Entführte Christen

26. Februar 2015 13:28; Akt: 26.02.2015 13:28 Print

Ist Al-Hasaka das nächste Kobane?

Der IS entführt in Nordsyrien bis 400 Christen und droht, die Stadt Al-Hasaka einzunehmen. Dort könnte es zur nächsten entscheidenden Schlacht nach Kobane kommen.

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IS-Terroristen haben in den letzten Tagen zwischen 350 und 400 Christen entführt. Dies bestätigt die schweizerische Sektion der European Syriac Union (ESU), die direktem Kontakt zur Front in Syrien hat, gegenüber 20 Minuten. Männer, Frauen und Kinder seien aus elf Dörfern um die Stadt Tel Tamer in der Nähe der Provinzhauptstadt Al-Hasaka verschleppt. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach am Donnerstag von 220 Entführten.

Die assyrischen Christen vor Ort versuchen jetzt, die Geiseln auszutauschen. Die Verhandlungen mit dem IS liefen über arabische Stammesführer aus der Region, sagt Musa Konutgan, Vorstandsmitglied der Schweizer Sektion der European Syriac Union. «Diese sind auch Sunniten und haben Kontakt zum IS».

Strategisch wichtig für den IS

Unterdessen toben Kämpfe an mehreren Fronten um die Stadt Al-Hasaka. Der IS versuche vor allem, mit Selbstmordattentaten die Front zu verschieben, sagt Konutgan.

Der Kampf um Al-Hasaka kann mit demjenigen um Kobane verglichen werden. Die Stadt hat für den IS ebenfalls eine grosse strategische Bedeutung: «Der IS will die Stadt Al-Hasaka umzingeln, deshalb versucht er jetzt von Westen her die assyrischen Gebiete einzunehmen. Al-Hasaka liegt zwischen den IS-kontrollierten Städten Mossul und Rakka und ist somit ein strategisch wichtiger Knotenpunkt», sagte ESU-Schweiz-Vorstandsmitglied Konutgan.

Anders als manche Medien berichteten, sei es dem Widerstand aus assyrischen MSF-Kämpfern und kurdischen YPG-Kämpfern (siehe Infobox) bislang nicht gelungen, Dörfer zurückzuerobern, so die Angaben des ESU.

USA verurteilen IS-Attacken

Die USA verurteilten die Attacken des IS auf die christlichen Dörfer scharf. Bei den Übergriffen und Entführungen von Bewohnern handle es sich nur um die jüngsten Gräueltaten, die die Extremistengruppe gegen unschuldige Menschen verübt habe, sagte US-Regierungssprecherin Bernadette Meehan am Mittwoch (Ortszeit). Dabei verwies sie auf Berichte, wonach die IS-Miliz in der Nähe von Tikrit mehr als 100 irakische Sunniten gefangen genommen habe, darunter Kinder.

(cfr)