Versöhnliche Töne aus Pyongyang

03. Januar 2018 18:03; Akt: 03.01.2018 18:09 Print

«Kim will Keil zwischen seine Gegner treiben»

von Noah Knüsel - Nord- und Südkorea kommunizieren erstmals seit zwei Jahren wieder direkt. Für Korea-Kenner Werner Pfennig ist unklar, ob Kim Jong-uns Annäherung ernst gemeint ist.

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Trotz neuer Provokationen von US-Präsident Donald Trump gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un gehen Pyongyang und Seoul weiter aufeinander zu: Nord- und Südkorea gaben am Mittwoch einen seit knapp zwei Jahren abgeschalteten Kommunikationskanal wieder frei und führten ein erstes Gespräch über die Leitung.

Werner Pfennig, Leiter des Instituts für Koreastudien der Freien Universität Berlin, hat die Annäherung für 20 Minuten eingeordnet.

Herr Pfennig, nach zwei Jahren Funktstille und etlichen Drohgebärden stellen die beiden Staaten wieder eine direkte Kommunikation her. Warum?
Werner Pfennig: Offiziell geht es um die Teilnahme einer nordkoreanischen Delegation an den Olympischen Winterspielen im Februar im südkoreanischen Pyeongchang.

Gibt es ein weiteres Motiv?
Kims Wortwahl bei seiner Rede zum Jahresanfang kann man zwar durchaus als versöhnlich beschreiben. Aber: Das ist ein altes Muster von ihm. Wenn er der Meinung ist, Nordkoreas Gegner seien uneins, versucht er einen Keil zwischen sie zu treiben.

Im aktuellen südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in hat er einen offenen Gesprächspartner, der grundsätzlich verhandlungsbereit ist. So steigt Seoul jetzt auf sein Gesprächsangebot ein.

Warum?
Eines von Präsident Moon Jae-ins wichtigsten Anliegen ist, dass sich der Konflikt nachhaltig entspannt. Käme es tatsächlich zu substanziellen Gesprächen, wäre das für ihn ein grosser Erfolg. Zwar stimmen die bisherigen Erfahrungen eher pessimistisch, aber ich persönlich hoffe, dass dieses Mal Fortschritte erzielt werden.

Was versprechen sich die beiden Seiten von möglichen Gesprächen?
Südkoreas Regierung möchte, dass eine nordkoreanische Delegation von Funktionären oder sogar Sportlern die olympischen Spiele besucht. Das wäre ein starkes Zeichen der Annäherung.

Kim würde dafür aber eine Gegenleistung erwarten. Denkbar wären mehrere Dinge: Die Wiedereröffnung der gemeinsamen Sonderwirtschaftszone von Nord- und Südkorea, von der Pyongyang finanzielle Vorteile hätte. Und auch die Absage oder Verschiebung der gemeinsamen Militärübung von Südkorea und den USA, die zur Zeit der olympischen Spiele stattfinden würde. Für Letzteres spricht auch Kims Wortwahl in der Neujahrsrede: Er wünsche sich für Olympia ein «friedliches Umfeld».

Was bedeutet die neue Gesprächsbereitschaft für Ostasien?
Grundsätzlich geht ein Aufatmen durch die Region. Die direkten Nachbarn Russland und China haben grosses Interesse daran, dass die Lage auf der koreanischen Halbinsel nicht eskaliert. Wenn der Konflikt aber als Krise vor sich hinschwelt, spielt das vor allem Japan in die Hände, das derzeit einen offensiven politischen Kurs fährt. Es nutzt die von Nordkorea ausgehende Bedrohung, um aufzurüsten, und möchte den eigenen Streitkräften eine grössere Rolle einräumen.

Inwiefern spielt es eine Rolle für die Weltgemeinschaft?
Nordkorea, das reich an Bodenschätzen ist, könnte bei einer Öffnung und Deeskalation ein Handelspartner für Europa, Asien und die USA werden. Die Weltgemeinschaft hat genug Probleme, eines weniger wäre ein Gewinn, und eine Normalisierung auf der koreanischen Halbinsel böte für alle Vorteile. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die USA ihren harten Kurs gegenüber Nordkorea aufgeben werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Irre mit dem Smartphone am 03.01.2018 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geopolitik

    In dieser künstlich aufgebauschten Krise, ist jeder versucht ein Maximum an Vorteilen heraus zu holen. Nordkorea will den Status als Nuklearmacht und die damit einhergehende Sicherheit für das Regime. Südkorea will Deeskalation, um Sicherheit und die Vorteile eines Billiglohnlandes wieder zu erhalten, im Idealfall einen Friedensvertrag mit dem Nachbarn. Japan braucht die Bedrohung um ungehindert aufrüsten und um von innenpolitischen Problemen ablenken zu können. Die USA brauchen Nordkorea um Waffensysteme und Truppen in der Region zu legitimieren, welche unter normalen Umständen nicht geduldet würden und um gute Waffengeschäfte führen zu können. China und Russland brauchen Nordkorea als Puffer zum amerikanischen Satellitenstaat Südkorea. Zuviel Entspannung ist ebenso wenig gewünscht, wie ein offener Krieg. Einzig Südkorea scheint aufrichtig an einer Entspannung interessiert zu sein. Doch solange soviele konträre Ziele der Groß- und Regionalmächte aufeinander prallen und alle nur auf ihren Vorteil aus sind, anstatt das Wohl aller zu ihrem Ziel zu machen, wird sich nichts verändern.

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  • Leser am 03.01.2018 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Keil

    Also im Prinzip kann er machen was er will, es ist immer falsch...

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  • Maler50 am 03.01.2018 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grundsätzlich

    Grundsätzlich ist es doch zu begrüßen wenn sich die beiden Länder aufeinander zu bewegen,auch die kleinsten Schritte zählen! Wünschenswert wäre auch die USA würden sich jetzt auch verbal zurück halten,träumen darf man ja!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Borat am 04.01.2018 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regenbogen

    Aber die USA will das natürlich nicjt, sie sind Friedensstifter im nahen Osten.

  • Ferdi am 04.01.2018 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er zeigt sich Dialogbereit

    Und ihr motzt noch immer?

  • Einfach mal so am 04.01.2018 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Der Irre mit Samartphon

    Kompliment super dein Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf.

  • Kurt am 04.01.2018 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe das anders

    Wer hier einen Keil zwischen Nord und Südkorea treibt sind die USA.

  • Propagandalf am 04.01.2018 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wacht auf

    Ah ja klar. Und die USA wollen ja immer nur Frieden stiften, so wie im Irak, Lybien, etc. gäll.