Gratis Geld vom Staat

18. Dezember 2016 22:26; Akt: 19.12.2016 13:21 Print

Finnland verschenkt 2000 Grundeinkommen

Ab dem nächsten Jahr erhalten 2000 Finnen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wie die Testpersonen ausgesucht werden.

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Umgerechnet rund 600 Franken im Monat, zwei Jahre lang, einfach so. Finnland testet nächstes Jahr als erstes Land überhaupt ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wer die 2000 Personen sind, die am Experiment teilnehmen dürfen, wird kommende Woche ausgelost – gerade rechtzeitig zu Weihnachten. Die Auserwählten werden per Brief informiert.

«Entscheidend wird aus gesellschaftlicher und politischer Sicht sein, ob dieses Grundeinkommen mehr Menschen zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten anregt. Oder ob es eher passiver macht», zitiert die SRF-Sendung «Echo der Zeit» Rikard Husu, einen finnischen Journalisten, der seit Jahren über das Thema berichtet.

560 Euro im Monat sind jedoch bescheiden. In Finnland gibt ein Haushalt monatlich rund 3000 Euro aus. «Jeder Euro, den man dazuverdient – auch in einem Niedriglohn- oder Teilzeitjob –, wird das Einkommen der Menschen erhöhen», sagte Wirtschaftsminister Olli Rehn Ende September zur «Zeit». Dieser Verdienst werde nicht mit der Sozialhilfe verrechnet wie bisher.

Vereinfachung des Sozialsystems

Das seit 2012 in der Rezession steckende Land erhofft sich von einem bedingungslosen Grundeinkommen eine Vereinfachung seines komplexen Sozialsystems, das Arbeitslosigkeit, Unterbringung, Ausbildung und Elterngeld umfasst.

Letztlich will die Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident Juha Sipilä damit aber auch die Staatsausgaben verringern und die Furcht abbauen, dass Zuwendungen wegfallen, sobald jemand einen Job annimmt.

Grundeinkommen in der Schweiz chancenlos

Vorerst verursacht das Projekt jedoch Kosten in der Höhe von 100 Millionen Franken. Schon 2018 soll das Experiment gemäss SRF-Sendung ausgedehnt werden, von 2000 auf 10'000 Personen. Sollten eines Tages alle fünf Millionen Finnen ein Grundeinkommen erhalten, würde dies die finanziellen Mittel des Landes wohl sprengen.

Im Juni war in der Schweiz eine Volksinitiative für ein Grundeinkommen mit fast 77 Prozent abgelehnt worden. Zwar beinhaltete das Begehren keine Zahlen, die Initianten empfahlen aber ein Einkommen von 2500 Franken für Erwachsene und von 625 Franken für Minderjährige.

(woz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ni Ten Ichi Ryu am 18.12.2016 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Alles hat ein Ende

    Auch der Kapitalismus. Ewiges Wachstum ist eine Illusion. Sobald diese Illusion zerbröckelt, steht man vor dem Trümmerhaufen Kapitalismus. Worum geht es eigentlich im Leben? Um Konsum? Immer das neuste Smartphone, den tollsten Wagen und die schicksten Kleider zu tragen? Schaut euch um, es gibt doch kaum noch wirklich zufriedene Gesichter... Alles nur Schein, vorgespielt. Gute Miene zum bösen Spiel.

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  • Onurb am 18.12.2016 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    automatisch

    finde ich gut. Es braucht eine Alternative wenn immer mehr automatisiert wird.

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  • Abstimmung am 18.12.2016 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    würde wohl trotzdem abgelehnt

    600.- sind auch ein viel tieferer Ansatz als jener von 2500.-- welcher in der Initiative angeregt, nicht jedoch niedergeschrieben wurde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Intuition am 19.12.2016 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Grundeinkommen

    Besser wäre es grosses Bedürfnis Grosser Lohn kleines Bedürfnis kleiner Lohn. Geht wohl nicht wir sind ja alle noch so glücklich in unserem Hamsterrad!

  • Freier Mensch am 19.12.2016 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Der Hauptgrund um das bedingungslose

    Einkommen einzuführen war: Schlecht bezahlte Jobs sollten dank dieser Subvention attraktiver werden um die Bürokratie der verschiedenen Sozialleistungen einzuschränken. Wenn jetzt für dieses Experiment nicht gezielt sondern willkürlich verteilt wird, wird es nicht den Hauptzweck erfüllen sondern nur eine Studie generieren.

  • w8 am 19.12.2016 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nullsummenspiel

    Das Problem mit dem Grundeinkommen ist weniger das die Leute nicht mehr arbeiten wollen sondern das die durschmittliche Kaufkraft steigt und dadurch auch die Preise der Produkte. Ist schlussendlich ein Nullsummenspiel

  • Flo am 19.12.2016 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die heutige zeit macht einen traurig.

    Als ich noch klein war, wurden mir werte vermittelt wie zb: Wenn du irgendwann groß bist und eine wunderschöne und liebe frau hast, tu alles damit sie dir ihre treue schenkt. Unter anderem auch, dass man sein geld sparen sollte für wichtige dinge(damals in den 90ern war die gesellschaft noch reiner mMn) wenn ich zurückblicke im jetzigen kapitalismus, halte ich an den werten fest, die mir auf meinen weg mitgegeben wurden. Ich werde meine zukünftige frau behandeln, als wäre sie die einzigste die existiert, und mir mein Leben aufbauen. das wars. Manche Menschen sollten beziehungen überordnen.

  • Simba74 am 19.12.2016 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn dann richtig

    so ein Schwachsinn..... da brauchts kein Test. Die betroffenen wissen dass es nach einer gewissen Zeit fertig ist. Deshalb ändern sie kaum etwas am jetzigen Beruf..... sofort richtig einführen. Auch bei uns.

    • Giovi am 19.12.2016 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Simba74

      Nein. Bereits darüber abgestimmt: basta.

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