Schulreform

22. März 2015 20:36; Akt: 23.03.2015 11:43 Print

Finnland schafft Schulfächer ab

Französisch, Mathematik, Geschichte – Schulfächer gehören in Finnland bald der Vergangenheit an. Neu sollen Themen unterrichtet werden.

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Finnische Schüler sollen in Teams an Themen arbeiten, anstatt bloss dem Lehrer zu lauschen. (Bild: Christian Schwier)

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In Finnland ist der traditionelle Stundenplan passé: Anstelle von Fächern sollen bald nur noch Themengebiete unterrichtet werden – «Phänomene», wie es die Finnen nennen. Dadurch sollen Schüler bei dem, was sie lernen, einen Bezug zum echten Leben herstellen können. Die Frage «Wozu lerne ich das überhaupt?» erübrigt sich.

Mit dem neuen Unterrichtssystem will man die Schüler ausserdem besser auf das Berufsleben vorbereiten. «Das aktuelle Schulsystem ist veraltet», sagte Marjo Kyllönen, Helsinkis Schulmanagerin, dem britischen «Independent». Dadurch falle vielen Schülern der Einstieg ins Arbeitsleben schwer.

Schulfach «Gastronomie» oder «EU»

Bis 2020 sollen Schulen im ganzen Land nach Themen unterrichten – das ist zumindest Kyllönens Ziel. Ende Monat will sie ihr Konzept der finnischen Regierung vorlegen. In der Zwischenzeit sollen Schulen mehrere Wochen pro Jahr dem thematischen Lernen widmen.

In einigen Schulen sind solche Testphasen bereits angelaufen: In einer Berufsschule arbeiten Schüler etwa am Thema «Gastronomie» – sie erstellen Abrechnungen, üben Sprachen für den Umgang mit Kunden und schreiben Briefe. Eine Gymnasiumsklasse setzt sich derweil mit der EU auseinander: Schüler büffeln die Geschichte von Mitgliedstaaten, diskutieren über Politik und üben die Sprachen einzelner Länder.

Gruppenarbeit statt Frontalunterricht

Der Umstellung zum themenbasierten Lernen betrifft auch die Lehrer: Diese sollen ihre Stunden fortan im Team planen. Und der Unterricht soll nicht mehr frontal stattfinden, sondern in Gruppen, in denen Schüler ein Problem bearbeiten.

«Viele Lehrer stellten sich anfangs quer», sagte Schulmanagerin Kyllönen. «Wenn sie sich dann aber erst an die neue Methode gewöhnt haben, wollen sie nicht mehr zurück.» Bis heute habe man bereits 70 Prozent der Lehrer für den neuen Ansatz ausgebildet.

Finnland ist Nummer 1 bei Pisa-Studie

Finnland ist seit Jahren auf Platz eins der Pisa-Studie. Darum hat die Veränderung im finnischen Schulsystem Gewicht: Andere Länder haben bereits Interesse an dem neuen Modell angemeldet.

Etwa die Briten. «Schulen sollten Kinder nicht durch ‹Prüfungs-Fabriken› jagen», sagte Tristram Hunt von der sozialdemokratischen Labour Partei. Sie sollten lieber dafür sorgen, dass die Schüler Charakter und Ausdauer entwickelten.

(cfr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ehem. Schülerin am 22.03.2015 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbildlich!

    Endlich!!!!! Super Finnland!!!! Die Schweizer werden das wohl nicht so schnell einführen, viel zu sehr sind sie auf Noten und Diplome ausgerichtet....

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  • L. B. am 22.03.2015 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Schritt nach vorn

    Finde ich eine spannende Sache! Denke das Kind kann sich als Individuum ehner entfalten als mit dem Fächer-Frontal-Unterricht, wo man die Schüler regelrecht "zuschneidet".

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  • checkapecka am 22.03.2015 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Generation Y

    Finde ich eine gute Idee mal kucken was sich daraus ergibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • TRE am 24.03.2015 04:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Katastrophe

    Sie könnten hierzulande mal beim Bologna-System beginnen, spezifisch dem rechtswissenschaftlichen Lehrgang der Uni Zürich...

  • Sven am 24.03.2015 00:07 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache Gender

    "Und der Unterricht soll nicht mehr frontal stattfinden, sondern in Gruppen, in denen Schüler ein Problem bearbeiten." Mit anderen Worten, Unterricht für Mädchen und generell für Schüler, die von der Leistung der anderen profitieren können (toll ein anderer macht's). Wenn sowas bei uns kommt, werden Knaben in der Schule vollends abgehängt und die individuelle Leistung zählt nichts mehr. Vielleicht sollte man dann getrennten Unterricht einführen: für Knaben Fokus auf Frontalunterricht und Einzelarbeit, für Mädchen Fokus auf Gruppenarbeiten. So wäre allen gedient.

  • citoyen am 23.03.2015 23:26 Report Diesen Beitrag melden

    Finnland ist kein Vorbild

    Jedes Schulmodell ohne Klassenunterricht versagt in der Realität. In Deutschland ist Bayern mit einem traditionellen Schulsystem bei allen PISA-Fächern an der Spitze. Bundesländer mit modernen Schulmodellen (Berlin, Hamburg) durchwegs am Schluss, obwohl dort MEHR Geld ausgegeben wird! Finnland ist gut im Entwerfen von Schulutopien. Nur nützt das den Jugendlichen nichts. Die Realität ist brutal : 20,7% Jugendarbeitslosigkeit!! In aller Bescheidenheit: Schweiz 3,4%

  • Lehrerin am 23.03.2015 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Äh, hallo?

    Hat mal jemand die SchülerInnen gefragt, was sie womlen? Wenn man das macht, mögen Sie (ganz im Sinne der Konsumgesellschaft) nämlich am liebsten vom Lehrer vermittelten Frontalunterricht (zumindest am Gymi). Sobald es irgendwie in Richtung Gruppensrbeit geht, machen 90% der SchülerInnen dicht, bzw. gar nichts mehr... Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, wie Lehramtsstudenten mit ihren Gruppenpuzzlemethoden ins leere laufen im realen Unterrichtsleben. ;-)

    • Daniel H. am 23.03.2015 23:17 Report Diesen Beitrag melden

      Unfähige Lehrkräfte?

      Nun wenn es Lehrkräfte nicht schaffen Kindern und Jugendlichen die Gruppen - Teamarbeit bei zu bringen ...frag ich mich, ob diese Lehrkräfte den richtigen Job haben. Im Berufsleben braucht es Arbeitskräfte die im Team arbeiten können.

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  • Michaela am 23.03.2015 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht allen recht machen können!

    Es ist doch wie bei vielem: Die einen Kinder werden mit diesem System aufblühen und sich selbst verwirklichen, und den anderen wird die Struktur fehlen. Ich selber habe zwei Jungs. Für den Jüngeren könnte das durchaus etwas sein. Aber für meinen Älteren... Ich hätte leider meine Bedenken.