Alter Spionage-Trick

13. November 2012 12:26; Akt: 13.11.2012 14:42 Print

General und Geliebte teilten toten Briefkasten

David Petraeus versuchte seine aussereheliche Affäre mit einem alten E-Mail-Trick geheim zu halten. Vom obersten Spion der CIA hätte man ein weniger plumpes Vorgehen erwartet.

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CIA-Direktor David Petraeus hat wegen einer ausserehelichen Affäre überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der Grund: Seine Co-Biographin Paula Broadwell, die ihn in Afghanistan besuchte, als er noch General war. Die Beziehung war eng zwischen den beiden. Broadwell, die auch Reserveoffizierin der US-Streikräfte ist, hat detailliert Petraeus' Leben unter die Lupe genommen. «Nach über 37 Ehejahren habe ich ein extrem schlechtes Urteilsvermögen gezeigt, indem ich eine aussereheliche Beziehung unterhielt», schrieb Petraeus in einem Brief an seine Mitarbeiter. Paula Broadwell, die ebenfalls eine militärische Ausbildung genossen hatte, gab Petraeus' Biographie «All In» heraus. Ihr Buch wurde als einseitig kritisiert. In «The Daily Show» fasste Jon Stewart Broadwells Buch mit den Worten zusammen (siehe Video unten): «Ich würde sagen, die echte Kontroverse in dem Buch ist: Ist er (Petraeus) grossartig oder unglaublich grossartig?» Das ist Petraeus Ehefrau Holly. Er lernte sie in der Militärakademie kennen. Mit ihr ist er seit 37 Jahren verheiratet und hat ... ... zwei Kinder (hier auf dem Bild). Und das ist Paula Broadwells Mann, Dr. Scott Broadwell, ein Radiologe. Das Ehepaar hat zwei Söhne. Paula beschreibt sich selber als richtig «soccer mom», eine leidenschaftliche Mutter. Hier wird Petraeus - in Anwesenheit von Holly und Vizepräsident Joe Biden 2011 CIA-Direktor. Die Hände des Ehepaars Petraeus auf der Bibel. Und hier sind alle vereint, doch da ahnte Holly (wahrscheinlich) noch nichts von einer Affäre ihres Mannes mit Paula Broadwell (die zweite von rechts in der vordersten Reihe). Der Anlass war ein Hearing zu seiner CIA-Nomination im Juni 2011. Kann dieser Blick ... ... lügen? Bei der CIA gibt es keinen klaren Verhaltenskodex, der für einen solchen Fall wie eine Affäre einen Rücktritt vorsieht. So wurde in Sicherheitskreisen darauf hingewiesen, dass vergleichbare Fälle in der Vergangenheit beim Geheimdienst meist diskret im Hintergrund geklärt worden seien. Licht ins Dunkel soll nun der Kongress bringen. Neben der ausserehelichen Liasion hat der Rücktritt von Petraeus wohl auch andere Gründe: Die Umstände des Skandals beim mächtigen US-Geheimdienst liegen weitgehend im Dunkeln. Drängende Fragen stellen sich vor allem zu den Zuständen an der Spitze der CIA. US-Medienberichten zufolge kam die Affäre durch die Analyse eines Computers von Petraeus ans Licht.Demnach begann die Bundespolizei FBI mit Untersuchungen, nachdem sich eine bislang unbekannte Frau - später stellte sich heraus, dass es sich um eine Aussenministerium-Mitarbeiterin namens Jill Kelley handelt - über E-Mails der mutmasslichen Geliebten von Petraeus, Paula Broadwell, beschwert hatte. Laut «New York Times» und «Washington Post» soll Broadwell die Frau in den E-Mails beschimpft haben, weil sie diese als Bedrohung für ihre Beziehung zu Petraeus empfunden habe. Alles begann offenbar mit einem Eifersuchtsdrama. So schickte Broadwell Droh-Mails an Jill Kelley, die angeblich eine freundschaftliche Beziehung zu Petraeus unterhielt (zweite von rechts, neben Holly Petraeus stehend). Die 37-jährige Kelley ist eine Mitarbeiterin des Aussenministeriums in Florida. Kelley arbeitet als Kontaktperson zwischen dem Ministerium und einer Kommando-Einrichtung der US-Streitkräfte. Von den Mails belästigt, informierte sie das FBI. Das FBI entdeckte auch, dass sich Broadwell anscheinend im Besitz von geheimen Dokumenten befand. Die an der Untersuchung beteiligten Beamten seien aber offenbar zu dem Schluss gekommen, dass die Papiere wahrscheinlich nicht von Petraeus stammten und die Sicherheit nicht gefährdet gewesen sei. Trotzdem hat das FBI am 12.11.12 Broadwells Haus in Charlotte in North Carolina durchsucht. Die amerikanische Bundespolizei suchte nach heiklen Dossiers, die in die Hände der Ex-Geliebten Broadwell hätten gelangen können. Unterdessen wird auch gegen Afghanistan-Kommandeur John Allen ermittelt. Er soll eine nicht «angemessene Kommunikation» mit Jill Kelley unterhalten haben, die im Zentrum der Petraeus-Affäre steht. Kelley gilt als Auslöser der Petraeus-Affäre. Sie war eine enge Freundin der Familie des Ex-CIA-Chefs und soll Droh-E-Mails von dessen Ex-Geliebter Paula Broadwell erhalten haben. Der Rücktritt des CIA-Chefs am 9.11.12 hatte Washington und die Nation geschockt. Der über Parteigrenzen hinweg als Kriegsheld gefeierte Petraeus galt als ein Mann der Disziplin und Geradlinigkeit. Er war auch ein Hauptakteur der Regierung im Anti- Terror-Kampf, bei dem die CIA eine zunehmend aktive Rolle übernommen hat.

