Syrien

05. Februar 2018 22:25; Akt: 05.02.2018 22:25 Print

Assad soll wieder Giftgas eingesetzt haben

Bei Bombenangriffen des Assad-Regimes sollen Dutzende Zivilisten getötet worden sein. Aktivisten werfen der Regierung den Einsatz von Chlorgas vor.

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Im Nordwesten Syriens sollen Assad-Streitkräfte Chlorgas eingesetzt haben. Ein Arzt vor Ort sagte zur BBC, die Bombe sei von einem Militärhelikopter abgeworfen worden, der von einer nahe gelegenen Regierungsbasis gestartet sei.

Der Arzt Mohammed Ghaleb Tannari sagte zur Nachrichtenagentur AFP, sein Krankenhaus habe elf Menschen mit Symptomen behandelt, die auf Chlorgas hindeuteten. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Sonntag mit, ein «ekelerregender Geruch» habe sich nach dem Angriff ausgebreitet. In New York will sich am Montag der UNO-Sicherheitsrat mit dem Einsatz von Chemiewaffen in Syrien befassen.

Rebellenhochburg bleibt bedrängt

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete zudem Luftangriffe auf die Rebellenhochburgen Ost-Ghuta und Idlib im Nordwesten Syriens, denen Dutzende Zivilisten zum Opfer gefallen seien. Allein auf einem Markt der Stadt Beit Sawa starben laut der Beobachtungsstelle zehn Zivilisten. Weitere neun Tote gab es demnach in Arbin. Im Ort Maarat al-Numan wurde auch ein Spital getroffen. Den Weisshelmen zufolge ist die Klinik nach dem Angriff ausser Betrieb.

Die umkämpfte Provinz Idlib ist eine der letzten Rebellenhochburgen in Syrien. Regierungstruppen konnten jedoch in den vergangenen Wochen grössere Gebiete einnehmen und setzen ihre Offensive gegen die überwiegend islamistischen Milizen fort.

Russische Jets unterstützten die Angriffe. Rebellen hatten am Wochenende erstmals ein russisches Flugzeug abgeschossen. Moskau ist im Bürgerkrieg ein wichtiger Verbündeter der Regierung in Damaskus.

Produziert Assad weiterhin Chemiewaffen?

Syrien war nach einem Giftgasangriff 2013 unter starkem internationalem Druck der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) beigetreten und hatte der Vernichtung seiner Chemiewaffen zugestimmt. Bis jetzt ist aber unklar, ob das Land tatsächlich alle Bestände zerstören liess. Chlorgas fällt nicht unter das Verbot, da es auch für zivile Zwecke eingesetzt werden kann.

Am Donnerstag hatte US-Verteidigungsminister James Mattis Syriens Führung unter Präsident Baschar al-Assad beschuldigt, weiterhin Chemiewaffen zu produzieren und einzusetzen. Das syrische Aussenministerium wies diese Anschuldigungen in einer Stellungnahme an die staatliche Nachrichtenagentur Sana zurück. Man habe die gesamten Chemiewaffenbestände der OPCW übergeben, hiess es.

(nk/sda/afp)