudpresse» verteidigte ihr Vorgehen am Sonntag auf der eigenen Internetseite. «Wir haben nur unsere Pflicht als Journalisten getan», hiess es dort. Eine Aufzeichnung des Gesprächs habe es nicht gegeben, die Verbindung über das Handy bestätigte das Blatt nicht.

Stattdessen habe die Redaktion über eine «interne Quelle bei dem Treffen» Einzelheiten erfahren. Allzu private Details seien nicht veröffentlicht worden.

(sda)