Waffen für psychisch Kranke

08. November 2017 19:44; Akt: 08.11.2017 19:44 Print

Hätte Obama-Regel den Texas-Amok gestoppt?

Unter Barack Obama sollten psychisch Kranke nur schwer an Waffen gelangen. US-Präsident Donald Trump hat dieses Gesetz ausgehebelt. Ist der Amoklauf in Texas eine Folge davon?

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Die Einschusslöcher sind mit Farbe markiert: Ein Sheriff vor der First Baptist Church in Sutherland Springs (7. November 2017). Der 26-jährige Devin Kelley hatte in der kleinen Gemeinde in Texas am 5. November ein Blutbad angerichtet und 26 Gläubige erschossen. Als Ursache für den Angriff auf die Kirche vermuten die Behörden Familienstreitigkeiten. Schock und Trauer in der Gemeinde: Für jedes Opfer haben die Bewohner ein weisses Kreuz vor der Kirche aufgestellt. Die Lieferung mit den Kreuzen kommt aus Chicago. Der Schütze wohnte in einem Vorort von San Antonio: Das Haus des Täters Devin Kelley wird von der Polizei durchsucht. (5. November 2017) Der Tatort: In der First Baptist Church im texanischen Sutherland Springs schoss der Täter um sich. (5. November 2017) Menschen gedenken der 26 Getöteten und zahlreichen Opfern. (5. November 2017) In diesem Auto wurde der Schütze tot aufgefunden. (5. November 2017) Der Täter wurde als ehemaliges Mitglied der US-Luftwaffe identifiziert: Polizisten und das FBI beim Tatort. (5. November 2017) Die Polizei hat auf den Strassen rund um Sutherland Springs zunächst Sperren errichtet. Ermittler untersuchen den Tatort in der Kirche in Sutherland Springs. Der texanische Gouverneur Greg Abbott (sitzend) richtet sich an die Presse. Ungewissheit und Trauer: ... ... Anwesende bangen und beten für ihre Angehörigen in der Kirche. (5. November 2017) Ein Mann hat um 11.30 Uhr (Ortszeit) die First Baptist Church betreten und zahlreiche Menschen erschossen. (5. November 2017) Unklar war zunächst, ob sich der Angreifer selbst das Leben nahm oder von der Polizei erschossen wurde: Die Einsatzkräfte vor Ort. Ein Zeuge, der bei einer gegenüber der Kirche liegenden Tankstelle arbeitet, berichtete im TV-Sender CNN, er habe mindestens 20 Schüsse gehört. Die «Dallas Morning News» berichtete auf ihrer Website, ein zwei Jahre altes Kind sei unter den Verletzten.

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Aus dem Leben des Amokläufers von Texas, Devin Kelley, werden weitere Details bekannt: Der 26-Jährige war bereits vor einigen Jahren in einer psychiatrischen Klinik und brach dort aus. Dem Sender KPRC in Houston zufolge wurde Kelley im Juni 2012 in der Anstalt Peak Behavioral Health Services behandelt. Kurz nach seiner Flucht wurde er allerdings wieder gefasst.

Zuvor war der ehemalige Soldat der Air Force dabei erwischt worden, wie er «mit Feuerwaffen auf dem Luftwaffenstützpunkt Holloman herumschlich», wo er stationiert gewesen war. Kelley habe versucht, Vorgesetzte bei der Armee mit dem Tod zu bedrohen. Ein Blutbad richtete er dann vergangenen Sonntag in der Kirche von Sutherland Springs an.

Mit einem Sturmgewehr der Marke Ruger AR-15 tötete er 26 Menschen. Schnell war die Debatte um striktere Waffengesetze erneut entfacht. US-Präsident Donald Trump reagierte prompt und sprach sich gegen schärfere Kontrollen bei Waffenverkäufen aus: Das Problem sei nicht das US-Waffenrecht, sagte er. «Wir haben eine Menge psychischer Störungen in unserem Land, wie andere Länder auch.» Kelley sei «sehr verwirrt» und in «höchster Weise psychisch gestört».

Regelung als Reaktion auf Schulmassaker

Dass psychisch kranke Menschen in den USA legal Waffen erwerben können, hält Trump offenbar für unproblematisch. Erst im Februar, nur fünf Wochen nach seiner Vereidigung als Präsident, veranlasste Trump, dass eine von Barack Obama eingeführte Regelung (es sollte nicht die letzte bleiben) rückgängig gemacht wurde.

Nach drei Jahren heftigen Widerstands hatte Obama im Dezember 2016 Massnahmen durchgesetzt, die Menschen mit nachgewiesenen schweren psychischen Erkrankungen den Kauf von Feuerwaffen erschweren. Dies war seine Reaktion auf das Schulmassaker in Newtown 2012, bei dem Adam Lanza, ein 20-Jähriger mit schweren psychischen Problemen, zwanzig Kinder und sieben Erwachsene tötete.

Unter der Obama-Regel sollten die Behörden eine Liste von Menschen mit bestätigten psychischen Erkrankungen erstellen, die beim Kauf einer Schusswaffe speziell überprüft worden wären. Davon wären schätzungsweise 75'000 Amerikaner betroffen gewesen.

Versäumnisse der Behörden

Auch in einer weiteren Datenbank tauchte Kelley nicht auf. Am Montag waren Versäumnisse bei der Weitergabe von Informationen über den 26-Jährigen ans Licht gekommen.

Die Verurteilung des früheren Luftwaffensoldaten wegen häuslicher Gewalt gegen seine damalige Ehefrau und seinen Stiefsohn sei ersten Erkenntnissen zufolge nicht in die zentrale Datenbank zur Überprüfung von Schusswaffenkäufern eingetragen worden, teilte eine Sprecherin der Luftwaffe am Montag mit. Kelley hatte von 2010 bis 2014 bei der US-Luftwaffe gedient und wurde schliesslich unehrenhaft entlassen.

(kko/ap)