Türkisch-kurdischer Konflikt

13. März 2018 18:58; Akt: 13.03.2018 18:58 Print

In Deutschland brennen Moscheen – wegen Afrin?

Innert weniger Tage kam es in Deutschland zu Brandanschlägen gegen türkische Einrichtungen und Moscheen. Die Polizei sieht den Hintergrund im aktuellen türkisch-kurdischen Konflikt.

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In Hannover haben Unbekannte in der Nacht auf Dienstag einen Brandanschlag auf zwei türkische Geschäfte verübt. Auf dem Gehweg fanden Ermittler einen Zettel mit dem handgeschriebenen Text «G.L. Afrin». Bereits in der Nacht auf Montag hatten im nordrhein-westfälischen Ahlen Unbekannte Brandsätze gegen ein türkisches Kulturzentrum und in ein davor abgestelltes Auto geworfen.

Damit setzte sich die Serie von Brandanschlägen auf türkische Einrichtungen in Deutschland fort. Zuvor hatte es Brandanschläge auf drei Moscheen in Berlin, im baden-württembergischen Lauffen und in Itzehoe in Schleswig-Holstein gegeben. Dort wurde parallel auch ein türkischer Gemüseladen mit einem Brandsatz attackiert. Ein weiterer Angriff galt einem türkisch-deutschen Freundschaftsverein im nordrhein-westfälischen Meschede.

Hinweise auf «extremistische kurdische Jugendorganisation»

Mittlerweile hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Ein politisch motivierter Hintergrund und ein Zusammenhang mit dem aktuellen türkisch-kurdischen Konflikt seien nicht auszuschliessen, hiess es. So gehen die Ermittler inzwischen von kurdischen Tätern aus, zumindest bei den Anschlägen in Lauffen und Itzehoe. Dies, weil ein als authentisch angesehenes Video samt Text auf einer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahestehenden Internetseite auf eine «extremistische kurdische Jugendorganisation» hindeute. «Für einen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt es im Moment allerdings wenig Ansätze», hiess es weiter.

Bereits am Wochenende hatten die Beamten mitgeteilt, dass sie einen Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen wegen der türkischen Offensive auf die kurdische Stadt Afrin in Syrien prüften. Wegen der Militäroperation gibt es seit Tagen in Deutschland, aber auch anderswo, immer wieder Demonstrationen von Kurden. Teils kommt es dabei zu gewalttätigen Protesten.

Deutschkurden: PKK – oder türkischer Geheimdienst?

Die Kurdische Gemeinde in Deutschland verurteilte die Anschläge scharf. Diese gefährdeten das Leben Unschuldiger sowie das friedliche Zusammenleben, erklärte sie in Berlin. Zudem schadeten sie dem Anliegen der Kurden.

Ihr Vorsitzender Ali Ertan Toprak rief alle Deutschkurden dazu auf, ausschliesslich friedlich zu protestieren. Nach Angaben seiner Gemeinde tauchten zuletzt einige Schreiben in sozialen Netzwerken auf, die junge Kurden zu Gewalt gegen türkische Einrichtungen in Deutschland aufforderten.

Türkei bestellt deutschen Botschafter ein

Toprak betonte aber, es sei unklar, wer für diese Aufrufe verantwortlich sei. Neben dem Umfeld der PKK komme auch der türkische Geheimdienst MIT in Frage. Dieser versuche, «den kurdischen Interessen zu schaden und die Kurden zu kriminalisieren».

Die Türkische Gemeinde rief die Bundesregierung zu einem besseren Schutz von türkischen Einrichtungen und einer «zügigen Aufklärung» der Brandanschläge auf. Die Häufung sei «nicht überraschend», sagte der Vorsitzende Gökay Sofuoglu den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) laut Vorabmeldung vom Montag. Die Türkische Gemeinde werde zunehmend aus dem rechten Lager angefeindet und ausserdem für die militärische Eskalation in Afrin verantwortlich gemacht.

Das türkische Aussenministerium hat derweil den deutschen Botschafter einbestellt. Das Ministerium habe ihm eine Note überreicht und die «erforderlichen Mahnungen» ausgesprochen, sagte der türkische Regierungssprecher Bekir Bozdag am Montag nach einer Kabinettssitzung in Ankara.

(gux/afp)