Zu dick zum Fliegen

27. November 2012 22:02; Akt: 28.11.2012 11:04 Print

Fluggesellschaften kapitulierten - Frau tot

Vilma Soltesz ist behindert und wiegt über 180 Kilogramm. Ihre Heimreise von Europa in die USA überforderte gleich mehrere Airlines und endete mit Soltesz' Tod.

Vilma Soltesz (56) sollte nie mehr heim nach New York kommen.
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Vilma Soltesz und ihr Mann Janos flogen wie jedes Jahr im Oktober von New York in ihr Heimatland Ungarn. Dies war für alle Beteiligten mit grossem Aufwand verbunden, denn die 56-jährige Soltesz hatte nach einer Amputation nur noch ein Bein und wog rund 185 Kilogramm.

Für den Hinflug organisierte die Fluggesellschaft KLM deswegen eine Art Kran, der die Frau an Bord des Flugzeuges brachte. Ausserdem musste auch ein spezieller Sitzgurt installiert werden, um den Sicherheitsanforderungen an Bord zu genügen. All dies zu organisieren war für die KLM kein Problem – jedenfalls auf dem Hinflug von New York nach Budapest.

Doch dann begannen auch schon die Probleme. Am 15. Oktober wollten die Solteszs in Budapest wieder mit der KLM nach New York fliegen. Soltesz, die an Diabetes und einer Nierenkrankheit litt, hatte gesundheitliche Probleme bekommen und wollte so schnell wie möglich nach Hause, um ihren Arzt zu konsultieren.

Ein «grösseres» Flugzeug in Prag

«Die KLM hatte das Ehepaar bereits bei der Hinreise nach dem Abflugdatum gefragt, um die nötigen Vorbereitungen für das Boarding der behinderten Frau in die Wege leiten zu können», so die Anwältin des Paares gegenüber «ABC News». Sie bezweifelt aber, dass diese Vorabinformation wirklich weitergeleitet worden war.

Denn Soltesz konnte zwar an Bord des Flugzeuges geschafft werden, doch der Spezial-Sicherheitsgurt, den die 180-Kilo-Frau brauchte, war nicht vorhanden. Der Captain der Maschine forderte Soltesz deshalb auf, das Flugzeug wieder zu verlassen.

Lufthansa-Pilot verweigerte Transport

Während das Ehepaar fünf Stunden lang auf dem Flughafen in Budapest wartete, versuchte man bei der KLM eine Lösung zu finden. Diese sollte sich für die beiden Gäste enorm aufwändig gestalten. Die Solteszs wurden aufgefordert, nach Tschechien zu fahren, um in Prag an Bord eines «grösseren» Flugzeugs der Delta Airlines zu gehen.

Als sie dort eintrafen, stellte man fest, dass nur Rollstühle aus Plastik vorhanden waren, die das Gewicht der Frau nicht tragen können. Ein Kran zur Beförderung übergewichtiger Passagiere, wie es ihn am Flughafen New York gab, existierte schon gar nicht. «Trotz viel guten Willens seitens der Delta Fluggesellschaft, war es physisch nicht möglich, Frau Soltesz an Bord des Flugzeuges zu bringen», heisst es in einem Schreiben der Fluggesellschaft.

Das Ehepaar Soltesz fuhr wieder zurück nach Ungarn und versuchte, mit der Lufthansa nach New York zu kommen. Das Trauerspiel wiederholte sich: Obwohl Soltesz mit Hilfe der Feuerwehr und von Technikexperten an Bord geschafft werden konnte, forderte der Captain sie auf, die Maschine zu verlassen, weil sich ihr Sicherheitsgurt nicht schloss.

Soltesz starb zwei Tage später

Die Lufthansa teilte mit, dass «nach mehreren zeitaufwändigen Abklärungen zur Sicherheit der Passagierin und der über 140 anderen Mitreisenden beschlossen wurde, den Transport zu verweigern. Um weitere Verspätungen, die verpasste Anschlüssen und andere Unannehmlichkeiten für die übrigen Kunden nach sich gezogen hätten, zu vermeiden, war dieser Entschluss unausweichlich.»

Das ganze Hin und Her hatte tödliche Folgen: Zwei Tage später starb Vilma Soltesz in Ungarn. Ihre Nieren hatten versagt. Ärzte hatten nichts mehr gegen die Komplikationen tun können, die im Zusammenhang mit Soltesz' Diabetes- und Nierenkrankheit aufgetreten waren.

Ehemann Janos will jetzt alle drei Fluggesellschaften verklagen, weil sie sich weigerten, seine Frau in die USA, wo sie dringend medizinische Behandlung nötig gehabt hätte, zu fliegen. Denn, so teilt seine Anwältin mit, «sie schoben diese Menschen von Gesellschaft zu Gesellschaft und behandelten sie ohne jegliche Würde, einfach weil sie sich nicht mit dem Problem befassen wollten».

Janos Soltesz verzweifle am Tod seiner Frau, berichtete seine Anwältin. «Der Kampf für Gerechtigkeit ist das Einzige, das ihn weitermachen lässt. Er will nicht, dass jemand anders so etwas jemals durchmachen muss.»

(gux)