9/11 und «Schuhbomber»

19. Juni 2017 08:59; Akt: 19.06.2017 15:47 Print

Finsbury Park war eine Brutstätte des Terrors

Die Finsbury Park Moschee galt lange Zeit als Treffpunkt für Islamisten. Jetzt wurde sie zum Schauplatz eines möglichen Anschlags.

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Ein Van fährt in eine Gruppe von gläubigen Muslimen im Norden von London, ein Mensch stirbt. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des Britischen Rats der Muslime vor einem muslimischen Gemeinschaftshaus in der Nähe der North London Central Moschee. Aus seiner Sicht könnte es sich um einen gezielt gegen Muslime gerichteten Anschlag gehandelt haben. «Von den Augenzeugenberichten her scheint es, als ob der Täter von Islamhass motiviert gewesen wäre», schrieb der Rat am frühen Montagmorgen auf Twitter.

Die Moschee, die bis zum Jahr 2005 als Finsbury Park Moschee bekannt war, wurde mehrere Jahre lang mit extremistischer Ideologie und Beziehungen zur Terrororganisation Al-Qaida in Verbindung gebracht.

Als sie 1988 mit einem der grössten Gebetsräume des Landes eröffnet wurde, sahen viele Muslime darin einen wichtigen Meilenstein. Rund zehn Jahre später galt das Gotteshaus gemäss der BBC jedoch als Synonym für die «grössten Ängste um islamistischen Extremismus Grossbritanniens».

Der einäugige Hassprediger

Verantwortlich dafür war unter anderem der 1996 eingesetzte Imam Abu Hamza al-Masri. Ein aus aus Ägypten stammender Ingenieur und früherer Afghanistan-Kämpfer. Er hielt in dem roten Ziegelbau mit Minarett radikalislamische und antiamerikanische Brandreden und wurde im Februar 2006 wegen Aufrufs zu Rassenhass und Mordanschlägen zu sieben Jahren Haft verurteilt. 2012 wurde er in die USA ausgeliefert, wo er drei Jahre später zu lebenslanger Haft wegen Verwicklung in eine Geiselnahme im Jemen und Unterstützung des Terrorismus in Afghanistan verurteilt wurde.

Der einäugige Imam, bei dem ein Haken die rechte Hand ersetzt, soll Gläubige mit seinem radikalen Gedankengut inspiriert haben. Darunter ist der als «Schuhbomber» bekannt gewordene Richard Reid und Zacarias Moussaoui, einer der Verantwortlichen für 9/11 – beides Mitglieder der Al-Qaida. Ausserdem Mohammed Sidique Kha, einer der vier Selbstmordattentäter, die sich am 7. Juli 2005 im öffentlichen Verkehr in London in die Luft sprengten.

Bemühungen um guten Ruf

Bei einer nächtlichen Razzia im Jahr 2003 beschlagnahmten die Ermittler in der Moschee Waffen, rund hundert gestohlene oder gefälschte Pässe sowie Schutzanzüge gegen chemische Angriffe. Ein Jahr später wurde Hamza auf US-Antrag verhaftet.

Inzwischen ist die neue Leitung der Moschee bemüht, den Ruf als Hort des Islamismus abzulegen und die Moschee auch für Andersgläubige zu öffnen. Wenige Wochen nach den Attentaten von Paris im Januar 2015 nahm die Gemeinde an einem Tag der offenen Tür teil, der vom britischen Muslimrat MCB organisiert wurde.

«Wir arbeiten daran, unsere Moschee und unsere Aktivitäten für die Allgemeinheit zu öffnen», sagte einer der Moschee-Verwalter, Khalid Oumar. Trotz aller Bemühungen erhielt die Gemeinde nach den islamistischen Anschlägen von Paris zahlreiche Drohbriefe und -Mails.

(kko/sda/afp)