Gewalt gegen Frauen

20. Juni 2013 15:23; Akt: 20.06.2013 15:38 Print

Jede dritte Frau wird verprügelt oder genötigt

Mehr als jede dritte Frau weltweit wird Opfer von Prügel, Vergewaltigung oder sexueller Nötigung. Dies zeigt eine erste systematische Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO.

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Seit einer brutalen Gruppenvergewaltigung in diesem Bus im Dezember 2012 erschüttern immer mehr vergleichbare Fälle das Land. Das Opfer der Vergewaltigung, eine 23-jährige Medizinstudentin, war an den Folgen des Missbrauchs gestorben. Seither gehen viele Inder auf die Strasse. Viele Frauen wünschen sich besseren Schutz gegen sexuelle Übergriffe. Vor allem in Neu Delhi. Die Polizei ging am 22. Dezember 2012 in der Hauptstadt Neu Delhi bei einer Kundgebung mit tausenden Teilnehmern mit Tränengas und Wasserwerfern gegen wütende Demonstranten vor, die gegen die Gruppenvergewaltigung einer 23-Jährigen protestierten. Zu den Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften kam es, als eine Gruppe aus überwiegend jungen Frauen und Männern versuchte, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und zum Haus des Staatspräsidenten vorzudringen. Als sie eine Absperrung in einer Hochsicherheitszone Neu-Delhis zu durchbrechen versuchten, reagierte die Polizei mit Tränengas. Einige Demonstranten griffen die Beamten mit Steinen an. «Wir wollen Gerechtigkeit» und «Hängt die Vergewaltiger», forderten Demonstranten bei den Protesten, die den sechsten Tag in Folge andauerten. Die Regierung rief die Demonstranten zur Ruhe auf. Man sucht nach Antworten zu Fragen, weshalb junge Frauen in Neu-Delhi so oft vergewaltigt werden. Nach der Tat im Dezember kamen immer weitere Fälle ans Licht: In Bihar wurde am Mittwoch die Leiche einer misshandelten Zehnjährigen aus einem Kanal gefischt und eine 14-Jährige war nach abscheulichen Übergriffen in kritischem Zustand. Diese Demonstranten in Neu-Delhi fordern die Todesstrafe: «Hängt die Vergewaltiger» steht auf ihren Schildern. Bei den Protesten kam es auch zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei. Eine Welle der Wut schwappt über ein Land, in dem Verbrechen gegen Frauen häufig nicht geahndet werden. Die «Times of India» widmete dem Fall am Mittwoch vier Seiten und verlangte, an den Tätern ein Exempel zu statuieren. «Werden nicht vergewaltigt» wurde auf dem Plakat in «Vergewaltigt nicht» abgeändert. «Todesstrafe für die Vergewaltiger» , fordern diese Demonstratinnen und .. ... dieser junge Mann «schämt sich, ein Inder zu sein».

In Indien ist das Vergewaltigungs-Problem gross.

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«Gewalt gegen Frauen ist ein globales Gesundheitsproblem von epidemischem Ausmass», erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Donnerstag zur Veröffentlichung der Studie in Genf. Zu den Ergebnissen der weltweiten Studie gehört, dass Frauen sexuelle und andere Brutalitäten weit öfter durch ihre Partner erleiden als durch fremde Vergewaltiger.

Unter Gewalttaten innerhalb von Beziehungen leiden demnach etwa 30 Prozent aller Frauen weltweit. Zudem sei bei 38 Prozent aller Frauen, die Opfer von Morden werden, der aktuelle oder ehemalige Intimpartner der Täter. 7,2 Prozent aller Frauen werden der Studie zufolge Opfer sexueller Gewalt durch andere Menschen als ihre Beziehungspartner, wobei die Autoren eine untere Altersgrenze von 15 Jahren ansetzten.

Unter den Folgen der Gewaltanwendung gegen Frauen nennt die WHO Depressionen und Alkoholprobleme. Vergewaltigte Frauen seien 1,5 Mal öfter mit Geschlechtskrankheiten infiziert als andere. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, doppelt so gross wie bei anderen Frauen.

(dno/sda)