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Auch Geheimdienste kochen nur mit Wasser, lautet eine zentrale Erkenntnis aus der Petraeus-Affäre, die immer weitere Kreise zieht. Der oberste Spion der CIA hat es den Kollegen vom FBI offenbar sehr einfach gemacht, seiner ausserehelichen Liaison auf die Spur zu kommen. Auch Paula Broadwell hätte es als Anti-Terror-Expertin besser wissen müssen.

Die beiden tauschten ihre geheimen Liebesbotschaften offenbar über ein gemeinsames Gmail-Konto aus: Anstatt E-Mails hin und her zu senden, speicherten sie ihre Nachrichten als Entwürfe. So konnte die andere Person sich einloggen und die Botschaften im entsprechenden Ordner lesen. «Petraeus and Broadwell benutzten offenbar einen Trick, der sowohl Terroristen als auch Teenagern bekannt ist, um ihre E-Mail-Spuren zu verwischen», schreibt die Nachrichtenagentur AP.

Der Trick, in der deutschen Spionageliteratur als «toter Briefkasten» bekannt, hat schon etwas Staub angesetzt. «Das dürfte auch der Grund sein, warum das FBI nicht darauf hereingefallen ist», schreibt die «Washington Post».

(kri)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Balz am 16.11.2012 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Die Dame

    Soo hübsch ist die ja gar nicht...

    • Andi am 16.11.2012 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      Hübsch?

      Für Petraeus' Verhältnisse schon ;)

    einklappen einklappen
  • Dr_Photon am 14.11.2012 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht strafbar, nicht "gegangen worden"

    P. hat weder ein Verbrechen begangen, noch wurde er entlassen, sondern hat offenbar aus eigener Initiative seinen Job quittiert. Ist halt trotzdem noch ein Mustersoldat, der sein eigenes Urteilsvermögen hinterfragte und Konsequenzen zog.

  • Roberto am 13.11.2012 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwachen

    Leute bitte wacht auf, glaubt ihr ernsthaft dass Petraeus wegen der Affäre zurückgetreten ist!? Ist doch alles nur ein Vorwand...

  • David am 13.11.2012 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    sympathisch

    er wirkt trotz seiner Funktion für eine unsympathisch anmassende und sich überall ungefragt einmischende Organisation fast sympathisch - wie ein Junge:-). Gut möglich, dass die Frau auch im Auftrag von "Interessengruppen" innerhalb von CIA oder dem militärischen Komplex handelte, die ihn weghaben wollten.

  • Kurt am 13.11.2012 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fremdgehen strafbar

    Verstehe das problem nicht. Seit wann ist untreue und oder eine Affäre strafbar?