Anschlag geplant

22. April 2013 21:44; Akt: 23.04.2013 15:43 Print

Kanadas Polizei schnappt Al-Kaida-Terroristen

Die kanadische Polizei hat zwei Männer verhaftet, die einen Anschlag auf einen Zug geplant hatten. Ein Zusammenhang mit den Boston-Attentaten bestehe nicht. Eine Spur führt dagegen in den Iran.

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Ein Passagierzug der kanadischen Bahngesellschaft Via Rail war das Ziel eines Terrorangriffs von zwei Männern. (Bild: Reuters)

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Zwei mutmassliche Islamisten sollen einen kanadischen Personenzug als Ziel für einen Anschlag ins Visier genommen haben - auf Anweisung von Al-Kaida-Elementen im Iran. Teheran weist den Vorwurf als lächerlich zurück. Noch am Dienstag soll es eine Anhörung geben.

Kanadische Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben einen Terroranschlag auf einen Zug verhindert und zwei Verdächtige festgenommen. Die Männer sollen Verbindungen zu Kräften des Terrornetzwerks Al-Kaida im Iran haben. Am Dienstag sollten sie erstmals zu einer Anhörung vor Gericht erscheinen, teilten die Behörden in Toronto mit. Die beiden mutmasslichen Islamisten im Alter von 30 und 35 Jahren sollen auf Anweisung von Al-Kaida-Elementen im Iran einen Anschlag auf einen Personenzug geplant haben. Teheran wies jegliche Verbindung zu dem Fall entschieden zurück.

«Das ist der erste bekannte von Al-Kaida geplante Angriff, den wir in Kanada erlebt haben», sagte Polizei-Superintendent Doug Best am Montag vor Journalisten in Toronto. Die Verdächtigen wollten demnach in der kanadischen Metropole einen Personenzug der Bahngesellschaft Via Rail zum Entgleisen bringen.

Muslimische Gemeinde kommentiert

Polizeisprecherin Jennifer Strachan sagte, die Vorbereitungen seien noch in der Planungsphase gewesen, deshalb habe keine konkrete Gefahr für die Öffentlichkeit bestanden. Best sagte, finanzielle Hilfe aus dem Iran sei nicht geflossen. Auch gebe es keine Verbindungen zu den Bombenanschlägen von Boston vergangene Woche.

Ein Anwalt der muslimischen Gemeinde in Kanada, Hussein Hamdani, und der Leiter einer Organisation für zum Islam konvertierte Bürger, Muhammad Robert Heft, sagten, bei einem Verdächtigen handele es sich um einen Tunesier, der andere komme aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Hinweise zu ihrer Ergreifung seien aus der muslimischen Gemeinde gekommen, sagte Polizei-Superintendent Best.

Die Polizei machte keine Angaben zur Nationalität der Verdächtigen. Es hiess lediglich, sie seien keine kanadischen Staatsbürger und hätten sich für «geraume Zeit» im Land aufgehalten. Eine Sprecherin der Universität von Sherbrooke bei Montreal sagte, einer der Terrorverdächtigen habe von 2008 bis 2009 an der Bildungseinrichtung studiert. Ein Jahr darauf sei er dann zu einem nahe gelegenen Forschungsinstitut gewechselt, um seinen Doktor in Nanotechnologie zu machen, bestätigte eine Vertreterin des Instituts, Julie Martineau. «Wir sind natürlich sehr überrascht», sagte sie.

«Lächerlicher Schwindel»

Die Vorwürfe über eine mutmassliche Verbindung der Verdächtigen zu Al-Kaida-Elementen im Iran zog umgehend ein Dementi aus Teheran nach sich. Aussenminister Ali Akbar Salehi bezeichnete die Anschuldigungen aus Kanada als «lächerlichen Schwindel». Sein Sprecher Ramin Mehmanparast, sagte, es gebe «keine haltbaren Beweise» für eine Verwicklung des Irans in den Fall.

Terrorgruppen wie Al-Kaida seien weder politisch noch ideologisch mit seinem Land in Verbindung zu bringen, fügte er hinzu. Die Vorwürfe aus Kanada bezeichnete er als Teil einer feindseligen Politik gegen die Regierung in Teheran. Mehmanparast warf Kanada zudem vor, mit der Beteiligung an westlicher Hilfe für die Rebellen in Syrien indirekt auch die Al-Kaida zu unterstützen.

US-Geheimdienste sprechen dagegen von zumindest begrenzten Aktivitäten Al-Kaidas im Iran. Ein früherer CIA-Agent, der nun am Brookings-Institut ist, sagte, der Iran habe einige Al-Kaida-Mitglieder unter Hausarrest gestellt gehabt. «Einige haben vermutlich verdeckt gearbeitet», schrieb Bruce Riedel in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP. Die schiitisch geprägte Regierung im Iran beäugt das sunnitisch geführte Terrornetzwerk seit Jahren mit Argwohn.

(bee/sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • G. Soterios am 23.04.2013 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Hintergrund

    Al-Kaida ist ursprünglich ein CIA-Konstrukt aus dem afghanischen Widerstand gegen die Sowjets. Al-Kaida hat einen wahhabitischen/saslafistischen Hintergrund und sind bis auf den Tod mit dem schiitischen Iran verfeindet. Eine Beteiligung der iranischen Regierung ist ohnehin auszuschliessen, diejenige von westliche Geheimdiensten jedoch nicht.

  • Frankye G am 23.04.2013 04:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rätsel

    Eine Frage. Wie plant man einen Anschlag das die Polizei aufdecken lässt? Schereiben die auf Facebook "Huhu bald machen wir anschlag auf Zug" ? Ist jetz nicht böse gemeint, finde Terrorismus abscheulich aber mir kommts vor als wolle man einfach mal eine gute Nachricht bringen ohne zu wissen obs es so ist.

    • offlin am 23.04.2013 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Word 

      So ist es.

    • Robin Lee am 23.04.2013 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Frankye G

      Dank den Geheimdiensten und einem Netzwerk von internationaler Zusammenarbeit der Behörden. Natürlich kommunizieren Terroristen mit/untereinander (auch übers Internet). Die Behörden müssten nichts von all dem veröffentlichen.

    einklappen einklappen
  • Meme am 22.04.2013 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ablenkung

    Ja klar...

  • Tinu am 22.04.2013 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Terroristen unter uns

    Jetzt auch schon in Canada...damit ist Terrorismus auch in die Jungfräulichkeit der Schweiz abgestiegen. Seien wir uns nicht zu sicher...!

  • Thomas Alker am 22.04.2013 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Bravo ! Nur wieviele laufen nach wie vor unbehelligt durch die Strassen ?