Alles rückgängig machen!

05. Oktober 2017 22:22; Akt: 05.10.2017 22:22 Print

Hat Trump einen Obama-Komplex?

von Martin Suter, New York - Donald Trump scheint einem Prinzip zu folgen: Was auch immer Barack Obama vollbrachte, muss vernichtet werden. Das lässt sich erklären.

Der Biograf David Cay Johnston lässt im Interview kein gutes Haar an Donald Trump.
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Im Vergleich zu früheren US-Präsidenten ist bei Donald Trump keine festgefügte Ideologie zu erkennen. Als TV-Star und Immobilienmann stand er während vieler Jahre den New Yorker Demokraten nahe. Seine Verbundenheit mit den Republikanern in Washington scheint wenig stabil.

Mittlerweile folgt er einem Grundsatz: Obamas Leistungen müssen rückgängig gemacht werden. Wie die Nachrichtenagentur AP kürzlich aufgelistet hat, folgen diesem Prinzip viele von Trumps Verordnungen:

Immigration: Trump droht, die von Obama verfügte Aufenthaltserlaubnis für Illegale aufzuheben, die als Jugendliche eingewandert sind.

Klima: Trump will die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen lassen.

Bildung: Trump hebt Obamas Richtlinien zur Untersuchung sexueller Übergriffe auf.

Transgender: Trump streicht Obamas Regel, dass Transsexuelle Schultoiletten ihrer Wahl benützen dürfen, und er sperrt die Aufnahme von Transgendern in die Streitkräfte.

Einreiseverbot: Trump reduziert die unter Obama grosszügige Höchstzahl von Flüchtlingen und verbietet Menschen aus zumeist muslimischen Risikostaaten die Einreise.

Steuerreform: Trump will den höchsten Einkommenssteuersatz, den Obama auf 39,5 Prozent heraufgesetzt hatte, wieder auf 35 Prozent senken.

Wie durchgängig Trump Obama konterkariert, fiel unlängst auch dem Spätabend-Talker Jimmy Kimmel auf. «Seine Agenda scheint hauptsächlich daraus zu bestehen, alles umzukehren, was Obama tat», sagte Kimmel. «Hoffentlich holt er nicht bin Laden zurück ins Leben.»

Psychologen hätten sich noch nicht ausdrücklich der Frage von Trumps Obama-Fixierung angenommen, sagt die in dieser Frage kenntnisreiche Fachjournalistin Sharon Begley auf Nachfrage von 20 Minuten. Die Besessenheit «passt aber zu seinem Narzissmus.»

Tiefere Zweifel am eigenen Wert

Nach gängiger Deutung maskiere solche Selbstliebe tiefergründigere Zweifel über den Wert einer Person, schreibt Begley in einem E-Mail. «Diese Zweifel werden verschärft in Gegenwart einer Figur, die dich zu überschatten droht oder die Geltung der oberflächlichen Überlegenheitsgefühle in Frage stellt. Für Trump scheint Obama diese Figur zu sein.»

Begley erklärt damit nicht nur das offensichtliche Bedürfnis Trumps, Obamas Vermächtnis aufzuheben. Wichtig sei auch die Erklärung, dass die politischen Vorhaben Obamas schlecht und misslungen seien. «Das Misslingen und das Schlechte verkleinern die Figur, mit der Trump sich vergleicht. Das Ergebnis leistet dem Gefühl der eigenen Grösse Vorschub.» Sprich: Indem Trump Obama und seine Leistungen kleinmacht, erhebt er sich über diesen und macht sich selbst grösser.

Auch ein Rassist

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Biograf David Cay Johnston, einer der besten Kenner Trumps. Bereits im Januar zeigte sich Johnston in einem Interview mit 20 Minuten äusserst kritisch gegenüber Trump. In einem Video-Interview erklärt er Trump jetzt nicht nur für einen Narzissten. Er hält den amtierenden US-Präsidenten auch für einen Rassisten. Das Vorbild Obamas, des ersten schwarzen Präsidenten, müsse müsse daher besonders unerträglich sein, glaubt Johnston (siehe Interview oben).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein verzweifelter Bürger am 05.10.2017 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragische Figur

    Trump hat ganz gewiss einen Obama Komplex, ohne Frage. Hinzu kommt, dass er nur etwa 1/4 der Intelligenz von Obama besitzt. Ganz abgesehen von seinen narzisstischen Zügen und seinen anderen Störungen wird er der schlechteste Präsident ever sein.

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  • Bud am 05.10.2017 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man lernt nie aus

    trump ist zweifellos der falsche mann für amerika, aber eine gute lektion!

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  • Km am 05.10.2017 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für immer im Schatten

    Auch wenn er nun Präsident ist, Trump kann niemals aus dem Schatten von Obama treten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gerechtigkeit siegt immer am 06.10.2017 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deja-vu

    Kommt mir bekannt vor. Den gleichen Komplex hat auch Erdoan mit Mustafa Kemal Atatürk. Alles rückgängig machen! Da stellt sich nur die Frage, wieso? Neid? Einversucht? Minderwertigkeitskomplexe?

  • DD am 06.10.2017 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wie auch immer

    Trump wird als der beste Präsident aller zeiten in die Geschichte eingehen... welch ironie... wenn die Medien gegen ihn sind, kann er versuchen was er will... es wird immer schlecht dargestellt...

    • T. Uchrut am 06.10.2017 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @DD

      Schon mal den Spruch gehört: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben?

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  • Asterix am 06.10.2017 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Einen Obama-Komplex?

    Ich würde sagen der hat einen ganzen Haufen von Komplexen. Der Obama-Komplex ist nur einer davon. Wie schwer das Leben doch sein muss, mit einem solch kaputten Selbstbewusstsein.

  • N. Liber-Feudalmann am 06.10.2017 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ne, nicht wirklich

    Obama hat vor allem sehr viel geredet, viel versprochen, wenig davon gehalten und viel warme Luft produziert. Gemacht hat er eigentlich wenig bis gar nichts von Bedeutung. Somit kann auch nicht viel vernichtet werden Und labbern kann Trump auch. Der letzte POTUS mit einigermassen Gehalt war Carter und vor dem JFK. Der Rest hat nur seine Günstlinge bedient.

    • Klaus07 am 06.10.2017 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @N. Liber-Feudalmann

      Mir ist warme Luft tausend mal lieber als einen eisigen Wind.

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  • leser* am 06.10.2017 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    zu bedenken

    Ich gebe offen zu, dass ich der Person auch kritisch ggü stehe. ABER weder der Präsident noch Donald Trump kann alles ganz alleine entscheiden oder kippen. Neben ihm gibt es eine Mannschaft und auch Berater, die fleissig mithelfen. Und wichtiger, der Grossteil der Bevölkerung steht immer noch hinter diesen Entscheidungen oder empfindet diese nicht schmerzhaft (genug), um dagegen vorzugehen. Und by-the-way, wer von uns würde nicht auch einen Politiker unterstützen, der unser teures Gesundheitssystem "abschaffen" und gegen ein günstigeres ersetzen will?!